Für den Obelisk ist es schon der dritte Standort, das Kriegerdenkmal ist nie umgezogen. Das Denkmal der Niederlage (links) steht direkt neben dem Sieg. Foto: Schimkat

Zwei Kriegerdenkmale stehen in der Ortsmitte von Überauchen vor dem neuen Dorfhaus. Sie könnten verschiedener nicht sein, trotzdem verbindet sie eine ähnliche Geschichte.

Brigachtal - Es war das Jahr 1895, als die deutschen Staaten gegen Frankreich siegten. Mit der Krönung Wilhelm des I. zum Deutschen Kaiser, die im Herzen von Frankreich – dem Spiegelsaal von Versailles – stattfand, wurden die besiegten Franzosen sozusagen gedemütigt. Diese Provokation wurde später den Deutschen heimgezahlt. Das hat mit dem zweiten Denkmal in Überauchen, dem Kriegerdenkmal zu tun. Die Bürger von Überauchen wollten ihren Mitkämpfern und somit den Mitbegründern des Deutschen Reichs ein Denkmal setzen. Es sollte den Nachkommen verkünden, welch großartige Helden ihre Vorfahren waren. Es sollte etwas Besonderes sein: Überauchen, das damals knapp 200 Einwohner zählte, hatte verhältnismäßig viele Teilnehmer in den "großen Kampf" geschickt. Der Steinbildhauer Mall aus Donaueschingen wurde beauftragt, den Obelisk aus rotem Sandstein zu fertigen.

Großes Fest feiert das Denkmal

Am 22. Juni 1896 war es dann soweit, als das Denkmal mit einem großen Festakt seiner Bestimmung übergeben wurde. Es war gut fünf Meter hoch: Auf der Vorderseite zierte das Kopfrelief von Kaiser Wilhelm I. den Obelisk, auf den anderen drei Seiten standen die Namen der Bürger, die aus Überauchen an dem "siegreichen Kampf" mitgewirkt hatten. Für so eine kleine Gemeinde war das Denkmal ein ziemlicher Kostenfaktor, dementsprechend wurde es gebührend gefeiert. Der Ort wurde reich beflaggt und die Häuser wurden mit Girlanden und Kränzen geschmückt. Es fand ein feierlicher Gottesdienst statt, an dem die Veteranen vom Kriegerverein Brigachtal teilnahmen. Abends im Gasthaus zum Hirschen fand ein Bankett mit Musik und Gesang statt.

Jahrzehnte später, 1972, wurde das Denkmal von seinem ursprünglichen Standort neben das Kriegerdenkmal, das der Gefallenen des ersten Weltkriegs gedachte, versetzt. Seit dieser Zeit befinden sich die beiden Monumente in respektvoller Distanz, aber doch relativ nahe beieinander. Der Sandstein-Obelisk steht für einen Sieg über den Nachbarn Frankreich, und das kleine Bauwerk mit dem Baldachin und den zwei Säulen verbildlicht die Niederlagen gegen den Erzfeind Frankreich. 57 oft sehr junge Überauchener standen vier Jahre im Krieg gegen Frankreich, 18 kehrten nicht mehr zurück.

Aus heutiger Sicht sind sie ein Friedenszeichen

"Betrachtet man beide Denkmale mit geschichtsbewusstem Blick, dann wird deutlich, dass das eine für den Aufstieg ins Kaiserreich und das andere für dessen Niedergang steht. Aus heutiger Sicht sind beide Denkmale ein ›Friedenszeichen‹, denn längst ist die Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland Geschichte", erklärt Josef Vogt, der sich mit der Geschichte der beiden Denkmale ausführlich befasst hat.