Die Feuerwehr Wörnersberg beteiligte sich am Umzug in Altensteig. Foto: Archiv Martin Spreng

Die Flößerei in Altensteig war 1911 eingestellt worden. Dennoch fanden vereinzelt noch Floßfahrten statt. Die Leute halten bis heute daran fest.

Als Altensteig 1950 seine 850-Jahr-Feier mit einem großen Umzug feierte, durfte auch eine Floßfahrt über den Eselsgumpen bis zum Sägewerk Fezer nicht fehlen. Die Altensteiger waren begeistert.

 

Den Umzug führte die Stadtkapelle mit Musikdirektor Kurt Maier an. Verschiedene Figuren bevölkerten den bunten Festzug. Altensteiger Originale wurden mit zusammengewürfelten Kostümen dargestellt. Nachtwächter Ernst Wochele war mit einem mächtigen Schnurrbart ausgestattet und sollte wohl den letzten, 1897 verstorbenen Nachtwächter Friedrich Bock darstellen.

Die Flößer laufen beim Umzug mit

Die Feuerwehr von Wörnersberg war im Zuge der Nachbarschaftshilfe mit dabei. Und natürlich durften auch die Flößer nicht fehlen, die allerdings hauptsächlich, in Ermangelung der hohen Original-Lederflößerstiefel, Rohrstiefel anhatten. Es war ein ausgelassenes Fest, dessen Höhepunkt die Floßfahrt auf der Nagold war.

Die Flößer durften beim Umzug nicht fehlen. Foto: Archiv Martin Spreng

Die Begeisterung darüber brachte einige Männer um Fahrschullehrer Hans Schnierle zusammen, und sie gründeten 1951 eine Flößerzunft. Hans Schnierle, Besitzer der Wirtschaft „Drei König“, baute diese zu einer dreigeteilten Gaststätte um – neben seiner kleinen Wein- und Spirituosenhandlung – und machte aus dem hinteren Raum eine Flößerstube.

Zwei Flöße wurden auf die Fahrt geschickt

In der Ortspresse wurde dieses Ereignis so beschrieben: „Hier in der Flößerstube ist ein Raum geschaffen worden, der den Besucher ordentlich zum pokulieren einlädt. Die Decke ist wie die Wände holzgetäfelt. Sämtliche Wände sind wieder in kunstvolle Brandmalereien mit Bildern aus dem Wirtsleben geschmückt. Das Prachtstück des Raumes ist ein wundervoll geschnitzter Leuchter mit Gestalten aus dem längst vergangenen Flößergewerbe.“

Das Vorhaben der Flößerzunft war, in der Heimatstadt der „Flößer und Gerber“ jedes Jahr eine Floßfahrt mit Flößerfest zu organisieren. 1951 wurden zwei Flöße auf die Fahrt geschickt.

Die Zuschauer fieberten mit den Flößern mit. Foto: Archiv Martin Spreng

Mit dabei waren die Flößer Karl Bauer, Eugen Rasp, Wilhelm Breitenreuter, Hans Schnierle, Ernst Schmied, Ernst Wackenhut, Ernst Ergenzinger und Karl Welker. Ernst Wochele fuhr als Nachtwächter mit und Hermann Schwab als Flößerhexe.

Zuschauer feuerten die mutigen Männer an

Auf dem Jugendfloß standen unter anderem Horst Ehnis, Siegfried Raisch, Manfred Henssler, Robert Wochele und Werner Rauschenberger. Auch der SWV war vertreten zum Beispiel mit Karl Müller, Dieter Dorner, Arthur Rothmund, Oskar Schilling und Siegfried Loeckle. Es war eine tolle Gaudi mit vielen Zuschauern, die die mutigen Floßfahrer anfeuerten und beklatschten. Doch ein Jahr später fand die geplante Floßfahrt nicht mehr statt.

Floßfahrt bei Altensteig Foto: Archiv Martin Spreng

Erst wieder 36 Jahre später, zur 700-Jahr-Feier der Stadtgeschichte Altensteigs, fanden sich wieder Männer zusammen, die unter dem Vorsitz von Revierförster Otto Weiß eine Flößerzunft gründeten.

Diese organisierten ein Flößerfest und fuhren unter den Augen von Landrat Herbert Zerr, Forstdirektor Armin Ott, Flußmeister Banzhaf, Bürgermeister Ulrich Rommel und vielen Prominenten, mit einem Floß durch die Monhardter Wasserstube. Sie war einst eine der bedeutendsten Wasserstuben im Nagoldtal und nach Originalplänen von 1893 wieder aufgebaut worden.