Während der Sportstätten-Führung in Schwenningen ging es mit Hans-Joachim Sproß (Mitte) auch an die Helios-Arena. Foto: Jochen Schwillo

Bei der Geschichtswoche informierte Stadtführer Hans-Joachim Sproß unter dem Titel der Führung „Wo Schwenningen Sportgeschichte schreibt – Sportstätten rund um den Bauchenberg“.

Er machte dabei deutlich, dass es weit mehr ist als eine Abfolge von Vereinsnamen. Gleich zu Beginn betonte Sproß mit, dass in Schwenningen schon 1893 Fußball gespielt wurde.

 

„Das war noch kein Vereinsspiel“, sagte er, „sondern eher ein Dorfereignis. Man hatte irgendwo einen Ball herbekommen und den durchs Dorf gejagt.“

Erst 1902 begann der geregelte Spielbetrieb, getragen von jungen Turnern, die sich für die neue Sportart begeisterten – sehr zum Missfallen der traditionellen Turner. „Die haben es nicht gern gesehen, dass ihre Leute plötzlich Fußball spielen wollten“, so Sproß.

Der erste Fußballverein

1907 gründete sich mit Viktoria Schwenningen der erste richtige Fußballverein. Doch schon ein Jahr später kam es zum Bruch. „1908 gab es den ersten Knatsch“, erzählte Sproß, „einige sind gegangen und haben den Fußball‑Viktoria‑Club 08 gegründet.“ Beide Vereine waren klein, personell schwach und mussten zeitweise in Spielgemeinschaften antreten.

Die Turngemeinde spielte eine wechselhafte Rolle: Mal wurden die Fußballer aufgenommen, mal wieder ausgeschlossen. „Die TG wollte die Fußballer eigentlich nicht, weil sie deren Schulden nicht übernehmen wollte.“ Erst 1922 kam es zur großen Lösung: Viktoria 07 und FC 08 fusionierten zum VfR Schwenningen – dem ersten stabilen Fußballverein der Stadt.

Die ersten Spielplätze

Die frühen Spielplätze waren abenteuerlich. Gespielt wurde auf dem Salinenfeld, auf Wiesen und auf einer Schafweide beim Zollhaus. Auch die Tore waren improvisiert: Pfosten gab es, aber die Querlatte lag nur lose auf. „Wenn ein Schuss kam, ist die Latte einfach runtergefallen.“

Erst 1923 bekam der VfR eine feste Heimstätte: das Hilben‑Stadion. Die erste Tribüne mit 175 Sitzplätzen wurde 1924 eingeweiht und galt als die erste ihrer Art im Schwarzwald. 1960 brannte sie ab, wurde aber noch im selben Jahr neu errichtet. Heute ist sie wegen baulicher Mängel weitgehend gesperrt. „Typisch Schwenningen – man hat etwas, aber man erhält es nicht“, kommentierte Sproß.

1925 entstand ein weiterer Verein: der Sportclub Schwenningen. Er spielte zunächst auf dem sogenannten „Saubühl“, einem Gelände zwischen Klinikum und Polizeifachhochschule, bevor er 1931 ins Kugelmoos umzog. Der große Aufschwung kam jedoch erst in den 1950er‑Jahren – dank Gustav Strohm. „Ohne Gustav Strohm gäbe es dieses Stadion nicht“, betonte Sproß. Zwischen 1952 und 1956 entstanden zwei Spielfelder, Zuschauerwälle, ein Vereinsheim und eine große Tribüne mit 800 Sitzplätzen.

8500 Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder in Eigenregie. „Das war echte Handarbeit – 18 bis 20 Leute haben hier Tag und Nacht geschuftet.“ Besonders stolz war man auf die Flutlichtanlage. „1956 hatten wir die modernste Flutlichtanlage Europas. Real Madrid hatte keine so gute.“

Ein besonderes Kapitel widmete Sproß dem bekannten Kunstwerk dem Ehrenmal für die gefallenen Sportler das lange vor dem Gustav-Sftrohm-Stadion stand. „Das war auch ein Treffpunkt für Generationen. Das Kunstwerk wurde als baufällig bewertet, sollte dann „gesprengt“ werden und wurde von einigen Bürgern gerettet und steht heute am Naturparkstadion bei der FSV Schwenningen.

Das Eisstadion

Bei der Geschichtswoche führte Sproß die Teilnehmer dorthin, wo Schwenningen sportlich am sichtbarsten gewachsen ist: zum Eisstadion am Bauchenberg, der heutigen Helios-Arena. Er machte klar, dass der Eissport in Schwenningen nicht einfach entstanden ist – er wurde erkämpft, erarbeitet und mit erstaunlicher Hartnäckigkeit durchgesetzt.

Die ersten Eisflächen lagen am Moosweiher, später auf dem kleinen Brühl und schließlich an der Schützenstraße. Der Wendepunkt kam in den 1960er‑Jahren. 1964 gründete sich der Kunsteisbahn‑Förderverein – ein Zusammenschluss aus engagierten Bürgern, Vereinsmitgliedern und Unternehmern. „Die haben nicht nur geredet, die haben gesammelt“, so Sproß.

In zwei Jahren kamen 200.000 Mark zusammen, damals eine enorme Summe. „Man konnte sogar einen VW Käfer gewinnen – das hat die Leute motiviert.“ Mit dem Geld, weiteren städtischen Mitteln und viel Überzeugungsarbeit entstand 1968 schließlich das Kunsteisstadion am Bauchenberg.

Die Eröffnung im Winter 1968 wurde zum Triumph. Doch der Bau von 1968 war nur der Anfang. Die Anlage wurde mehrfach erweitert, modernisiert und schließlich zur heutigen Helios-Arena ausgebaut. „Das Stadion hat sich immer wieder neu erfunden“, sagte Sproß. Die Zuschauertribünen wurden vergrößert, die Technik erneuert, die Infrastruktur professionalisiert.

Aus der offenen Kunsteisbahn wurde eine geschlossene Arena, aus einem lokalen Sportplatz ein DEL‑taugliches Stadion. „Ohne diese Entwicklung gäbe es den heutigen Profi‑Eishockeystandort nicht“, betonte Sproß.

Die Helios-Arena sei ein Beispiel dafür, wie Schwenningen trotz begrenzter Mittel Großes möglich gemacht habe. „Hier sieht man, was passiert, wenn eine Stadt an ihren Sport glaubt“, sagte Stadtführer Sproß und wies darauf hin, dass aktuell die Eishockeyfläche erneuert werde, damit zum Auftakt im September alles startklar ist.