Für viele war und ist das Polarion fester Bestandteil ihrer Jugend. Das Polarion selbst hat mittlerweile mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel. Und darüber gibt es jetzt ein Buch – mit allerhand bewegenden und unterhaltsamen Anekdoten.
Bad Liebenzell - Das 40-jährige Bestehen des Polarions liegt mittlerweile schon knapp drei Jahre zurück. Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk macht sich die Betreiberfamilie um Inge Bay und Monika Schleicher nun aber noch selbst: ein Buch über die eigene Geschichte. Eigentlich hätte das schon früher fertig sein sollen. Aber wie das so ist, auch wegen Corona, habe sich alles verzögert, erzählte Bay bei der Buchvorstellung am Sonntag.
Wie alles begann
Auf den knapp 240 Seiten erklären Schleicher, Bay und der langjährige Freund und Pressesprecher Stefan Hildinger in einzelnen Anekdoten, wie alles begann und warum es das "Poli" heute noch gibt. "Wie kommt man eigentlich an ein Eisstadion?", werde sie oft gefragt, so Schleicher. Auch diese Frage werde in dem Buch beantwortet.
Zuerst einmal muss es natürlich gebaut werden. Der damalige Bürgermeister Helmut Schiek wollte den Wintertourismus beleben. Sechs Millionen Mark sollte es kosten. Die Stadt – wohl damals schon klamm – konnte es nicht schultern. Und so kam die Baugemeinschaft aus den Familien Bay, Röderer und Ried ins Spiel.
Sofort beliebt
1980 wurde dann eröffnet. Bei den Liebenzellern und auch darüber hinaus war es sofort beliebt. Eishockey-Spieler, Eiskunstläufer oder im Sommer die Rollschuh-Fahrer – alle haben dort ihre Heimat gefunden. Und natürlich die vielen Menschen, die im "Poli" oft ihre ersten Schritte auf dem Eis machten. Doch nicht alles lief rund. Finanzielle Probleme, Konflikte zwischen Betreibern und Geldgebern und zuletzt ein Zwangsverwalter sorgten immer wieder für eine ungewisse Zukunft des Polarion.
Letztendlich erfolgte eine Zwangsversteigerung, bei der die Tochter von Heinz und Inge Bay – Monika Schleicher – den Zuschlag bekam und die das Eisstadion bis heute betreibt. Bei der Buchvorstellung erzählten Inge Bay und ihre Tochter jede Menge wilde Geschichten. "Viele schlaflose Nächte" habe man wegen des Polarions gehabt, so Bay. Auch die Episode mit der Zwangsversteigerung erzählte sie lebhaft nach.
Internationale Spitze zu Gast
Diese und noch viel mehr Geschichten gibt es in dem Buch zu lesen. Zum Beispiel auch die, dass früher die internationale Spitze der Eiskunstlaufszene regelmäßig mit einer "Eisgala" zu Gast war. Vor allem die elfte Auflage im Jahr 1999 blieb Hildinger, der damals an der Organisation beteiligt war, besonders in Erinnerung. "Das Traumpaar der 60er und 70er Jahre, Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler, kam damals im Polarion aufs Eis zurück", erzählte er. Mehr als 100 Medienvertreter, darunter sechs Fernsehsender, hätten deshalb ihr Kommen angekündigt. 65 Millionen Menschen hätten so von der Veranstaltung erfahren.
Aufreibende Zeit
Bei der Buchvorstellung waren es ein paar weniger. Vor allem die langjährigen Begleiter, Freunde und die mittlerweile große Familie rund um Bay und Schleicher waren eingeladen. Alle hatten eine Geschichte parat. Die vier Jahrzehnte waren für die Beteiligten eine aufreibende Zeit. "Spannende, traurige, witzige und kriminelle Geschichten" hätten den Weg ins Buch gefunden, meinte Schleicher. Für die vielen Besucher des Polarions ist so ein Blick hinter die Kulissen des Familienbetriebs möglich.