Die Deutsche GigaNetz GmbH warb lange überall im Stadtgebiet. Bislang reichte es noch nicht, um überall genügend Interessenten zu überzeugen. Foto:  

Damit Calw schnelles Internet bekommt, kooperiert die Stadt mit der Deutsche GigaNetz GmbH (DGN). Letztere wiederum will den Ausbau auf eigene Kosten übernehmen – sofern sich genug Interessenten finden. Das Interesse scheint jedoch stagniert zu sein.

Das Vorhaben klang von Beginn an ehrgeizig: Die Deutsche GigaNetz GmbH, das wurde bereits im Frühjahr 2023 bekannt, will ein etwa 225 Kilometer umfassendes Glasfasernetz im Calwer Stadtgebiet erreicht.

 

Insgesamt geht es um bis zu 6328 Adressen, die dadurch FTTH (engl.: fiber to the home, dt.: Glasfaser bis in die Wohnung) erhalten können. Rund 50 Millionen Euro, so hieß es damals, werde die DGN dafür in die Hand nehmen, um das Netz aufzubauen.

Frist verstrich – zwei mal

Wer mit dem Unternehmen einen Vertrag über Internet und Telefon abschließt, bekommt die Glasfaserleitung, inklusive Anschluss und Bau, umsonst. Letzteres ist üblicherweise nur für Kosten im vierstelligen Bereich zu haben.

Doch es gibt eine Voraussetzung: Etwa 4400 Wohneinheiten, also rund 35 Prozent der Haushalte, müssen sich für einen Anschluss der DGN entscheiden. Und hier hakt es seit geraumer Zeit.

Um die Quote zu erreichen, begann die DGN noch im Jahr 2023 mit der Vorvermarktung. Die erste Frist, bis durchschnittlich 35 Prozent erreicht werden sollten, verstrich im Februar, die verlängerte Frist im April. Die 35 Prozent wurden nicht erreicht.

Gute Nachrichten gab es im Mai zumindest für den östlichen Teil des Stadtgebiets, also etwa Stammheim oder Heumaden. Schon zu diesem Zeitpunkt schien sicher, dass es hier reichen werde. Im Sommer gaben DGN und Stadt Calw offiziell bekannt, dass hier das Ziel erreicht wurde.

Sorgenkind blieb dagegen der Calwer Westen, also Altburg, Wimberg und Co. – hier lag die Quote stetig unter 30 Prozent.

Und an diesem Stand scheint sich bis heute wenig geändert zu haben. „Im östlichen Teil der Stadt haben sich rund 35 Prozent der Haushalte und Unternehmen im Rahmen der Nachfragebündelung für einen Glasfaseranschluss der Deutschen GigaNetz entschieden. Im Westen liegt der Anteil aktuell bei rund 28 Prozent“, erklärt Inken Gärtner, Sprecherin der DGN, auf eine aktuelle Anfrage unserer Redaktion.

Beteiligungsquote von 31 Prozent

Die DGN sei jedoch zuversichtlich, „die verbleibenden Haushalte und Unternehmen ebenfalls für den Anschluss zu gewinnen, um das Ziel von 35 Prozent auch dort zu erreichen“.

Im Durchschnitt des gesamten Stadtgebiets sei inzwischen eine Beteiligungsquote von 31 Prozent erreicht. „Es fehlen noch etwa 500 Verträge, um das Ziel von 35 Prozent zu erreichen“, erklärt Gärtner.

Die Frage, ob im Westen Calws auch ausgebaut wird, falls die 35 Prozent dort nicht erreicht werden, beantwortete die Sprecherin nicht.

Förderung für Randlagen?

Die Ausbauarbeiten sollen Mitte des ersten Halbjahres 2025 beginnen und innerhalb von rund zwei Jahren abgeschlossen sein.

Unklar ist bislang noch, wie es mit sogenannten „Randlagen“ aussieht. Darunter fällt etwa der Spindlershof, der, so hatte Calws Oberbürgermeister Florian Kling es im Sommer erklärt, „aus unserer Sicht aber dringend Glasfaser benötigt“.

Für diese Bereiche bemüht sich die Stadt um Fördergelder, „da diese Gebiete, insbesondere Aussiedlerhöfe, aufgrund ihrer abgelegenen Lage oft nicht eigenwirtschaftlich erschlossen werden können“, hatte DGN-Sprecherin Gärtner erläutert.

Ein Herzensanliegen

Ob hier Fördermittel fließen, sei derzeit noch nicht entschieden, berichtet Gärtner nun. Daran werde aktuell gearbeitet, ein entsprechender Beschluss liege jedoch noch nicht vor.

Für Oberbürgermeister Kling ist der Glasfaser-Ausbau indes ein Herzensanliegen. „Die jungen Menschen, Unternehmen und spätere Generationen werden es uns nicht verzeihen, wenn wir zum Beispiel Wimberg oder Altburg nicht erschließen und diese damit abgehängt werden“, bekräftigte er in der Vergangenheit.

Deshalb appelliert er seit geraumer Zeit an alle Bürger, „diese Chance nicht an ihnen vorbeiziehen zu lassen“.