Große Bewunderung vor der Kirche: Eine detailgenaue Darstellung der Klosteranlage von Schuttern wurde feierlich eingeweiht.
Das Kloster in Schuttern hat ab sofort eine nachvollziehbare plastische Darstellung. Feierlich wurde das Bronzemodell der früheren Klosteranlage enthüllt und von Pfarrer Bernhard Dorner gesegnet. Zahlreiche Schutterner und Geschichtsinteressierte waren zur Enthüllung gekommen und drückten ihre Anerkennung für das gelungene Modell aus.
Wie gut das Modell tatsächlich beim Betrachter wirkt, wurde nach der Enthüllung beim Umtrunk im Refektorium von anwesenden Kindern veranschaulicht: Mit ihren Händen strichen die Kleinen über die Häuser, die Klostergebäude, die Kirche. Die Eltern zeigten nach links und rechts und hinter sich, auf Häuser wie das frühere Abtsgebäude oder die Zehntscheuer, die heute das Gasthaus Adler darstellt. Mit den Händen und Augen Geschichte begreifbar machen, das war die Intention, die die Verantwortlichen im Historischen Verein Schuttern vorangetrieben hatte, dieses Klostermodell nach geschichtlicher Vorlage zu entwickeln.
Zuerst wurde ein digitales 3D-Modell angefertigt
Emanuel Engel, Vorsitzender des Historischen Vereins, dankte vielen Beteiligten, allen voran Initiator und Planer Manuel Hugelmann für die Recherchen und Absprachen zur ehemaligen Klosteranlage. Jürgen Süß von der Universität Heidelberg hatte den digitalen Entwurf des 3D-Modells erstellt und Nils Hoy von der Firma Miniatur Hoyser hatte den Guss des Bronzemodells angefertigt. Ein ganz besonderer Dank galt in diesem Zusammenhang Ralf Heitzelmann, von der Firma Albea, mit deren finanzieller Unterstützung das Projekt erst realisiert werden konnte. Weiterer Dank galt Martin Buttenmüller, der bereits vor einigen Jahren den Kontakt zum Unternehmen hergestellt hatte.
Im Sandsteinsockel liegt eine tagesaktuelle Zeitung
In den Sandsteinsockel hatten die Projektbeteiligten Fabian Pagel, Ortsvorsteher Jürgen Silberer, Fred Kopf, Roland Gutbrod, Emanuel Engel und Manuel Hugelmann eine kleine Zeitkapsel mit einer tagesaktuellen Zeitung, Euro-Münzen, einem Kreuz sowie einem Text, der den Ort und seine Menschen in der aktuellen, gesellschaftlichen und politischen Lage beschreibt, eingelassen.
Für die Gestaltung der früheren Klosteranlage stand den Verantwortlichen ein idealisierter Stich von Franz Xaver Schönbächler zur Verfügung. Dieser Stich dürfte unter Abt Franziskus Müntzer, der von 1727 bis 1753 in Schuttern wirkte, entstanden sein, führte Manuel Hugelmann aus. Dass diese Darstellung weitestgehend den wirklichen Begebenheiten entspricht, sei auf einen Lageplan der Klosteranlage zurückzuführen, der bei der Säkularisation im Jahr 1806 vom Feldmesser Johann Obrecht erstellt worden sei, so Hugelmann. Das Bronzemodell dürfte demnach den wahren Dimensionen des Klosters zu jener Zeit entsprechen.
Hugelmann ging auf die Geschichte ein
Weitere geschichtliche Ausführungen von Manuel Hugelmann vergegenwärtigten die historische Bedeutung des Klosters, das vor 1200 Jahren seine absolute Blütezeit erlebte. Das Kloster zählte in Schuttern, damals hieß der Ort noch „Offinwilare“, zu den bedeutendsten Reichsabteien im Fränkischen Reich. Um 825 war das Reichenauer Verbrüderungsbuch, in dem mehr als 300 Schutterer Mönche unter fünf Äbten des 9. Jahrhunderts, gelistet sind. Vor genau 1000 Jahren, im Jahr 1025 erschien Schuttern in einer Urkunde Kaiser Konrads II erstmals als „Scutera“, dem Vorläufer von Schuttern.
Ein weiteres sehr einschneidendes Ereignis war vor 500 Jahren der Bauernkrieg, einer Zeitspanne von tiefgreifenden sozialen Umwälzungen. Geschichtliche Ereignisse mahnen dazu, sich aktiv für eine friedliche und gerechte Zukunft einzusetzen. Das Modell aus Bronze erweise sich als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, um die Welt aus einer neuen Perspektive zu entdecken.
Kosten
Die Kosten für das Modell betrugen insgesamt 23 000 Euro. 20 000 Euro spendete Ralf Heitzelmann. Die Gemeinde Friesenheim unterstützte ebenso das Vorhaben. Weitere Kosten fielen nicht an: Der Sandsteinsockel und die Fertigstellung des Modells wurde im Ehrenamt geleistet.