Die Stadtbücherei Rottweil hat für Bücher, die auf TikTok beliebt sind, ein eigenes kleines Regal eingerichtet. Foto: Heim

Die Online-Plattform TikTok beeinflusst die Buchbranche weltweit. Auch die Rottweiler Buchhandlungen und die Stadtbücherei spüren den Einfluss der sozialen Medien auf die Buchauswahl.

Der Einfluss der Video-Kurzplattform TikTok auf die Buchbranche nimmt zu. Die Sparte „BookTok“ (von englisch „book“ = Buch) bringt Leser, Autoren und Buchhandlungen zusammen. Gerade unter jungen Menschen ist die Plattform beliebt.

 

Mittlerweile gibt es sogar eigene BookTok-Bestsellerlisten und auch einen Buchpreis hat die Plattform ins Leben gerufen: Die TikTok-Book Awards wurden im Oktober bereits zum zweiten Mal auf der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Auch am Rottweiler Buchhandel ist diese Entwicklung nicht vorbei gegangen, wie wir auf Nachfrage erfahren. Allerdings betont Stefanie Graf, Filialleiterin der Buchhandlung Rupprecht in Rottweil, auch den Effekt anderer sozialen Medien. Kunden der Buchhandlung würden ihr zufolge „ihre Lesebegeisterung sowohl mit TikTok auch als mit Instagram in Verbindung bringen“.

Belletristik beliebter als Sachbücher

Ihre Buchhandlung erhalte vom Börsenverein auch die monatliche BookTok-Bestsellerliste, wie Graf erläutert. Diese hätten sie zunächst auch gesondert präsentiert, allerdings würden die Sachbücher darauf „nicht die selbe Relevanz erreichen wie die belletristischen Titel“, so Graf weiter.

Daher sei man mittlerweile dazu übergegangen, dem Genre „New Adult“ mehr Raum in der Buchhandlung zu widmen. Dabei handelt es sich um den „am schnellsten wachsenden Bereich der verschiedenen Lesecommunitys auf den gängigen Social-Media-Kanälen“, wie Graf erklärt.

Ähnlich verfährt auch die Buchhandlung Klein, wie Sabina Kratt erklärt. Dort ständen die Spiegelbestseller an prominenter Stelle – darunter befänden sich bereits viele TikTok-Titel, so Kratt. Und auch im Anschluss an die Jugendbücher gebe es ein ganzes Regal für die TikTok-Zielgruppe mit Titeln aus den Genres New Adult beziehungsweise Young Adult.

Besonders Mädchen und Frauen lesen mehr

Der große Einfluss der sozialen Medien zeigt sich auch in den Kundenzahlen. Laut Graf kann die Buchhandlung in Rottweil „beachtliche Zuwächse verzeichnen“, besonders Leserinnen zwischen 14 und 35 Jahren würden demnach einen viel größeren Teil der Kundschaft ausmachen als vorher. Auch Kratt bestätigt diese Wahrnehmung. „Gerade junge Frauen kommen ganz gezielt und suchen die Titel der BookTok- und TikTok-Stars“, berichtet sie.

Stadtbücherei ohne merkbaren Kundenzuwachs

Daniela Lange, stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei Rottweil, bemerkt in der Bücherei hingegen keinen Kundenzuwachs. Allerdings hat die Bücherei trotzdem ein Regal für BookTok-Bücher eingerichtet, die Bücher darauf werden auch von den etablierten Lesern gut angenommen, so Lange.

Sie erklärt aber, dass es für Büchereien generell schwieriger sei, der Schnelllebigkeit der sozialen Medien zu folgen als für Buchhandlungen. Zumal die Bücherei jeweils nur ein Exemplar der Bücher hat. Wenn diese verliehen sind, sei es teils schwer, das Regal zu füllen, erläutert Lange.

Aktivität in den sozialen Medien

Die Buchhandlung Rupprecht ist auch in den sozialen Medien vertreten, als Teil eines Filialunternehmens wird die Aktivität dort allerdings im Stammhaus in Bayern koordiniert, wie Graf erklärt. Zum aktuellen Zeitpunkt ist das Unternehmen nur auf Instagram vertreten, der Kanal dort würde jedoch sehr vielfältig bespielt und sei nicht speziell auf die junge Zielgruppe zugeschnitten, so Graf.

Die Buchhandlung Klein ist ebenfalls auf Instagram vertreten und auch auf Facebook gibt es ein aktives Konto, wie Kratt mitteilt. Sie würden außerdem sehr genau beobachten, was auf TikTok empfohlen wird, dort hat die Buchhandlung aber zur Zeit keinen aktiven Kanal.

Die Stadtbücherei ist nur auf Facebook in den sozialen Medien aktiv, dort werde aber laut Lange eine ganz andere Zielgruppe angesprochen als auf TikTok oder auch Instagram üblich.

In seltenen Fällen würde die Bücherei allerdings Inhalte über den städtischen Instagram-Kanal teilen, wie Lange erklärt.

Schlussendlich ist aber egal, auf welcher Plattform die Liebe zu Büchern geteilt wird. Den Austausch mit anderen Lesern ermöglicht jede davon.