Das Weihnachtsgeschäft bewerten die Rottweiler Einzelhändler unterschiedlich. Foto: Jelena – stock.adobe.com/Otto/Montage: Holweger

Zwischen Baustellen und Parkgebühren: Wie haben die Gewerbetreibenden in der Rottweiler Innenstadt das Weihnachtsgeschäft erlebt? Wir haben nachgefragt.

Enttäuschung, Kaufzurückhaltung, geringe Umsätze – so fasste der Handelsverband Baden-Württemberg die Stimmung im Einzelhandel an den vier Adventswochenenden zusammen. Gilt diese Bilanz auch für Rottweil, wo die Gewerbetreibenden mit Baustellen und teureren Parkgebühren zusätzliche Herausforderungen meisten mussten? In Rottweil hoffte so mancher Gewerbetreibende auf das Weihnachtsgeschäft.

 

Ob die Kunden zu Weihnachten bewusst ihre Einkäufe in der Innenstadt erledigten, oder eine gewisse Kaufzurückhaltung spürbar war? Wir haben uns bei Einzelhändlern in der Innenstadt umgehört. Und die Bilanz fällt unterschiedlich aus.

Gemischte Gefühle im Schweizer Lädele

Sabine Horn, Inhaberin des Schweizer Lädele am Schwarzen Tor, ist zufrieden. „Es gab keinen Einbruch“, sagt sie. Allerdings seien die sonst zu erwartenden Großbestellungen verschiedener Firmen zu Weihnachten ausgeblieben. „Wir sind also mit einem sehr hellblauen Auge davongekommen“, sagt sie lachend.

Was für Umstände gesorgt habe, sei die Rottweil Card gewesen. Das Abrechnungsprozedere mit der Gutscheinkarte sei im laufenden Betrieb, wenn der Laden voll ist, fast nicht möglich gewesen. Sie muss mit dem Handy abgescannt und dann ins Kassensystem eingebucht werden. Mit dem Rottweiler Taler sei das viel einfacher gewesen. „Der war faktisch Bargeld“, erklärt die Einzelhändlerin.

„Ich wollte die Karte erst nicht, weil damit für uns ein größerer Aufwand verbunden ist“, sagt Horn. Allerdings finde sie auch, dass man erst einmal etwas ausprobieren müsse, bevor man urteilt. Und: Da für die teilnehmenden Geschäfte bislang keine Gebühr anfalle, sei der Zeitraum für einen Probelauf gut. Und die Abrechnung mit den Rottweil-Card-Machern funktioniere ganz wunderbar, lobt sie.

Hoher Parkdruck bei Edeka

Lob gibt’s auch von Detlev Maier. Der Chef des Rottweiler Edeka und kommissarischer Vorstand des Rottweiler Gewerbe- und Handelsvereins bestätigt auf Nachfrage: Die Rottweil Card wird angenommen und sorgt für Umsatz. Insgesamt sei der Weg der Digitalisierung ein guter.

Probleme gab es für den Rottweiler Edeka seit der Einführung der neuen Parkgebühren mit den Kundenparkplätzen, wie Maier berichtet. „Im September 2025 hatten wir auf unserem Kundenparkplatz einen enormen Druck mit Fremdparkern. Wir mussten uns daher mit einer Parkraumbewirtschaftung beschäftigen.“

Mittlerweile setzt Maier auf ein schrankenloses System, dass den Kunden 90 Minuten kostenfreies Parken, während ihres Einkaufs, gewähre. Und das funktioniere reibungslos. „Reinfahren, einkaufen, rausfahren – alles ohne Ticket!“ Seither hätten seine Kunden wieder ausreichend Parkplätze.

Insgesamt und trotz Baustellen sei das Weihnachtsgeschäft gut und auf Vorjahresniveau gewesen. Zu spüren bekommen habe man vor allem die Baustelle Villingendorf/Autobahnanschluss. „Gott sei Dank war die Baustelle vor Weihnachten behoben“, sagt Maier.

Insgesamt sei jede Baustelle oder temporäre Veränderung eine Aufgabe, der sich sowohl Händler als auch Kunden stellen müssten. „Die Baustellen sind ja insgesamt kein Selbstzweck, sondern dazu da, Verbesserungen zu erzielen“, gibt Maier zu bedenken.

Juwelier beklagt Frequenzrückgang

„Das Weihnachtsgeschäft fiel im Vergleich zu den Vorjahren spürbar schwächer aus“, berichtet Till Stauss vom gleichnamigen Juweliergeschäft in der Hochbrücktorstraße auf Nachfrage unserer Zeitung. Er verzeichne in allen Bereichen einen Frequenzrückgang von etwa zehn Prozent. „Aus unserer Sicht spielen die aktuellen Parkgebühren dabei eine wesentliche Rolle“, so Stauss.

Mit Blick auf die kommenden Monate rechne er sogar mit einem weiteren Umsatzrückgang – insbesondere ab März. Dann nämlich wird der Friedrichsplatz zur Baustelle. Was hier unternommen werden kann? Stauss finde deutliche Worte: „Insgesamt haben viele Händler das Gefühl, stark auf sich allein gestellt zu sein und müssen aktuell alles in ihrer Macht Stehende tun, um die Kundinnen und Kunden dennoch für die Rottweiler Innenstadt zu gewinnen.“

Intersport will unkonventionelles wagen

Zusammenhalten ist angesagt, so jedenfalls sieht es Marcus Frank (Intersport Kirsner), der unsere Fragen auch im Hinblick auf Rottweil aktiv – also den GHV – beantwortet.

„Die Stimmung der Händler, etwas zu bewegen, Lösungen herbeizuführen und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit untereinander, mit der Stadt oder Unkonventionelles zu wagen ist nach wie vor ungebrochen und von großer Motivation geprägt, was sich auch an den neueren Aktivitäten von ’Rottweil aktiv’ ablesen lässt“, betont Frank.

Seine Wahrnehmung: Die Rottweiler Innenstadt sei nach der Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung mit einem Frequenzrückgang beziehungsweise einer kürzeren Aufenthaltsdauer konfrontiert gewesen – was sich im Weihnachtsgeschäft abgebildet habe. „Aus vielen Geschäften hören wir, dass die Umsatzentwicklung schlechter war als im Vorjahr und erwartete beziehungsweise erhoffte Umsatzziele nicht erreicht wurden“, erklärt Frank. Die Rottweiler Innenstadt habe immer noch nicht die Lebendigkeit erreicht, die sie vor der Erhöhung der Parkgebühren oder der Sperrung der Autobahnauffahrt gehabt habe.

Tourismus als Kompensator

„Die einfache und direkte Erreichbarkeit der Innenstadt scheint nicht nur ein Grund zu sein, in die Stadt zu kommen, sondern eine Voraussetzung. Das gleiche scheint für die Parkgebühren zu gelten.“ Die Bereitschaft etwa nach Feierabend noch kurz in die Stadt zu gehen, sei deutlich gesunken. Und dies berge nicht nur Nachteile für die Händler und Gastronomen, sondern gehe auch „zu Lasten des Wohlfühlfaktors, den eine lebendige Innenstadt bietet“, meint Frank.

Dennoch gebe es auch viele positive Aspekte: „Die Öffnung des Durchgangs an der Baustelle Münsterplatz sorgte umgehend für eine positivere Entwicklung – und der Tourismus während der Advents- und Weihnachtszeit kompensierte einiges. Genauso war die Fertigstellung der Autobahnauffahrt umgehend schnell zu spüren und erhöhte die Frequenz in den Läden.“

Frank ist sich sicher: Die gute Zusammenarbeit zwischen der Stadt, den Händlern und der Bevölkerung sei Voraussetzung dafür, trotz einschneidender Baustellen – wie jene am Friedrichsplatz ab März – die Attraktivität der Innenstadt zu bewahren. Hier komme es künftig auch auf ein gutes Stadtmarketing an.