„Tut gut“: Kurt Brei mit Ziegen-Nachwuchs. Foto: ASM/Grandke

Vor einem Jahr musste die ASM in Nagold ihre Tieroase schließen. Eine baldige Eröffnung an neuer Stelle hat sich zerschlagen. Die verzweifelte Suche geht weiter.

ASM – das steht für Aktive Selbsthilfegruppe Miteinander. Der umtriebige Verein in Nagold ist auf ganz unterschiedlichen Ebenen aktiv. Doch stets soll das Miteinander im Vordergrund stehen.

 

Denn miteinander haben sie schon so viel erreicht in dieser Stadt – oft sichtbar für alle, aber noch öfters nicht direkt sichtbar, im Hintergrund, in den Herzen der Menschen.

Für viele Vereinsmitglieder ist die ASM nämlich wie eine Familie. Und in die bringt man sich ein. Jeder so, wie er eben kann.

„Wir haben gemerkt, das tut den Leuten gut“

Die Tieroase ist ein typisches ASM-Projekt. Typisch, weil man es einfach kurzerhand selbst in die Hand nahm, und kräftig zupackend aus einer Idee einen echten Mehrwert geschaffen hatte.

Ab 2013 ist die Tieroase Zug um Zug im Nagolder Wohngebiet Bächlen entstanden. „Das hatte sich zu einem richtigen Projekt entwickelt“, erinnert sich der ASM-Vorsitzende Kurt Brei. Kleine Stallungen und Zäune wurden angelegt. Und die Tieroase füllte sich mit Leben.

Munter ging es in der Tieroase zu. Foto: ASM/Grandke

Der Gedanke dahinter: „Wir haben gemerkt, das tut den Leuten gut“, so Brei. Ihm selbst natürlich auch. Hühner, Enten und Ziegen gab es in der Tieroase. „Tiere sind gut für die Behindertenarbeit“, sind Breis Beobachtungen. Aber auch den Menschen, aus dem Verein, die sich um die Tiere kümmerten, tat die sinnvolle Beschäftigung gut. Schulen, Vereine, Kindergartengruppen, Behinderteneinrichtungen, Familien – stetig erweiterte sich die Gästeschar. Auch in der Tieroase wurde das dem Verein so wichtige „Miteinander“ gelebt.

Ein Hoffnungsschimmer

„Da entwickelte sich eine echte Oase“, blickt Brei zurück. Das sei ein Lebenselixier für einige gewesen. Und so lag denn auch der Namen „Tieroase“ irgendwie auf der Hand.

Doch im April 2024 war Schluss. Der Landkreis als Vermieter hatte zuvor Eigenbedarf angemeldet, weil die Straßenmeisterei den Platz benötigte. Es fand sich kein Ersatz-Gelände. Also musste die Tieroase schweren Herzens komplett aufgelöst werden. „Wir haben alle Tiere ersteinmal untergebracht“, erzählt Kurt Brei. Und seitdem warten viele auf eine Wiederöffnung.

Aufgeben ist nicht Kurt Breis Sache. Wer den blinden Nagolder Stadtrat kennt, weiß: Er kann hartnäckig sein. Besonders, wenn es um das Behindertenwesen geht. Oder um ein Anliegen seiner ASM-Familie. Und es gab ja auch durchaus eine Nachfolge-Idee. Zusammen mit Nagolds OB rückte die Schiffswiese in den Mittelpunkt des Interesses. Ein Hoffnungsschimmer für Breis Herzensprojekt.

Ein Streichelzoo? „Das hätte uns überfordert“

„Aber der OB wollte einen Streichelzoo“, berichtet Kurt Brei. Und er bedauert: „Das hätte uns überfordert – auch von den Auflagen her.“ Also ist die ASM letztlich nicht auf die Idee eingegangen.

Mittlerweile häufen sich bei Brei die Nachfragen. Wie geht es denn nun weiter? So viele würden die Momente mit den Tieren vermissen. „Da ist für einige eine Welt zusammengebrochen“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Die Tiere zu pflegen, das sei ja eine Aufgabe gewesen, das sorgte für Selbstwertgefühl. „Und jetzt haben wir wieder nichts“, hat ein Betroffener zu Kurt Brei gesagt.

„Seit die Tiere weg sind, bist Du anders.“

Der ASM-Chef nimmt sich da selbst übrigens nicht aus. Auch er vermisst die innigen Tierbesuche. Der Psyche habe das gut getan. Zum Runterkommen eben. Kurt Brei weiter: „Meine Frau sagt: Seit die Tiere weg sind, bist Du anders.“

Herzensprojekt hin, Hartnäckigkeit her. Die Suche blieb erfolglos. Also appelliert der ASM-Vorsitzende nun an mögliche Grundstücksbesitzer. Vielleicht gebe es in Nagold jemanden, der dem Verein helfen könne. Brei: „Vielleicht ist da ja jemand, der etwas Gutes tun will?“

Auf Tuchfühlung mit Hühnern ging es in der Tieroase der ASM. Foto: ASM/Grandke

Konkret sucht die ASM ein Grundstück mit etwa 1000 Quadratmetern. Das Gelände sollte recht zentral in Nagold liegen. „Sonst kommen wir da nicht gut hin“, sagt Brei. Das Herrichten des Grundstücks würden die Vereinsmitglieder übernehmen. Und weil die Auflagen zu hoch seien, würde man auch nur noch Geflügel unterbringen wollen, auf Klauentiere also künftig verzichten. „Vielleicht kann ja jemand so ein Grundstück hergeben oder uns auch billig verpachten“, hofft Brei.