Baron von Raßler, die Preisträgerin und die Juryvorsitzende am Ende der Preisverleihung Foto: Morlok

Der vierte Geschichtspreis des St. Georgen-Vereins der Württembergischen Ritterschaft wurde auf Schloss Weitenburg in Starzach an Regina Fürsich vergeben.

Zur Preisverleihung und Vorstellung der Preisträgerin traf sich eine illustre Gesellschaft aus Wissenschaft, Kommunalpolitik und Adel im blauen Salon, der Ahnengalerie des Schlosses. Hausherr, Ritterhauptmann Max-Richard Freiherr von Raßler freute sich, dass eine große Gästeschar seiner Einladung folgte. In seinem Grußwort ging er auch kurz auf die Geschichte des Vereins ein.

 

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn hob die Tübinger Professorin Sigrid Hirbodian vom Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Tübingen in ihrer Funktion als Vorsitzende der Jury in ihrer Würdigung die geschichtsträchtigen Erkenntnisse der neuen Preisträgerin hervor. Ihr besonderer Dank galt dem St. Georgen-Verein, der zum vierten Mal den Preis für die beste Forschungsarbeit zur Adelsgeschichte in der Region verleiht und ihren Jurymitgliedern, die sich die Mühe machten, alle eingesandten Arbeiten zu begutachten und zu bewerten.

Letztendlich wählten die Experten die Dissertation von Regina Fürsich aus, die unter dem Titel „Der Rittersturm 1803/04. Das reichsritterschaftliche Kommunikationszentrum in Ehingen (Donau) in der Krise“ als erste Preisträgerin auch ein Thema aus dem 19. Jahrhundert aufgriff. Die bisherigen Preisträger beschäftigten sich durchweg mit Themen aus dem Mittelalter.

Der Rittersturm von 1803/04

Jurypräsidentin Hirbodian hob in ihrer Laudatio hervor, dass sich diese Arbeit mit einem ganz zentralen Thema der Geschichte der Reichsritterschaft, dem sogenannten Rittersturm von 1803/04, also dem widerrechtlichen Vorgehen der süddeutschen Reichsstände gegen die Reichsritterschaft am Ende des Heiligen Römischen Reiches befasste.

Die Preisträgerin selbst ging später auch sehr detailliert auf das in ihrer Doktorarbeit beleuchtete Kommunikationszentrum in Ehingen, dem in der umfassenden Umbruchsituation am Ende des Alten Reichs eine Funktion als Dreh- und Angelpunkt der reichsritterschaftlichen Politik und Kommunikation zukam, ein. Ihre Zuhörer erfuhren, dass die heute so überbordende Bürokratie keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern schon um 1800 herum seltsame Blüten trieb.

Reichsritterschaft war auf mehreren Ebenen organisiert

Unter dem Bildnis des damaligen Ritterhauptmannes des Kantons Neckar Schwarzwald, dem Freiherr Raßler zu Weitenburg, erinnerte sie daran, dass die Reichsritterschaft damals strukturell auf mehreren Ebenen organisiert war. Die immatrikulierten Familien und Güter waren geografisch verschiedenen Kantonen zugeordnet, denen jeweils ein gewähltes Direktorium aus mehreren Reichsritten vorstand.

Die Preisträgerin 2025 Regina Fürsich vor den Porträts von Menschen, über die sie schrieb. Foto: Morlok

Die Kantone ordneten sich wiederum in die drei Ritterkreise, nämlich den schwäbischen, den fränkischen und den rheinischen Ritterkreis. An der Spitze jedes Ritterkreises stand ein sogenanntes Spezialdirektorium, das in Personalunion von einem der Kantonsdirektorien geführt wurde. Die drei Ritterkreise bildeten zusammen die Gesamtkorporation, die wiederum vom Generaldirektorium vertreten wurde, das in Personalunion von einem der Spezialdirektorien übernommen wurde. Also ein recht kompliziert verflochtenes Konstrukt, in dem bis zu einer endgültigen Entscheidungsfindung recht lange Wege zurückzulegen waren, da alle wichtigen Themen vom Generaldirektorium postalisch an die Spezialdirektorien gesandt wurden, die dann wiederum Kopien an die Kantonsdirektorien ihres Ritterkreises schickten.

Hausherr Baron von Raßler vor dem Bild seines Urahnen, Josef Johann von Rassler Foto: Morlok

Die Umbruchsituation der napoleonischen Zeit

„In einer Krisensituation war das natürlich verheerend und genau so eine Krisensituation stellte der Rittersturm 1803/04 dar“, schrieb die Preisträgerin in ihrer Dissertation. Als große Fürsten, allen voran Bayern und Württemberg, die Umbruchsituation der napoleonischen Zeit ausnutzten, wandte sich die Reichsritterschaft im Krisenbewältigungsmechanismus an den Kaiser Franz, der am 24. Januar 1804 ein sogenanntes Konservatorium, also ein Schutzmandat für die Reichsritterschaft erlies. Um dieses Schutzmandat – dass die Ritterschaft gerade mal ein Jahr schützte, bevor Napoleon die Macht übernahm – wieder aufheben zu können, musste eine Konservatorialsubdelegationskommission eingerichtet werden, die ihre Entscheidungen in einem Konservatorialsubdelegationskommissionssitzungsprotokoll festhielt. „Sie sehen, meine Damen und Herren: Die deutsche Sprache bot sich auch schon vor über 200 Jahren für wunderschöne Verwaltungsbegriffe an“, lockerte die frischgebackene Doktorin ihren Vortrag auf, in den sie auch die Fabel vom Löwen, (den Fürsten) der von einem kleinen Tier (den Rittern) das Fürchten gelehrt bekam, einbaute.

Götz Freiherr vom Holtz dankte abschließend der Preisträgerin für ihre Arbeit zum reichsritterschaftlichen Kehraus und seinem Vereinskollegen Max von Raßler, den er als den großen Treiber des St. Georgen-Vereins bezeichnetet, für dessen Engagement.

Zudem durfte Baron vom Holtz mitteilen, dass man sich bei der letzten Vorstandssitzung darauf verständigt habe, zukünftig neben dem „großen“ Geschichtspreis auch einen „Junior-Preis“, der mit 750 Euro dotiert wird, zu vergeben. Dies erstmals 2027 und dann im Zweijahresrhythmus.

Ein anschließender Empfang rundete die gelungene Preisverleihung ab.

Der Verein - von der Gründung bis heute

Gegründet wurde der St. Georgen-Verein am 3. März 1858 im Zuge des Endes der „Reichsunmittelbarkeit“. Das Ziel sei der Erhalt der Rechte der Ritterfamilien gewesen, aber auch die Funktion als Hilfsorganisation für Witwen, erklärte Freiherr von Raßler. Nach 1945 fand sich der Verein erneut zusammen. Er ist anerkannt gemeinnützig mit dem Charakter einer Stiftung. Da man aber nicht nur die „Asche der Vergangenheit“ anbieten will, unterstützt man heute noch Witwen und Studierende, betreibe Denkmalpflege und veranstaltet Termine zur Geschichtswissenschaft. Bereits in den Jahren 2017 und 2019 wurde der mit 3000 Euro dotierte Geschichtspreis erstmals für eine Dissertation beziehungsweise Habilitation vergeben. Initiiert hat ihn Max-Richard Freiherr von Raßler, „Ritterhauptmann“ (Vorsitzender) des St. Georgen-Vereins und Eigentümer von Schloss Weitenburg. Der Grund: Für ihn müsse „der Verein leben“. Zudem sei das Prinzip der „Förderung“ auch Teil der Satzung des Vereins.