Die American Footballer von Stuttgart Surge haben sich als eines von zwei ELF-Teams direkt für das Play-off-Halbfinale qualifiziert. Suni Musa lobt sein Team für diese historische Leistung – die Herausforderungen werden nun allerdings noch größer.
Erstmals gelang Stuttgart Surge in der European League of Football (ELF) der direkte Einzug ins Play-off-Halbfinale. Der Gegner wird noch gesucht, eines aber steht für Geschäftsführer Suni Musa jetzt schon fest: Am Sonntag, 8. September, findet ab 15.15 Uhr das bisher größte und wichtigste Heimspiel im Gazi-Stadion statt.
Herr Musa, was bedeutet der direkte Sprung ins Halbfinale der Play-offs?
Es ist einer der größten Erfolge in unserer Geschichte.
Für den es eine gute Erklärung gibt?
Sicher. Unser Team ist noch konstanter und stabiler geworden, viele Dinge passen noch besser zusammen als vergangene Saison. Dazu kommt, dass wir weniger Verletzungspech hatten als 2023. Deshalb haben wir in dieser Saison nur einmal verloren.
Vor einem Jahr gab es den Umweg über das Wild-Card-Game, am Ende aber stand der Finaleinzug. Wie stehen die Chancen, erneut das Endspiel um die Meisterschaft zu erreichen?
Das hängt unter anderem vom Gegner ab. Aber selbstverständlich ist das unser Ziel.
An diesem Sonntag erwartet Rhein Fire die Madrid Bravos, der Sieger gastiert dann eine Woche später im Gazi-Stadion. Mit wem rechnen Sie?
Rhein Fire hat seine einzige Niederlage ausgerechnet gegen Madrid kassiert, ist dennoch der klare Favorit – und wäre der schwerstmögliche Gegner fürs Halbfinale.
Es wäre aber auch eine gute Gelegenheit für Ihr Team, sich für die 34:53-Niederlage im Finale 2023 zu revanchieren.
Das stimmt. Wir sind nun breiter und tiefer aufgestellt als damals. Natürlich käme auf unsere Defensive trotzdem Schwerstarbeit zu. Rhein Fire hat mehr Erfahrung, war außerdem zuletzt in Topform. Wir wären erneut der Außenseiter.
Trotz des Heimvorteils?
Rhein Fire würde etliche Fans mitbringen, das haben sie diese Saison schon in etlichen Spielen in verschiedenen Stadien bewiesen.
Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?
Ein derart großes, bedeutendes und attraktives Football-Spiel gab es noch nie im Gazi-Stadion. Wir hoffen auf 7000 oder gar 8000 Fans. Das wäre ein Rekord, bisher liegt die Bestmarke bei rund 5000 aus der vergangenen Saison gegen die Munich Ravens.
Gibt es besondere Aktionen?
Wir werden vor und im Stadion ein Programm bieten, wie wir es noch nie hatten. Es ist das absolute Highlight-Spiel, entsprechend werden wir uns ins Zeug legen. Am wichtigsten ist allerdings die Unterstützung der Mannschaft – wir brauchen diesmal jeden einzelnen Zuschauer. Nur mit starkem Rückhalt können wir ins Finale einziehen.
Wäre es das versöhnliche Ende einer schwierigen Saison?
Wir sind alles andere als unzufrieden, wir wussten ja, was auf uns zukommt.
Drei Heimspiele in Sinsheim und Reutlingen aufgrund der Fußball-EM, dann die Rückkehr nach Degerloch.
Sportlich hat uns das nicht beeinflusst, die Mannschaft hat stets abgeliefert. Aber natürlich hat sich die sehr hohe Schlagzahl an sportlichen Großveranstaltungen in diesem Sommer ausgewirkt.
Inwiefern?
Ich war selbst mit Freunden während der Fußball-EM öfter beim Public Viewing und danach noch etwas essen und trinken. Das hat Geld und Zeit gekostet, und irgendwann muss man dann schon mal auf sein Budget schauen. Ich denke, dass dieser Umstand Stuttgart Surge relativ viele Tickets und damit Zuschauer gekostet hat, zumal auch noch etliche unserer Spiele kostenfrei im TV übertragen wurden.
Wie viele Eintrittskarten weniger wurden in dieser Saison verkauft?
Der Schnitt ist ähnlich wie 2023, weil wir beim Auftakt in Sinsheim mehr als 8000 Besucher hatten. Bei den Spielen im Gazi-Stadion gibt es aber schon Luft nach oben, umso bedeutender ist nun das Play-off-Halbfinale.
In das Ihr Team nicht nur mit einer Bilanz von 11:1 eingezogen ist, sondern auch mit etlichen Kantersiegen. Es gab Ergebnisse von 61:7, 56:0, 71:7, 40:0 oder 55:9 – ist dieses Leistungsgefälle ein Problem für die ELF?
Die Kritik an der unterschiedlichen Qualität ist teilweise sicher berechtigt. Wir haben ein Gefälle, ich sage aber auch: noch!
Was macht Sie zuversichtlich, dass sich das Niveau angleichen wird?
Nach vier Jahren darf man noch nicht die Erwartungshaltung haben, dass alles perfekt läuft. Ich sehe die ELF als Start-up – da sind Schwankungen ganz normal. Wer etwas aufbauen will, benötigt Zeit und Geduld. Es kann bei uns nicht funktionieren wie in einer Liga, die seit zig Jahren existiert. Schauen Sie doch auf die Champions League oder die Europa League im Fußball: Auch dort gibt es keine Ausgeglichenheit.
Trotzdem scheint das Gefälle in dieser ELF-Saison im Vergleich zum vergangenen Jahr noch größer geworden zu sein.
Das liegt ganz einfach daran, dass einige Franchises neu hinzugekommen sind und andere einen Umbruch begonnen haben. Zugleich gibt es Teams, die auf sehr hohem Niveau spielen. Surge ist das beste Beispiel.
Wofür?
Wie es laufen kann. Wir hatten zwei schwere Anfangsjahre, waren eine der Schießbuden der Liga. Dann haben wir uns super entwickelt und gezeigt, was möglich ist. Diese Zeit müssen wir nun auch anderen zugestehen und hoffen, dass dort Ähnliches passiert.
Zeit ist der eine Faktor, Geld der andere. Verfügen alle Teams über dieselbe Ausgangsposition?
In der ELF sind die Gehaltszahlungen gedeckelt, insofern hat jede Franchise die gleichen Möglichkeiten. Es liegt an jedem selbst, das Beste draus zu machen.
Warum gelingt dies in Stuttgart so gut?
Es geht darum, wie ein Kader zusammengestellt wird. Wir achten nicht nur auf die spielerische Klasse der Jungs, sondern auch auf deren Mentalität und Charakter. Und wir versuchen, ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich entfalten und weiterentwickeln können.
Stuttgart Surge soll einen Etat von 1,5 Millionen Euro haben. Wird es in dieser Größenordnung weitergehen?
Es gibt noch keine detaillierte Planung für 2025, doch wir gehen weiter von einem siebenstelligen Etat aus.
Reicht das, um an der Spitze zu bleiben?
Dafür müssen wir weiter versuchen, unsere Einnahmen zu steigern. Zudem haben wir sicher an der einen oder anderen Stelle Einsparpotenzial, ohne an Qualität einzubüßen.
Die Saison könnte nach dem Halbfinale beendet sein. Wissen Sie schon, wie das Team 2025 aussehen wird?
Wir denken langfristig, wollen weiterhin Stabilität in unserer Franchise haben. Der wichtigste Faktor dafür ist Jordan Neuman, der unser Cheftrainer und damit die wichtigste Bezugsperson bleiben wird. Mit dem Headcoach steht und fällt alles im American Football. Wir sind superfroh, auf dieser Position top besetzt zu sein.