Das ist das 1913 eröffnete Bezirkskrankenhaus. Foto: Stadtarchiv Calw

Rund 113 Jahre Calwer Krankenhausgeschichte gehen bald zu Ende, am 17. und 18. April wird mit dem Umzug auf den Gesundheitscampus ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Nun steht er also, der Gesundheitscampus Calw. Alles in allem wurden 180 Millionen Euro investiert. Rund um das neue Klinikgebäude mit 189 Betten wird durch die Verbindung mit ambulanten Angeboten ein Konzept verfolgt, das Modellcharakter für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum haben soll.

 

Immerhin waren Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitsminister während der Ampel-Koalition, und seine Nachfolgerin Nina Warken (CDU) schon in Calw, um sich darüber zu informieren. Die Bundespolitik versucht mit einer von Lauterbach umgesetzten Reform, die nun schon wieder reformiert werden musste, unter anderem die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern. Insgesamt schreiben acht von zehn Kliniken rote Zahlen. Grund: steigende Sach- und Personalkosten sowie eine fehlende verlässliche Finanzierung durch Land und Bund.

Das Calwer Krankenhaus an der Stuttgarter Straße hat eine wechselvolle Geschichte. Foto: Thomas Fritsch

Gerade kleinere Häuser auf dem Land haben besonders große Probleme und sind von Schließung bedroht. Die Versorgung der Menschen verschlechtert sich folglich weiter.

Nun bleibt abzuwarten, ob sich die hohen Investitionen des Landkreises auszahlen und der Campus vor einer sicheren Zukunft steht. Die Krankenhäuser Calw und Nagold verzeichnen derzeit ein Defizit von nahezu 15 Millionen Euro.

Seit rund 40 Jahren Finanzprobleme

Finanzprobleme plagen die kommunalen Träger von Krankenhäusern schon seit rund 40 Jahren. Immer wieder mussten Verluste ausgeglichen werden. Das hat die Geschichte des Krankenhauses Calw in den vergangenen 20 Jahre besonders stark geprägt. Mehr als einmal war das Haus von der Schließung bedroht. Hätten die Menschen in Calw nicht mit einer Bürgerinitiative, Unterschriftensammlungen Informationsständen und Leserbriefen im Schwarzwälder Boten um ihr Krankenhaus gekämpft – es gäbe die Klinik mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr.

Keine Abhilfe durch Klinikverbund

Auch die Gründung des Klinikverbunds Südwest 2006, in der die Krankenhäuser in den Landkreisen Calw und Böblingen zusammengeführt wurden, brachte keine Abhilfe. Insgesamt steht der Verbund heute mit fast 51 Millionen Euro in der Kreide. Auch wenn es den allermeisten Krankenhäusern nicht viel besser geht, weisen allein schon die häufigen Wechsel in der Geschäftsführung des Klinikverbunds Südwest darauf hin, dass nicht immer optimal gewirtschaftet wurde.

Bürger gehen auf die Barrikaden

Gutachten folgte auf Gutachten. Die darin enthaltenen Sparvorschläge brachten immer wieder die Bürgerinnen und Bürger in Calw auf die Barrikaden. Dazu gehört auch, dass sozusagen in letzter Minute die Geburtshilfe nach Nagold verlegt wurde, obwohl die Räumlichkeiten im Campus eingeplant waren und zurückgebaut werden mussten.

Vielen sind die beiden Versammlungen in der Gemeindehalle Stammheim mit insgesamt weit mehr als 3000 Besuchern in Erinnerung. Man kann davon ausgehen, dass die Entwicklung der stationären Versorgung im Kreis Calw weiter kritisch verfolgt wird.

Am 17. und 18. April steht der Umzug auf den neuen Gesundheitscampus an. Foto: Thomas Fritsch

Der Campus soll nun also Modellcharakter haben. Auch der damalige Chef der Chirurgie und spätere Chefarzt Oskar Autenrieth sprach anlässlich der Einweihung des neuen Bezirkskranhauses 1913 davon, dass „ein kleines Musterkrankenhaus entstanden ist.“ So ist es einem Rückblick auf 100 Jahre Krankenhausgeschichte zu entnehmen, der vom Förderverein „Ganz nah“ 2013 herausgegeben wurde, erstellt vom ehemaligen Chefarzt Ewald Prokein und Ina Roy.

Magistrat und Bezirksrat hatten sich 1911 zu diesem Neubau oberhalb der Stuttgarter Straße entschlossen. Das bisherige Krankenhaus auf dem Schießberg war zu klein geworden, die Zufahrt war schlecht, die Lage schattig.

Gekostet hat das 470 000 Mark. Übrigens wurden auch damals die geplanten Kosten um ein Drittel überschritten. Entstanden war ein Krankenhaus mit 75 Betten. Die Innere Medizin wurde von Eberhard Mezger geleitet, der sich vor allem um Patienten kümmern musste, die unter damals noch grassierenden Tuberkulose litten.

Der erste größere Ausbau erfolgte zwischen 1937 und 1939. Hinzu kam ab den 1920er-Jahren die Geburtshilfe die zunächst der Chirurgie angegliedert war. Immer mehr Mütter brachten ihre Kinder nicht mehr zu Hause, sondern in der Klinik zur Welt. Zählte man im Calwer Krankenhaus 1930 noch 84 Geburten, waren es 1946 schon 246.

Ein erste umfassende Sanierung erfolgte zwischen 1950 und 1953. Durch die Flüchtlinge hatte die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg stark zugenommen. Die Zahl der Betten stieg auf 295.

Die Klinik entwickelte sich stetig weiter. Neu gebaut wurden ein Wohnhaus für Ärzte (1956), eine Schwesternschule und eine Augenabteilung mit acht Betten (1965), ein Funktions- und Behandlungsbau (1971), der 1985 aufgestockt wurde. 2001 erfolgte die Einweihung eines neuen Park- und Ärztehauses. Hinzu kamen zwischen 1965 und 1975 sowie 1993/94 und 1997 umfangreiche Umbauten und Modernisierungen.