Die beeindruckende Kaverne reicht tief in das Gestein hinein. Foto: Sum

Im Welschdorf, kurz vor der Firma BBS, fällt bergseits ein breiter Einschnitt auf. Er endet an einer Mauer, deren Tore verriegelt sind.

Schiltach-Hinterlehengericht - Hat man die Chance zum Hineinkommen, so steht man in einer riesigen, etwa zehn Meter hohen und breiten Kaverne, die fast 60 Meter in den Berg führt. Sie ist das letzte Zeugnis eines früheren Abbaus des hier vorkommenden vulkanischen Porphyrgesteins. Es zu verwerten, unternahm der aus der Schiltacher Lindenwirtsfamilie stammende Johann Matthias Wolber. Als Müller erwarb er 1896 die im Welschdorf bestehende Kunstmühle. Da die Geschäfte nicht gut liefen, verpachtete er sie 1900 an die Metalldrücker Johannes Grohe und Wilhelm Schwab. Allerdings vernichtete ein Jahr später ein Brand das Gebäude.

Schotterwerk entsteht

Grohe und Schwab verzogen nach Schiltach (wo dann die Firma Hans Grohe entstand), während Johann Matthias Wolber 1901 in der Ruine ein Schotterwerk errichtete. Den Rohstoff lieferte der anstehende Porphyr. Aus ihm konnte man hochwertigen Schotter gewinnen, ebenso begehrte Naturwerksteine.

Die quer über das Schiltachtal verlaufende Porphyrformation wurde links der Schiltach als Steinbruch abgebaut. Auf der rechten Seite ging man bergmännisch in den Felsen, wobei die noch bestehende Kaverne entstand. Begünstigt wurde das Unternehmen durch die seit 1892 vorbeilaufende Eisenbahn Schiltach-Schramberg, zu der Wolber ein Anschlussgleis legen ließ. 1904 beschäftigte er 15 Arbeiter, die auch Werk- und Grabsteine herstellten. Antrieb war das Wasserrad der früheren Mühle.

Unterricht im Bunker

Johann Matthias Wolber, "Schotterwerksbesitzer, früher Kunstmüller", starb 1912. Seine Witwe Anna, geborene Gießler, verkaufte das Anwesen 1917 an die Firma Junghans in Schramberg. Sie richtete ein Zünder- und Pulverlager ein, betrieb das Schotterwerk mit den Steinbrüchen aber noch kurze Zeit.

Während der Steinbruch verfüllt und renaturiert wurde, spielte die Kaverne 1943 noch eine Rolle, als sie zum Luftschutzbunker für 500 Personen, vor allem der Belegschaft des benachbarten Junghans-Werks, ausgebaut wurde. Ältere Lehengerichter wussten noch zu berichten, dass sie bei Luftalarm in einem dort eingebauten Schuppen Schulunterricht hatten. Als bedeutender Überrest wirtschaftlicher und technischer Landnutzung wurde der "Felsenkeller" 2013 in die Liste der Lehengerichter Kleindenkmale aufgenommen.

Erhalt und Sicherung

Dem Ortschaftsrat liegt der geschichtsträchtige Felsenkeller in Hinterlehengericht am Herzen. Er hat sich dafür ausgesprochen, dass im städtischen Haushalt 2023 Mittel eingestellt werden, um das Gemäuer zu ertüchtigen. So soll der Eingangsbereich gegen herabfallende Steine gesichert und auch Bäume sollen teils entfernt werden. Zudem soll das Tor so gesichert werden, dass Unbefugte nicht hineingelangen. "Es geht uns um Erhalt und Sicherung", fasste Ortsvorsteher Thomas Kipp zusammen.