Vor 90 Jahren sorgte die Wolfacher Narrenzunft nicht nur in der Region, sondern auch beim Narrentreffen in Offenburg für Aufsehen. Bei dem Fasnetspiel „Der Krach im Mond“ zeigten sie eine Inszenierung voller Fantasie und Humor.
Vor 90 Jahren, im Februar 1935, beteiligte sich die Freie Narrenzunft Wolfach mit ihren im Jahr zuvor neu geschaffenen Schellenhansel, dem althistorischen Wohlaufbrauch mit rund 100 Teilnehmern und der 35-köpfigen Narrenkapelle beim Narrentreffen der Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte in Offenburg. Die bei den Brauchtumsvorführungen dort entstanden Tonaufnahmen vom Michelesmarsch und vom Wohlauf wurden nach dem Narrentreffen auf Schallplatte veröffentlicht.
Am Fasnetsamstag 1935 erschien in der Wolfacher Tageszeitung „Der Kinzigtäler“ das „Lied vom Wolfacher Wohlauf“, das der Telegraphenbeamte Josef Roberz (1885-1970) auf die Melodie des alten Studentenliedes „Krambambuli“ dichtete und dabei den Ablauf dieses einzigartigen Brauches genauestens schildert.
Das Fasnetspiel „Der Krach im Mond“ wurde aufgeführt
Roberz war im Familienkreise bekannt für seine heiteren und besinnlichen Gedichte und Lieder zu Familienfesten und betätigte sich auch als Maler. Zu dem von ihm oft als Vorlage benutzten Studentenlied „Krambambuli“ gibt es mehrere Melodievarianten, die auf das um 1740 entstandene Lied „Das Kanapee“ zurückgehen, das bereits im 19. Jahrhundert in Wolfach zur Fasnetzeit gesungen wurde.
Am „Schellementig“ 1935 führte die Narrenzunft das von Konrad Vivell verfasste Fasnetspiel „Der Krach im Mond“ auf. Zu den teilnehmenden Festspielgruppen gehörten die „Mondsüchtigen und Mondkälber“ mit ihrer weißen Mondtracht mit dem über den Kopf herausragenden Kragen und den darüber wackelnden Ballon-Gesichtern.
Außerdem beteiligten sich ein Zauberer und seine Sterngucker, die Mondmusiker, die „liebreizende Venus“ mit ihren nicht weniger schönen Amouretten und den Sternlein sowie der stolze Kriegsgott Mars mit seinen hünenhaften Kriegern.
Die „Forschungsexpedition der Erde“ mit zahlreichen Völkern flog und ritt per Flugzeug, Stratosphärenballon, Libelle, Heidschnuk und Geißbock in das vermeintliche „Silberreich der Mondkugel“.
Nach dem Spiel ging die Feier lange weiter
Dort stellten sie fest, das auf dem Mond gerade Zwietracht und Hader herrschten beim Krieg um die Mondhauptstadt, doch trat nun der Wolfacher Narro als Friedensstifter auf und es folgte eine allgemeine Friedens- und Freudenfeier.
Nach dem Spiel luden die Buden der Mondstadt zum Besuche ein, darunter das Mondkino, das Moritatenkabinett und die Monddiele, wo bei „Sekt, Nischengeflüster und unentwegtem Tanz bis spät in den Abend“ Stimmung herrschte, wie der „Kinzigtäler“ in seiner Rückschau berichtete. Auch in den Lokalen der Stadt und Vorstadt entwickelte sich ein lebhaftes Maskentreiben mit Tanzen und Fröhlichsein, das sich schließlich im Laufe der Nacht auf die Bälle im Kranz, in der Krone und im Kreuz konzentrierte.
Das Studentenlied „Krambambuli“
Der originale Text des von Josef Roberz benutzten Lieds „Krambambuli“ wurde 1745 von Christoph Friedrich Wedekind (1709-1777) erstmals veröffentlicht und handelt von dem gleichnamigen hochprozentigen Branntwein. Die ersten fünf Takte des Liedes finden sich bereits in der Altstimme des vor 1582 entstandenen vierstimmigen Madrigals „Sopra dur‘“ des Komponisten Gratiano Fido di Sezza. Eine vierstimmige Fassung des Krambambuli-Liedes für Männerchor komponierte 1848 Thomas Täglichsbeck (1799-1867).