Susanne und Heribert Schmid: Früher als eigentlich geplant den Laden aufgegeben. Foto: Renner

Nach fast 30 Jahren hat die Blumenbinderei Susanne und Heribert Schmid für immer geschlossen. Der Entschluss war zwar schon länger gefallen, aber der zweite Lockdown erleichterte die Entscheidung.

Hechingen-Schlatt - Am Montag durften die Blumenläden in Baden-Württemberg wieder öffnen, aber bei den Schmids konnten sich die Kunden nicht darüber freuen. Hier bleiben die Türen dauerhaft zu.

Susanne (64) und Heribert Schmid (69) haben sich entschlossen, nicht mehr zu öffnen, da sich die Geschäfte als in den vergangenen Jahren als immer schwieriger erwiesen haben. Eigentlich wollten die Schmids noch ein, zwei Jahre weitermachen, aber die Laufkundschaft fehlte, den Laden in der Brunnenwörthstraße haben vornehmlich nur noch Stammkunden und Einheimische aufgesucht. Die Konkurrenz wuchs dagegen ständig. "Größere Blumenläden sind entstanden, auch der Online-Handel hat uns zu schaffen gemacht", sagen sie.

Das Kaufverhalten der Leute habe sich geändert", erklärt Herbert Schmid. Auch Supermärkte und Tankstellen, die Blumen billig verkaufen, führten zu einem Rückgang der Frequenz. Zwar werden Blumen nicht in Massen online geordert, aber vor allem das Zubehör wie zum Beispiel Blumenvasen werde immer mehr bei Amazon & Co. bestellt.

Seine Frau habe viel Herzblut in den Laden gesteckt und sei auf die individuellen Kundenwünsche eingegangen. "Die Liebe für das Detail war bei ihr vorhanden. Unsere Preise waren für jeden erschwinglich", so Schmid. Und das, obwohl im Großhandel bestimmte Mengen abgenommen werden mussten und im Zweifel nicht verkaufte Blumen dann verwelkt sind. Man habe nun auch keinen Ausverkauf gemacht, weil die Lage des Ladens das nicht hergegeben hätte.

Blumen seien zu den Festen wie Ostern und Weihnachten nicht mehr so gefragt, aber allein von Hochzeiten und Beerdigungen könne man nicht leben. "Die Ware musste aber trotzdem ausreichend da sein", betont Schmid, der seine Frau nach seiner Pensionierung jederzeit mit Rat und Tat unterstützte.

Verkauf an einen Kunden findet im Freien statt, der nächste muss warten

Apropos Corona: Bereits beim ersten Lockdown haben die Schmids darauf reagiert und die Beratung und den Verkauf im Freien abgewickelt. Somit konnten sie sich natürlich nur um einen Kunden kümmern, was ungeduldige Menschen abschreckte. Und auch in Pandemie-Zeiten haben sie sich stets auf sich selbst verlassen, also in den vergangenen Monaten keine Staatshilfen beantragt.

Weil der Laden an ihr Wohnhaus angeschlossen ist, kommt eine Vermietung der Fläche nicht in Betracht. Langweilig wird es den Schmids künftig nicht. Sie haben zwei Kinder und viele Enkelkinder. Susanne Schmid zog früher übrigens die Kinder groß und machte nebenher Heimarbeit.

Als der Nachwuchs größer war, entschloss sie sich, einen Blumenladen zu eröffnen. Schließlich wurden ihr die Gene für diese Branche bereits in die Wiege gelegt, ihre Eltern hatten eine Gärtnerei.

"Ich hatte eine schöne Zeit, die viel Arbeit mit sich brachte, doch jetzt ist endgültig Schluss", hat Susanne Schmid mit etwas Wehmut nun einen Schlussstrich gezogen.

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