Beim Streit war viel Alkohol im Spiel. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Viel Bier, ein bisschen Schnaps, gelbe Säcke, eine kaputte Autobatterie, ein paar Ohrfeigen und schwere Verletzungen im Augen- und Nasenbereich. So wirr wie sich das liest, ging es auch in einer öffentlichen Hauptverhandlung am Dienstagnachmittag am Amtsgericht Rottenburg zu.

Rottenburg - Es war im Oktober vergangenen Jahres, als drei Männer in ihren mittleren Dreißigern zunächst ganz friedfertig in der Bar Passatempo an der Königstraße Zeit verbrachten – jedenfalls bis eine Frau augenscheinlich asiatischer Herkunft ins Spiel kam, wie der geschädigte Zeuge und die beiden Angeklagten übereinstimmend berichteten. Die Stimmung kippte.

Die Frau sei im Passatempo von dem 34-jährigen Angeklagten angesprochen worden, berichtete der geschädigte Zeuge weiter. Dabei habe der Angeklagte der Frau auch Geld für sexuelle Dienstleistungen angeboten, was den Zeugen wiederum aufgeregt habe – und was er in der Gaststätte auch klar zur Sprache gebracht habe. Die Angeklagten behaupteten indes, dass der Geschädigte mit teils üblen Beleidigungen um sich geworfen und die beiden Angeklagten auch sonst provoziert habe.

Wie entwickelte sich der Streit weiter?

Wie der Streit sich dann konkret weiterentwickelte, konnte in der Verhandlung nicht vollends geklärt werden. Die beiden Angeklagten stritten jedenfalls nicht ab, den Geschädigten "im Laufe der Rangelei" ein paar wenige Male mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen zu haben, wenn auch "aus Reflex". Der Geschädigte soll nicht nur in der Bar, sondern wenig später auch auf der Straße geschlagen worden sein, wobei er am Bordsteinrand mit dem Rücken nach hinten in gelbe Säcke gefallen sein soll. Der Zeuge, der sich daraufhin nach eigenen Angaben in "Schutzhaltung" positionierte, behauptete, dass die beiden Angeklagten – oder jedenfalls zumindest einer der beiden – weiterhin auf ihn eingeschlagen haben sollen, als er in den gelben Säcken lag.

Danach soll der Geschädigte nach eigenen Angaben zurück in die Bar gelaufen sein, wo er vom Barbesitzer angesprochen worden sei. Dieser habe ihm angeboten, entweder einen Krankenwagen zu rufen oder ihn mit dem Auto nach Hause zu fahren. Letzteres habe aber nicht funktioniert, weil die Autobatterie defekt gewesen sei. So habe sich der Zeuge in Richtung der AGIP-Tankstelle getaumelt, wo die Tankstellenmitarbeiter dann einen Krankenwagen gerufen hätten. Im Krankenhaus seien dann verschiedene Verletzungen im Augen- und Nasenbereich, unter anderem ein Bruch des Augenhöhlenbodens zur Kieferhöhle hin festgestellt worden. Wenig später sei er operiert worden, was auch aus dem Arztbrief vorgehe, berichtete der geschädigte Zeuge.

Berufliche Zukunft steht "auf der Kippe"

Noch heute sehe der Geschädigte in Folge des Bruchs des Augenhöhlenbodens zur Kieferhöhle hin Doppelbilder, wenn er den Blick nach oben oder nach links richte. Aus diesem Grund stehe auch seine berufliche Zukunft "auf der Kippe", sagte der immer noch krankgeschriebene Geschädigte.

Die Nebenklagevertreterin, Rechtsanwältin Andrea Schilling, machte darauf aufmerksam, dass die beiden Angeklagten die einzelnen Geschehnisse der Tatnacht der Polizei gegenüber zum Teil anders darstellten als sie es in der öffentlichen Hauptverhandlung taten. Amtsgerichtsdirektor Stefan Fundel stellte im weiteren Verlauf der Verhandlung dann aber fest, dass auch der Geschädigte, der am Dienstagnachmittag als Zeuge aussagte, die Dinge teils etwas anders darstellte, als er es der Polizei gegenüber tat.

Ob das womöglich daran lag, dass jedenfalls zwei der drei Beteiligten in der Nacht stark alkoholisiert waren? "Er war hackezu", erinnerte sich der 35-Jährige an die körperlich-geistige Verfassung des Geschädigten, der das nicht abstritt. Neben Bier habe der Geschädigte auch "ein paar Schnäpschen" getrunken, wie er selbst gestand. Auch stritt der 35-Jährige nicht ab, dass auch er in jener Oktobernacht stark alkoholisiert gewesen sei: "Ich hatte so sechs oder sieben Bier getrunken." Lediglich der 34-jährige Angeklagte gab an, in jener Nacht nicht viel getrunken zu haben: "Ich musste am nächsten Morgen zur Arbeit."

"Ist schwierig, hier klare Ergebnisse zu finden"

"Es ist schwierig, hier klare Ergebnisse zu finden", stellte Richter Fundel fest. Eine strafbare Handlung seitens des 34-jährigen Angeklagten konnte der Amtsgerichtsdirektor nicht erkennen, weshalb dieser freigesprochen wurde. Etwas anders sah es beim zweiten Angeklagten aus. Gegen ihn stellte das Gericht das Verfahren lediglich vorläufig ein. Endgültig eingestellt werde das Verfahren gegen den 35-Jährigen nur für den Fall, dass er bis zum 15. Juli einen Einmalbetrag in Höhe von 2000 Euro "als anteilige Schadenswiedergutmachung" an den Geschädigten überweist, wie Richter Fundel ausführte. Alle Beteiligten zeigten sich mit dem gefundenen Kompromiss einverstanden.

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