Ein Streit um einen Mundschutz in der Balinger Markthalle endete nun vor Gericht. Foto: Maier/Montage: Klaiber

Dass manche Menschen keine Maske tragen wollen oder können, ist mittlerweile alltäglich. Dass daraus jedoch eine Ohrfeige resultiert, ist eher ungewöhnlich und beschäftigt jetzt das Balinger Amtsgericht.

Balingen - Im Juli dieses Jahres wollte ein Rentner in der Balinger Markthalle einkaufen. Weil er keinen Mundschutz trug, wurde er von einer Käseverkäuferin darauf angesprochen. Es entwickelte sich ein Disput, zu dem ein Mitarbeiter der Fleischtheke hinzugerufen wurde. Den soll der Rentner daraufhin geohrfeigt haben. Wie es dazu kam, muss nun das Amtsgericht klären.

Der 66-Jährige gab am Donnerstag vor der Richterin an, zum Vatertag einen Gutschein für den Markt geschenkt bekommen zu haben. Daraufhin sei er dorthin gegangen und habe an der Infotheke erklärt, er habe ein Attest und sei von der Maskenpflicht befreit – woraufhin er dort einkaufen konnte. Da er jedoch nicht das ganze Guthaben des Gutscheins aufgebracht habe, sei er zwei Tage später erneut zum Einkaufen zurückgekommen.

Wie Dieb auf frischer Tat?

Kaum habe er den Markt betreten, sei er von der Verkäuferin der Käsetheke angeschrien worden, er solle seine Maske aufsetzen. "Sie hat sich benommen, als ob sie einen Dieb auf frischer Tat ertappt hat", beschrieb der Mann vor Gericht die Situation. Mehrere Angestellte des Marktes hätten ihn dann "aggressiv verfolgt", ein Mann habe sich ihm in den Weg gestellt und ihn am Verlassen des Marktes gehindert.

Als dieser ihn dann in den Bauch gestupst habe, habe er zurückgestoßen. Dabei sei ihm die Hand abgerutscht, und er habe den Verkäufer versehentlich am Kopf getroffen. "Er wollte es provozieren, dass die Polizei gerufen wird", sagte der 66-Jährige. Und: "Man möchte nicht, dass die Würde des Menschen angegriffen wird." Er habe den Verkäufer noch gewarnt, ihn nicht anzufassen, doch "so wie die mich behandelt haben, das hat eine Trotzreaktion in mir ausgelöst."

Deftige Beschimpfungen

Die Aussagen des geschlagenen Verkäufers und seiner Kolleginnen hörten sich jedoch deutlich anders an. Der Kunde sei von der Käseverkäuferin höflich aufgefordert worden, eine Maske aufzusetzen, sonst müsse er den Markt wieder verlassen. Der renitente Rentner habe die Frau daraufhin als "Arschloch" bezeichnet und sei weiter in den Markt hineingegangen. "Es kommt ab und zu vor, dass jemand keine Maske aufhat, aber so provokativ war noch keiner", sagte die Frau im Zeugenstand.

Dem hinzugerufenen Fleischverkäufer habe er erklärt, er müsse ihm keine Bescheinigung zeigen, weil der "zu klein sei". Der Rentner habe den Verkäufer zudem als "Wichser" bezeichnet und ihm gedroht: "Fass mich nicht an, sonst schlag ich dich." Obwohl der Verkäufer versucht habe zu deeskalieren, habe ihm der renitente Kunde unvermittelt mit der flachen Hand an den Kopf geschlagen.

Daraufhin wurde die Polizei gerufen, der der Mann dann bereitwillig sein Attest zeigte. "Wenn er das mir einfach gezeigt hätte, wäre die ganze Sache erledigt gewesen", sagte der Fleischverkäufer kopfschüttelnd vor Gericht aus.

Mann will Videos sehen

Da es in der Markthalle Videoüberwachung gibt, bestand der Angeklagte darauf, diese vor Gericht sehen zu wollen, um seine Version der Geschehnisse bestätigt zu bekommen. Dies wird sich jedoch als schwierig erweisen, da die Aufnahmen nach Angaben der Supermarktmitarbeiter aus Datenschutzgründen nach acht Tagen gelöscht werden.

Gleichwohl bestand der 66-Jährige auf seinem Anliegen, weswegen die Sitzung unterbrochen werden musste. Sie wird nun am 29. Oktober um 9 Uhr im Amtsgericht fortgesetzt. Dann ergeht auch das Urteil.