Albrecht Martin (von links), Monika Schleicher, Jürgen Buck und Uwe Meisenbacher – das Leitungsteam des Arbeitskreises – bei der Gründungsversammlung der Gesellschaft. Foto: Wallburg

Schon länger ist eine Art Bürger-Photovoltaikanlage in Bad Liebenzell geplant. Nun wurde die dazugehörige Gesellschaft gegründet. Interessenten dafür gibt es genug – es fehlt eher an den notwendigen Dachflächen.

Bad Liebenzell - Der Arbeitskreis Energie und Wärmeversorgung beim "Runden Tisch Nachhaltiges Bad Liebenzell" lud zur Gründungsversammlung ins Polarion in Bad Liebenzell ein. Ziel und Zweck der Gesellschaftsgründung ist der Bau und Betrieb einer Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) auf dem Dach der Buck Gewerbeimmobilien GbR in Unterhaugstett.

Dieses Unternehmen stellt dafür eine Fläche von 313 Quadratmetern auf seinem Industriegebäude im Egarten 9 für die gesamte Laufzeit der Anlage kostenlos zur Verfügung. Günstige Rahmenbedingungen, ohne die eine derart schnelle Umsetzung und ein Projekt dieser Größenordnung wohl kaum hätte realisiert werden können.

Mindestens 20 Jahre

Dem Verpächter Jürgen Buck ist bewusst, dass ein kostendeckender Betrieb einer PV-Anlage nur bei einer einwandfreien Betriebszeit von mindestens 20 Jahren gewährleistet ist. Er verpflichtet sich deshalb, bauliche Veränderungen am Gebäude während der Gesamtlaufzeit zu vermeiden. Auch etwaige Rechtsnachfolger werden gleich mit an den Dachnutzungsvertrag gebunden. Auf der zur Verfügung gestellten Dachfläche haben 172 PV-Module Platz und können bei einer durchschnittlichen Lichtenergieausbeute eine Generatorleistung von rund 80 Kilowattpeak erreichen (Kilowattpeak ist gleichzusetzen mit potenzieller Spitzenleistung). Damit können im Jahr rund 80 000 Kilowattstunden erzeugt werden, so Uwe Meisenbacher.

Damit könnte man – wenn man den durchschnittlichen Energieverbrauch von 1300 Kilowattstunden pro Person zugrunde legt – mehr als 60 Menschen versorgen.

Die Gesamtkosten der Anlage werden laut Meisenbacher bei zirka 89 000 Euro netto liegen. Weitere zirka 10 000 Euro seien in der Kalkulation für zusätzliche Kabelführungen, Schaltkästen, Zähler und DV-Schnittstellen vorgesehen. Die gesamte Anlage soll nicht direkt auf dem Dach verschraubt, sondern durch Betongewichte beschwert werden.

Volleinspeisung ins Netz

Der Arbeitskreis hat sich im Vorfeld gegen eine Direktvermarktung des erzeugten Stroms an der Börse ausgesprochen und bevorzugt eine Volleinspeisung ins Netz.

Laut Meisenbacher sollen für die konzipierte Anlage und bei Volleinspeisung 11,36 Cent pro Kilowattstunde vergütet werden. Aus den heute gezeichneten Anteilen wurden ein Gesellschaftskapital von 99 000 Euro generiert.

"Die Nutzung der Solarenergie ist eine der umweltfreundlichsten Energieformen der Zukunft und wird staatlich gefördert. Sie ermöglicht eine krisensichere und dezentrale Energieversorgung." So steht es in der Vorbemerkung des Gesellschaftsvertrags. Alle Gesellschafter haben laut Gesetz grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten. Etwaige Einschränkungen regelt der Vertrag. So sind Einzahlungen der Gründungsgesellschafter bis 28. Februar 2023 zu leisten. Die Amtszeit des ehrenamtlich tätigen Geschäftsführers beträgt zwei Jahre. Mindestens einmal jährlich soll eine Gesellschafterversammlung einberufen werden. Beschlüsse der Gesellschafterversammlung bedürfen der Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen. Der Vertragsentwurf einstimmig angenommen.

Im Anschluss erfolgte die Wahl des Geschäftsführers. Meisenbacher wurde einstimmig gewählt. Ein Stellvertreter wurde am Abend noch nicht gefunden, soll aber bei einer der nächsten Gesellschafterversammlungen gewählt werden. Meisenbacher wird unterstützt durch die Beisitzer Monika Schleicher und Albrecht Martin.

Info

Es fehlt dringend an Dachflächen

Technisch betrage die Lebensdauer der Anlage, welche Mitte 2023 ans Netz gehen soll, laut Arbeitskreis 30 Jahre und mehr und kann im vorliegenden Fall bereits 30 000 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen. Da CO2 generell nicht schnell und auch umfassend genug reduziert werden kann, andererseits aber weitere Interessenten für den Erwerb von Gesellschaftsanteilen an PV-Anlagen Schlange stehen, sucht der Arbeitskreis dringend große Dächer in der Kommune, um weitere PV-Anlagen als GbR zu betreiben. Eine alternative und noch günstigere Variante sind Genossenschaftsanteile an PV-Anlagen. Die Bürger-Energiegenossenschaft eG Schömberg sieht hier gute Möglichkeiten, auch mit Bad Liebenzell zu kooperieren. Aber auch dafür braucht die Genossenschaft Dachflächen, in diesem Fall bevorzugt Dächer auf öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Hallen und Bürgerhäusern.