Der Pfarrer Mathias Kraft hat zur Herkunft des Namens Dürrenmettstetten geforscht. Dabei ist die Beschäftigung mit den Urkunden eine Reise in die eigene Vergangenheit. Denn einer der Vorfahren aus Hopfau hatte auch seine Pfarrstelle in Gräfenhausen inne.
War erst die Dürre oder der große Turm, der Dürrenmettstetten seinen Namen gab?
Mathias Kraft hat sich der Frage gewidmet, alte Urkunden durchforstet und eine mögliche Hypothese aufgestellt.
„Ich bin in Dürrenmettstetten aufgewachsen“, erklärt der 51-Jährige, der Pfarrer in Gräfenhausen bei Pforzheim ist. Schon als Kind habe er sich für die Erzählungen und Geschichten der Erwachsenen interessiert, in seinem Theologiestudium lag ein Schwerpunkt auf der Kirchengeschichte des Mittelalters.
Von Leibeigenen zu Stadtbürgern
Nach dem Erlernen von Hebräisch, Griechisch und Latein kam er schließlich nach Gräfenhausen, wo ein Jubiläum anstand. Zu diesem forschte Kraft in alten Schriften und stieß auf einen seiner Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert.
Denn der in Hopfau geborene Christoph Kraft war vor 400 Jahren ebenfalls Pfarrer in der Gemeinde gewesen. „Meine Familie waren ehemals Leibeigene eines Klosters“, erklärt er. Irgendwann wurden sie Stadtbürger von Dornhan und stellten sogar dortige Bürgermeister.
Herzog sucht Fachkräfte
„Ich hätte nicht gedacht, dass so der soziale Aufstieg für Bauern aussieht“, gesteht Kraft. Möglich sei dies durch die Bildungspolitik im Herzogtum Württemberg gewesen, in der die Gemeindepfarrer, die den Unterricht in den Dorfschulen hielten, nach aufgeweckten Jungen sehen sollten.
Für diese ging es dann über eine Lateinschule, etwa im Kloster Alpirsbach, ins Tübinger Stift. „Das war die Kaderschmiede des Herzogs für seine Beamten, Juristen und Pfarrer“, erläutert Kraft.
Digitaler Archivgang
So war sein Interesse für Heimatgeschichte geweckt, die er nun an freien Tagen oder im Urlaub nachgeht. Der Vorteil: „Dank der Digitalisierung kann ich abends am Computer alte Handschriften ansehen, ohne extra ins Staatsarchiv Stuttgart fahren zu müssen“, freut er sich.
Heute sei Dürrenmettstetten für den Aussichtsturm bekannt, der von den Natur- und Wanderfreunden errichtet worden war. Doch das Material, das Kraft eingesehen hat, weist auf ein deutlich früheres Bauwerk hin.
Urkunde von 1278
So sei ein Turm im Ortsnamen, der im 13. Jahrhundert „Tu(i)rremezstetten“ geschrieben wurde, in der Alpirsbacher Urkunde von 1278 zu finden. Diese beurkundete, dass Graf Hermann von Sulz seine Höfe, Äcker, Wiesen und Wälder in Tu(i)rremezstetten an das Kloster Alpirsbach verkauft habe.
Denn das Wort Tu(i)rre habe damals nichts mit „dürr“ zu tun gehabt, erläutert er. Im mittelalterlichen Deutsch heiße dürr „druc, drüche, trieche oder maeger“. „Turm“ hingegen sei vom lateinischen „Turris“ abgeleitet, während „dürr“ oder „trocken“ im Lateinischen „siccum“ bedeute.
Römischer Militärturm?
Möglicherweise hatten bereits die Römer einen Turm auf der Hochfläche gebaut, überlegt Kraft – führte schließlich eine Römerstraße von Glatt herkommend über die Mettstetter Gemarkung Richtung Oberiflingen.
Von der Hochfläche aus hätte man somit eine gute Sicht auf die Kastelle in Rottweil, Waldmössingen und Sulz-Kastell. Also ein idealer Ort, um militärische Signale weiterzugeben.
Das Problem: Zwar habe man aus römischer Zeit vereinzelt Münzen gefunden, aber eben keine Fundamente eines Turms.
Garten des Vogtes
„Eine andere Überlegung ist, dass der Turm auf eine mittelalterlichen Burg zurückgeht“, zeigt der Pfarrer eine weitere Möglichkeit auf.
Auf diese deute ein alter Gewannnamen des Lagerbuches der Herren von Neuneck-Glatt aus dem Jahr 1534 hin: Demnach besaß im Unterdorf von Dürrenmettstetten der Vogt Jacob Koler einen „Garten hinter der Burg“.
Interesse an Heimatkunde
Etwas weitere werde ein „Burggarten“ genannt, der sich in der Nähe des ehemaligen Gasthauses Hirsch befunden habe. „Vielleicht stand eine einfache Turmburg im Ort, die aber im 16. Jahrhundert nicht mehr genutzt und dem Verfall preisgegeben war“, rätselt Kraft.
Dies seien zwar alles Hypothesen, betont der Hobbywissenschaftler. Doch sei dies auch ein Anreiz, sich mit der heimatlichen Umgebung und ihrer Geschichte zu beschäftigen.