Geringe Vorräte, steigende Nachfrage – und die Vogelgrippe: Das Festtagsgeschäft wird für viele Landwirte zur Herausforderung. In der Ortenau ist die Lage noch entspannt. Das könnte sich jedoch ändern, erklärt der Neurieder Geflügelhofbetreiber Jochen Adam im Gespräch.
Farbige Eier gehören zum Osterfest wie der Christbaum zu Weihnachten. Der Unterschied: Während der Bedarf an Tannen meist nur in der kalten Jahreszeit steigt, besteht die Nachfrage nach Eiern das ganze Jahr über. „Die Versorgungslage ist unterschiedlich. Die günstigen- und die Bio-Eier sind sehr knapp“, beschreibt Jochen Adam im Gespräch mit unserer Redaktion. „Durch die starke Nachfrage entsteht ein Versorgungsengpass“, erklärt der Neurieder, der einen der größten Geflügelhöfe der Region betreibt.
Die Gründe für die Engpässe seien vielfältig. Angefangen habe alles, als die Pandemie über das Land rollte. „Zu diesem Zeitpunkt stieg der Bedarf immer weiter“, erinnert sich Adam. Nach Corona änderte sich das jedoch, weshalb viele Landwirte ihren Bestand wieder reduziert hätten. Für den derzeitigen Aufschwung seien demnach nicht alle gewappnet.
Geflügelhöfe kommen mit Ei-Produktion nicht hinterher
„Das Ei erlebt einen Boom. Die Menschen erkennen wieder, dass es ein günstiges und gesundes Nahrungsmittel ist“, erklärt der Experte, weshalb die Nachfrage steigt. Für einige Geflügelhöfe könnte das Ostergeschäft also zum Problem werden. Besonders im Hinblick auf die farbigen Eier, wie Adam erklärt. „Bei bunten Eier wird auf Vorrat gearbeitet, um sie anschließend in großen Mengen an die Färbereien zu verkaufen. Durch den zu geringen Hühnerbestand werden viele Hofbetreiber nervös, weil ihnen die Zeit fehlt“, beschreibt Adam und fügt an: „Hühner sind keine Maschinen, bei denen man die Produktionsgeschwindigkeit aufdrehen kann. Man muss seinen Bestand aufstocken – und das dauert eben.“ Hinzu komme noch die Vogelgrippe, die vielen Landwirten zu schaffen mache. „Viele haben dadurch Hühner verloren. Uns hat das aber bisher zum Glück nicht betroffen“, beschreibt Adam die Lage auf seinem Hof.
Die Folge des Ganzen: steigende Großhandelspreise. „Es wäre lukrativer für mich, wenn ich alle meine Eier im Großhandel verkaufe, statt im Einzelhandel“, so der Hofbetreiber. Und tatsächlich: Laut einem Bericht der Deutschen Eier-Union haben die Marktpreise ein Allzeithoch erreicht. So wurden demnach zuletzt zum Beispiel für 100 weiße Eier – Gewichtsklasse M und unterste Haltungsform – 17,63 Euro fällig.
Auch bei Freilandeiern könnte es einen Engpass geben
Obwohl die Lage bei den Freilandeiern offenbar entspannt ist, befürchtet Adam auch in diesem Bereich einen Engpass. Zumindest dann, wenn die Nachfrage weiter steigt und die günstigen Eier den Bedarf nicht decken können. Wann und ob das der Fall sein könnte, sei abzuwarten. Im Hinblick auf das Osterfest ist sich Adam jedoch sicher: „Es werden Eier da sein. Auch wenn man sie im Zweifelsfall selbst färben muss.“
Info – 236 Eier pro Kopf
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern stieg 2023 nach Angaben des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) auf 236 Eier und liegt damit in etwa auf dem Niveau von 2019. Die Erzeugung von Konsumeiern im Inland sank hingegen um 119 Millionen Eier, heißt es weiter. Der Nahrungsverbrauch wuchs insgesamt auf 19,9 Milliarden Eier, was einem Plus von drei Prozent entspricht. Das sei auf die gewachsene Bevölkerung zurückzuführen sowie auf einen höheren Bedarf.