Brianne Beerbaum startet in Stuttgart in der Ponies’ Trophy, ihre Mutter Meredith Michaels-Beerbaum begleitet sie. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Brianne Beerbaum will es ihren Eltern gleichtun und eine erfolgreiche Karriere als Profireiterin starten. Nun reitet die 14-Jährige erstmals in Stuttgart – wo ihre Mutter große Erfolge gefeiert hat.

Ein Interviewtermin auf der Fahrt zum Flughafen, dann die Anreise zum Turnier nach Stuttgart, hier am nächsten Mittag wieder ein Medientermin – dann am Nachmittag der erste Auftritt auf dem Pferd. Klingt nach einem recht normalen Prozedere – für einen der Reitstars, die derzeit in der Schleyerhalle ihre Pferde satteln. Ist aber jenes einer 14-Jährigen.

 

Das wiederum klingt nun überraschend. Ist es allerdings nur auf den ersten Blick. Denn: Dieser Teenager trägt einen in der Reiterszene sehr berühmten Nachnamen, ist zudem schon ziemlich erfolgreich – und dadurch eben auch besonders interessant. Und vermutlich wird es in den nächsten Jahren noch viel interessanter. Denn Brianne Beerbaum sagt: „Ich will unbedingt so weitermachen und Profi werden. Wie meine Eltern.“

Vater und Mutter der 14-Jährigen muss man in der Reitsportbranche niemandem näher vorstellen. Markus Beerbaum war unter anderem Welt- und Europameister mit der deutschen Springreiter-Equipe. Meredith Michaels-Beerbaum wurde Welt- und Europameisterin sowie Olympia-Dritte 2016 in Rio de Janeiro. Und dann gibt es da ja auch noch den Onkel, Ludger Beerbaum, dekoriert mit viermal Gold bei Olympischen Spielen. Alle drei waren sie auch regelmäßig Gäste bei den German Masters in Stuttgart – wo am Freitag Brianne erstmals in den Parcours ritt.

„Sehr viel“ habe sie schon vom Weltklasseturnier in der Schleyerhalle gehört. Vor allem von ihrer Mutter, die nicht nur ihre Trainerin ist, sondern sich auch liebend gerne an ihre aktiven Auftritte in Stuttgart erinnert. „Es war eines meiner Lieblingsturniere“, sagt die US-Amerikanerin, weiß, dass ihr Mann 1993 der erste Deutsche war, der den Großen Preis in Stuttgart gewann – und erzählt von gleich mehreren Automobilen einer schwäbischen Premiummarke, die sie selbst als Siegprämie mit nach Hause nehmen durfte. „Wo soll ich anfangen, wo aufhören?“, fragt sie lachend, wenn man sie auf ihre Erfolge in Stuttgart anspricht.

Auf dem Pferd und in der Schule top

Nun aber steht nicht mehr sie, sondern eben ihre Tochter im Zentrum des Interesses. Obwohl es vor einigen Jahren noch überhaupt nicht danach ausgesehen hat, dass sie den Namen Beerbaum weitertragen wird in der Welt der Turnierreiterinnen und -reiter. „Wir haben eigentlich nicht gedacht, dass sie eine Reiterin wird“, erinnert sich Meredith Michaels-Beerbaum, „Brianne war als Kind eher schüchtern, zurückhaltend. Sie scheute das Risiko.“ Die Tochter, die heute unerschrocken und selbstbewusst wirkt, sieht es ähnlich.

Zwar habe sie „schon immer“ reiten wollen. Und auch habe sie schon mit fünf oder sechs Jahren an Wettbewerben teilgenommen. „Aber ich war zunächst nicht wirklich ehrgeizig“, sagt sie, „ich war auch ein bisschen ängstlich und zurückhaltend.“ Das hat sich grundlegend geändert.

Irgendwann erwachte eben doch der Beerbaum-Instinkt in ihr – und ab dem Moment, „in dem sie ihre Liebe zu den Pferden so richtig entdeckt und auch gesagt hat, dass sie Turniere reiten möchte“, sagt die prominente Mutter, „haben wir sie unterstützt mit allem, was wir konnten“.

Brianne Beerbaum (li.) und ihre Mutter Meredith Michaels-Beerbaum Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Das ist nicht wenig im heimischen Stall in Thedinghausen, und es ist nur logisch, dass Meredith Michaels-Beerbaum sagt: „Das ist ein großer Vorteil.“ Den ihre Tochter bislang sehr gut zu nutzen weiß. Im vergangenen Jahr gewann Brianne Beerbaum mit der deutschen Mannschaft Team-Gold bei der Nachwuchs-EM, in diesem Jahr wurde sie im Einzel EM-Dritte. „Sie hat den Preis der Besten mit dem Pony und mit dem Children-Pferd gewonnen“, zählt die Mutter und Trainerin zudem auf. Andere starke Auftritte und Erfolge – auch gegen deutlich ältere Konkurrenz – kamen hinzu.

„Ich bin superzufrieden“, sagt Brianne Beerbaum, „ich hätte mir dieses Jahr bisher nicht besser vorstellen können.“ In Stuttgart tritt sie ausschließlich in der Ponies’ Trophy des Weltverbands FEI an, sattelt ihr Pony Noriego vd Riloo, das eines von zahlreichen Pferden ist, die das Talent reitet.

„Sie reitet viele verschiedene Pferde“, sagt Meredith Michaels-Beerbaum, „das zeigt einerseits, wie viel Gefühl sie für das Reiten hat. Andererseits ist sie auch sehr fleißig und arbeitet hart.“ Übrigens nicht nur mit den Pferden. Auch die Noten in der Schule seien – trotz der Mehrfachbelastung – top. „Auch das ist uns als Eltern sehr wichtig“, sagt Michaels-Beerbaum, die es ansonsten genießt, ihre eigenen Erfahrungen an ihre Tochter weiterzugeben. „Ich habe“, sagt der Teenager zum Zusammenspiel zwischen Schule und der Reiterei, „mittlerweile einen guten Rhythmus gefunden.“ Je einmal im Jahr verbringt sie zudem drei Monate in den USA, der Heimat ihrer Mutter.

Der Children-Klasse entwächst Brianne Beerbaum im kommenden Jahr. Wie es dann weitergeht? Genauso wie bisher – wenn es nach der jungen Reiterin geht. Auch bei den Junioren und Juniorinnen will sie konstant vorne mitmischen und Erfolge einfahren. So, wie man es eben erwartet, wenn jemand den Nachnamen Beerbaum trägt. Oder?

Sie selbst, versichert Brianne Beerbaum, spüre aufgrund ihrer Familiengeschichte „keine besonderen Erwartungen“, keinen besonderen Druck. Auch nicht in Stuttgart, wo sie „einfach Spaß haben möchte“. Was mit einem fehlerfreien Ritt (und Platz sieben) am Freitag schon mal ganz gut geklappt hat.