Es kommt vereinzelt sogar vor, dass Passanten zu Füßen des Nepomuksdenkmales in der gleichnamigen Straße in Villingen Blumen niederlegen und sich auf die Bank daneben zu setzen zu einer kurzen Andacht.
Die Passanten allerdings wissen mit dem Denkmal und den darauf befindlichen Heiligen nichts anzufangen. Manche wiederum wissen aus dem Religionsunterricht oder einer Katechetenstunde etwas über den böhmischen Brückenheiligen. Ein Kopfnicken erfährt man meist, wenn man sich über die Geschichte des Denkmals erkundigen will.
Im Jahre 1710 teilte der Bildhauer und Ilgenwirt Johann Schupp, der 1674 in Villingen geboren wurde und zur Dynastie der in unserer Region bekannten Bildhauerfamilie Schupp gehörte, die zahlreiche Kirchen mit Altären, Chorgestühlen und Figuren ausschmückten, dem Rat der Stadt mit, dass der österreichische Gesandte in der Schweiz, Graf Franz Ehrenreich von Trautmannsdorf, ein glühender Verehrer des Heiligen Nepomuks eine Statue des Heiligen zur Aufstellung in der Stadt geschenkt hat.
Der Rat dankte
Der Rat bedankte sich bei dem Gesandten schriftlich und in einer blumenreichen, der damaligen im üppigen Stil des Barockes gehaltenen Schreibens. Schupp stellte den Heiligen, von dem die Überlieferung berichtet, dass die böhmische Königin Johannes Nepomuk zu ihrem Beichtvater erwählte, und den König Wenzel IV aufforderte, so die Legende, dass der Priester das Beichtgeheimnis breche. Nepomuk weigerte sich, wurde deshalb gefoltert und in die Moldau geworfen.
Durch ein Wunder – nach der einen Version trocknete die Moldau aus, so dass man seine Leiche fand, nach einer anderen hatte die Königin eine Erscheinung von fünf Sternen, die den Fundort offenbarten - wurde der Tote geborgen und beigesetzt. Eine Marmorplatte an der Karlsbrücke in Prag zeigt heute den angeblichen Fundort.
Historisch richtiger ist, dass Johannes Nepomuk bei den Auseinandersetzungen zwischen König Wenzel und dem Prager Erzbischof Jenzenstein am 20. März 1393 gefangen genommen, gefoltert, vom König selbst mit Pechfackeln gebrannt durch die Straßen geschleift und dann in der Moldau ertränkt wurde. Der später zum Heiligen ernannte Mann wird in Villingen in der üblichen Weise als Kanoniker, der mit hermelin-besetzter Mozett, Kruzifix und Märtyrerpalme zu seinen Füßen das Wappen der Trautmannsdorf verbildlicht.
Mit Märtyrerpalme
Die Statue wurde nur 40 Schritt südlich des Marktbrunnens in der Niederen Straße aufgestellt. Bis dahin, so erzählt man sich damals, war das Wasser der Brigach bei der Wasserbelagerung 1634 durch die Schweden vorgedrungen. Über diese Wasserbelagerung mit dem Bau des sogenannten Schwedendammes im Süden der Stadt gibt es neben den historischen Begebenheiten auch Legenden, die sich die Villinger erzählten: St. Nepomuk, der Brückenheilige und Retter aus Wassernot, hatte ihm Halt geboten. Viele Jahre später begann die Periode des Abbruchs.
Neuaufbau
Die doppelte Umwallung der Stadt wurde abgerissen. 1827 wurde das Kaufhaus in der Oberen Straße abgerissen und im selben Jahr die Nepomukstatue. Erst 1833 ließ der Müller Dominikus Kaiser auf seine eigene Kosten die Statue vor seiner Mühle am heutigen Platz wieder errichten, und Chorregent Fidel Dürr verfasste aus diesem Anlass den Vers, der bis dato noch auf der Säule zu lesen ist und der die Stimmung der konservativen Kreise in der damals so „fortschrittsfreudigen Villingen“ wiedergibt: „Nach frommer Väter Sitte. Im Glauben an ein höh`res Walten, ziert ich Villingens Mitte, ward von den Bürgern hochgehalten. Als dieser Glaube ward erschittert, war auch Entbehrlichkeit mein Loos, doch steh`ich fest, wenn alles zittert, Natur! - in deinem Schooß“. Seitdem ist die Statue bei der Nepomukbrücke über alle Jahre hinweg von den Besitzern der „Langen Mühle“ der Familie Beha, behütet worden. Die Statue wurde 1898 und 1957 erneuert.