Im Rahmen der Schwenninger Geschichtswoche führte Stadtführer und Architekt Harald Maier Interessierte zu Kunstwerken mitten in Schwenningen und zeigte deren Bedeutung auf.
Unter dem Titel „Kunst und Architektur: Gutes bleibt“ machte sich am Freitagnachmittag eine Gruppe Interessierter mit Stadtführer und Architekt Harald Maier auf den Weg, um im Rahmen der Schwenninger Geschichtswoche die Kunst im öffentlichen Raum rund um das ehemalige Landesgartenschaugelände neu zu entdecken.
Maier, der seit vielen Jahren thematische Führungen anbietet, bedauerte gleich zu Beginn, dass es in Schwenningen keine regelmäßigen Kunstführungen mehr gibt – obwohl die Stadt mit ihren zahlreichen Werken eigentlich ideale Voraussetzungen dafür böte. „Man läuft so oft daran vorbei, ohne zu wissen, was man da eigentlich sieht“, sagte er.
Der erste Halt führte zur Städtischen Galerie in der Friedrich‑Ebert‑Straße, einem Ort, an dem sich die Entwicklung der regionalen Moderne besonders gut nachvollziehen lässt. Mehrere bedeutende Arbeiten stehen im Außenbereich oder sind im Gebäude selbst verortet und bilden ein kompaktes Panorama der Kunstszene, die Schwenningen und Villingen seit den 1960er‑Jahren geprägt hat. Maier verwies zunächst auf das Mahnmal „Den Opfern von 1933–1945“ von Felix Schlenker aus französischem Granit. Im hinteren Teil, im sogenannten Galerie‑Garten, ist eine granitene Arbeit von Erich Reischke zu sehen, deren strenge Formensprache typisch für die Nachkriegsmoderne ist.
Ein weiterer Akzent stammt von Werner Pokorny, dessen Stahlblechplastik „Durchbrochen, Ring, Haus“ aus dem Jahr 1993 als Leihgabe des Landes nach Schwenningen kam. Auch ein Werk von Erich Hauser aus dem Jahr 1970 ist hier präsent – eine Edelstahlplastik ohne Titel, die die charakteristische, präzise Formensprache des international bekannten Rottweiler Bildhauers zeigt.
Ein Geschenk der Türkisch-Islamischen Gemeinde
Besonders bemerkenswert ist zudem die Aluminiumguss‑Arbeit von Karl Rißler aus dem Jahr 1968, die ursprünglich am alten Zollamt in Villingen installiert war und 2010 als Geschenk der Türkisch‑Islamischen Gemeinde an die Stadt übergeben wurde.
Von der Galerie aus führte Maier die Gruppe weiter durch die Erzbergerstraße. Immer wieder fiel auch der Name der „Viererbande“ – Schlenker, Bucher, Hauser, Hengstler –, die die regionale Kunstlandschaft maßgeblich geprägt hat. Ein besonderes Beispiel für Kunst im Raum ist die Schreiber‑Villa, einst für die Tochter des Fabrikanten Mauthe erbaut. Die äußere Gestaltung des Gebäudes weist feingliedrige, bauhandwerkliche Verzierungen auf. An der Fassade befindet sich zudem ein kunstvolles Relief, das Tugenden wie Fleiß, Zeit und Handwerk thematisiert.
An der Gewerbeschule machte die Gruppe Halt an der von Gerson Fehrenbach geschaffenen Bronzeskulptur „Handzeichen“ von 1982. Am ehemaligen Volkschor‑Sängerheim zeigte Maier das Wandbild des Deißlinger Künstlers Romuald Hengstler aus dem Jahr 1959, das Instrumente und Chorarbeit darstellt. Die Modelleisenbahnfreunde oberer Neckar, denen mittlerweile das Gebäue gehört, sammeln derzeit Spenden, um das Kunstwerk zu erhalten.
Kunstwerke auf dem LGS-Gelände
Weiter ging es zur neugeschaffenen Neckarquelle, wo die Bronzefigur „Matze“ von Herbert Wurm aus dem Jahr 2010 sitzt. Auf der Möglingshöhe verwies Maier auf mehrere Kunstwerke, die im Zuge der Landesgartenschau dort aufgebaut wurden und bis heute das Gelände prägen. Dazu gehört die „Endliche Säule“ von Alf Setzer, eine Stele aus übereinandergeschichteten industriell gefertigten Grabsteinen, die aus ihrem ursprünglichen Friedhofszusammenhang gelöst wurden. Ebenso das Werk „Roller Coaster“ von Vanessa Henn, ein Handlauf, der sich wie eine kleine Achterbahn in Schwüngen, Kurven und einem Looping aufbäumt und dazu einlädt, mit der Hand „Achterbahn zu fahren“. Auch der Kitchenpavillon gehört zu den künstlerischen Elementen der LGS – sowie, im weitesten Sinne, das verbliebene Endstück der großen Murmelbahn, das als spielerisches, zugleich künstlerisches Relikt an die Landesgartenschau erinnert.
Eindrucksvolle Atmosphäre
Zum Abschluss führte der Weg zur Neckarhalle, wo das Lichtkunstwerk „Fluss und Form“ von Andreas Schmid aus dem Jahr 2018 die Fassade prägt. In einem kompositorischen Zusammenspiel von Licht und Architektur steuern 32 angesteuerte LED‑Module programmierte Sequenzen, die in wechselnden Rhythmen über die Außenhaut des Gebäudes laufen. Die Installation reagiert auf die Linienführung der Architektur und übersetzt sie in ein bewegtes Lichtbild, das besonders in den Abendstunden eine eindrucksvolle Atmosphäre schafft.
Die Teilnehmer gingen sichtbar inspiriert auseinander – viele mit dem Vorsatz, künftig mit offenerem Blick durch das LGS‑Gelände und die Stadt zu spazieren. Die Führung zeigte eindrucksvoll, wie viel „Gutes bleibt“, wenn man Kunst, Geschichte und Stadtentwicklung zusammendenkt.