Am Morgen sind alle bis auf ein E-Fahrzeug des Zustellstützpunkts Sulgen der Deutschen Post DHL im Einsatz. Foto: Stephan Wegner

Nachdem am Dienstag Verdi die städtischen Regionen der Zustellunternehmens Deutsche Post DHL bestreikt hat, sollten am Mittwoch ländliche Bezirke dran sein. Unsere Redaktion hörte sich bei den Beschäftigten und der Gewerkschaft Verdi um. Eine Antwort des Unternehmens blieb bislang aus.

10.30 Uhr am Zustellstützpunkt der Deutschen Post DHL in Schramberg-Sulgen, zuständig für Schramberg und Teile des Umlands. Noch sind fast alle der gelben Elektrofahrzeuge an ihren Ladesäulen angeschlossen. Bleiben wegen des von Verdi angekündigten Arbeitsniederlegungen diese weiter am Netz hängen und die Post wird nicht ausgefahren?

 

Wer genau schaut, der sieht allerdings, dass um die Fahrzeuge herum geschäftiges Treiben herrscht. Zudem ist der Mitarbeiterparkplatz auf der anderen Seite des Gebäudes ziemlich voll. Eher kein Zeichen dafür, dass gestreikt wird.

Gegen 10.30 Uhr stehen die Auslieferungsfahrzeuge noch an ihren Ladeplätzen vor dem Stützpunkt in Sulgen. Foto: Wegner

Auf die Frage „streikt ihr heute?“ ist dann ein Zusteller der Post, der gerade im Gewerbegebiet Briefe ausfährt, auch völlig verdutzt. Er wisse gar nichts von einem Streik, antwortet er und macht sich weiter auf die Strecke.

Vor Ort nichts bekannt

Volle Zustellkisten

Eine Zustellerin in einem Wohngebiet hat zwar was von einem Streik gehört, geht aber davon aus, dass das in größeren Städten so sei. Und es sieht bei ihren vollen Postkisten auch nicht so aus, als hätte sie an diesem Tag weniger zu arbeiten, weil beispielsweise im Verteilzentrum Villingen-Schwenningen, das auch die 78er-Bereiche im Landkreis Rottweil abdeckt, Briefe oder Pakete nicht weitertransportiert worden seien.

Sicht von Verdi auf Streik

Und einem dritten, kurz angefragten Zusteller ist auch niemand bekannt, der von seinen Kollegen streike – „vielleicht in Rottweil oder Oberndorf oder so“, meint er schulterzuckend.

Verdi hingegen sieht die Streikbeteiligung als gut an. Gewerkschaftssekretär Jens Hamann betont, dass am Dienstag aufgrund des Streiks landesweit rund 100 000 Pakete und 700 000 Briefe liegen geblieben seien. Weit über 1000 Beschäftigte hätten sich am Streik in den Städten beteiligt. Wie die Zustelllage in Schramberg und dem Landkreis Rottweil aussieht, konnte Hamann allerdings nicht einschätzen. Generell herrsche auch in Schramberg eine Betroffenheit vor, da Schramberg organisatorisch der von Streiks betroffnen Niederlassung Reutlingen und insbesondere dem Standort Villingen-Schwenningen zugeordnet sei.

Ist die Wahl gefährdet?

Noch ist im Übrigen völlig unklar, ob es auch kurz vor der Bundestagswahl zu weiteren Streiks der Deutschen Post kommt. Hamann sieht es folgendermaßen: „Wir hoffen natürlich auf ein gutes Angebot von der Arbeitgeberseite, er hat ein Ende der Streiks in der Hand.“ Verhandelt zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite werde das nächste Mal am 12. und 13. Februar, das heißt kurz vor der Bundestagswahl am 23. Februar. Die Lohnforderung betrage 7 Prozent auf eine Laufzeit von einem Jahr.

Auf der Verdi-Landesbezirksebene herrscht ebenfalls viel Zufriedenheit bezüglich des derzeit laufenden Warnstreiks bei der deutschen Post.

Andreas Henze schildert, dass es für ihn immer wieder beeindruckend sei, wie viele Menschen mobilisiert werden könnten. Bezüglich der Arbeitsbedingungen sieht er auch die Bundespolitik in der Pflicht, schließlich sei der deutsche Staat nach wie vor mit rund 17 Prozent Anteil einer der Besitzer der Aktiengesellschaft.

Daneben würden aber auch renditefokussierte Investmentgesellschaften wie Blackrock zu den Besitzern zählen.