Siegfried Esslinger hat das Hinweisschild mit der Zeichnung, wie die frühmittelalterliche Burg ausgesehen haben kann, angebracht. Foto: Steinmetz

Ob die bedeutsame Schlacht zwischen Römern und Alemannen im Jahr 368 nach Christus bei Sulz stattfand, will der Heimatforscher Siegfried Esslinger herausfinden.

Die Heimatgeschichte lässt Siegfried Esslinger nicht los. Ein Geheimnis hätte der 92-Jährige noch gern gelüftet: Wo fand die Schlacht bei Solicinium statt?

 

Seine Vermutung: Der Ort dieser kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Römern und Alemannen war bei Sulz auf dem „Langebuch“. Jedenfalls deutet für ihn einiges darauf hin. Es gibt aber noch andere mögliche Schlachtfelder.

Der „Langebuch“ ist ein Höhenzug zwischen Weiden und Fischingen. Für Esslinger ist er ein „Berg voller Geheimnisse“, die vielfach noch im Boden verborgen sind. Erst im Herbst vergangenen Jahres hat sich Esslinger daran gemacht, auf der Breite in der Nähe der „Motte“ zusammen mit dem Oberndorfer Höhlenforscher Wolfgang Strittmatter nach Siedlungsspuren zu suchen.

Schutz der Handelswege

Die „Motte“ ist ein Burghügel im oberen Bereich des Glatter Täles mit einem Durchmesser von 50 Metern und eine Höhe von vier Metern. Das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg wertet dieses Baudenkmal als „ein außerordentlich bedeutsames Zeugnis der frühen mittelalterlichen Besiedlung des Raumes um Sulz.“

Spaziergänger laufen daran meistens vorbei, ohne groß Notiz davon zu nehmen. Jetzt weist ein Schild mit dem erklärenden Text des Landesdenkmalamts Freiburg von 1991 und einer Zeichnung, wie die frühmittelalterliche Burg ausgesehen haben kann, auf diese wehrhafte Stelle hin. Siegfried Esslinger hat das Hinweisschild angebracht. Der Zweck dieser frühmittelalterlichen Burg galt wohl dem Schutz eines alten Handelswegs.

Wichtiges Kulturdenkmal

Eine weiteres Kulturdenkmal befindet sich weiter unterhalb im „Täle“: Es ist die Steinbrücke, die vermutlich im 18. Jahrhundert oder sogar noch früher gebaut wurde und damals Bestandteil einer wichtigen Fernstraße war. Sie überquerte bei Neckarhausen über die historische Pfahljochbrücke den Neckar, führte durch Glatt, das Glatter Täle hinauf an der „Motte“ vorbei Richtung Sulzer Viehhaus.

Die Steinbrücke war Bestandteil einer wichtigen Fernstraße. Foto: Steinmetz

Auf Initiative von Esslinger hat das Landesamt für Denkmalpflege im Jahr 2021 die Steinbrücke in die Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg aufgenommen. Auch für die Steinbrücke hat Esslinger auf eigene Kosten ein Hinweisschild aufgestellt.

Straßenstück bei Fischingen

Dass die Römer in Sulz waren, ist durch Funde bei Ausgrabungen auf Kastell belegt. Möglicherweise gab es auch eine alte Heerstraße. Sie wird in der Chronik von Pfarrer Köhler aus Marschalkenzimmern wie folgt beschrieben: „Sie kommt vom Rande des Gebirges oberhalb Fischingen her, läuft am Sulzer Viehhaus vorüber durch die Waldung und Ackergegend hinter Weiden westlich, von da an Hohenmessingen hin, wo eine Ackergegend von Alters her den Namen Hochsträß trägt.“

2016 hat Esslinger eine 240 Meter lange Steinmauer in Fischingen fotografiert. Ist sie bereits in der Römerzeit errichtet worden? Esslinger glaubt das: „Hierbei handelt es sich um ein noch gut erhaltenes Stück der ehemaligen Römerstraße (Hochsträß)“, ist er überzeugt. Dieses Straßenstück oberhalb des Fischinger Friedhofs und des Hohlwegs sollte daher noch genauer untersucht werden.

Kaiser Valentinian und seine Legionen

Esslinger teilte dies erst im April dieses Jahres dem Landesdenkmalamt in Stuttgart mit. Kürzlich bekam er auf seinen Brief eine Antwort: „Wir danken Ihnen für den interessanten Hinweis auf den Mauerzug. In Abstimmung mit dem Abteilungsbereich Archäologische Denkmalpflege werden wir ihn zeitnah erfassen, um beurteilen zu können, ob es sich möglicherweise um ein schützenswertes Kulturdenkmal handelt.“

Die alte Heerstraße könnte jedenfalls vermuten lassen, dass die römischen Legionen unter Kaiser Valentinian auf ihrem Feldzug gegen die Alemannen auf diesem Weg zum „Langebuch“ gekommen sind.

Forschung für Jüngere

Zuletzt hat Esslinger, zusammen mit dem heimatkundlichen Höhlenforscher Wolfgang Strittmatter aus Oberndorf, im Bereich der „Motte“ nach Siedlungsspuren geforscht. Sie suchten die Oberfläche nach nach erdmagnetischen Störungen ab, die, so Esslinger, „erfahrungsgemäß an veränderten Bodenstrukturen vorkommen“. Eine genauere Untersuchung des Geländes wäre interessant, glaubt der 92-Jährige.

Leider habe er nicht mehr viel Zeit, alle Geheimnisse über die Geschichte des Langebuchs zu lüften. Vor allem läge ihm daran zu klären, wo sich der Ort Solicinium befindet.

Esslinger hat dazu ein Heft mit verschiedenen Berichten zusammengestellt – in der Hoffnung, dass sich Jüngere für die Heimatgeschichte in der Gegend von Fischingen, Sulz bis Marschalkenzimmern interessierten und weiter forschten.