Amanda Knox, fotografiert bei ihrer Ankunft am Florenzer Gericht. Foto: AFP/TIZIANA FABI

Amanda Knox ist in einem neu aufgerollten Verleumdungsprozess erneut schuldig gesprochen. Im selben Gericht war sie zuvor 2014 wegen Mordes verurteilt worden. Letzteres Urteil wurde aber aufgehoben.

Die US-Bürgerin Amanda Knox, die im Zusammenhang mit einem Mordfall in Italien vor Jahren für Schlagzeilen sorgte, ist am Mittwoch erneut der Verleumdung schuldig gesprochen worden. Ein Gericht in Florenz bestätigte in einem neu aufgerollten Verfahren im Beisein von Knox die frühere Verurteilung zu einer Haftstrafe. In dem Verfahren ging es nicht direkt um den Mordfall von 2007, in dem Knox letztlich freigesprochen worden war, sondern um die fälschliche Anschuldigung eines Barbesitzers.

Knox, die 2015 endgültig freigesprochen worden war, hatte am Montag im Onlinedienst X erklärt: „Ich hoffe, meinen Namen ein für alle Mal von den falschen Anschuldigungen gegen mich reinzuwaschen“. Sie werde am Mittwoch in denselben Gerichtssaal gehen, in dem sie „wegen eines Verbrechens, das ich nicht begangen habe“, verurteilt worden sei, erklärte die inzwischen 36-Jährige.

Die US-Bürgerin Knox will zu ihrer Verteidigung das Wort ergreifen, anschließend erwarten ihre Anwälte eine Entscheidung. Beide Seiten könnten gegen das Urteil Widerspruch einlegen.

Der Engel mit den Eisaugen

Knox’ Mitbewohnerin in der italienischen Stadt Perugia war am 2. November 2007 halbnackt und mit durchgeschnittener Kehle in der gemeinsamen Wohnung entdeckt worden. Die Leiche der Britin Meredith Kercher wies 47 Messerstiche auf, die Studentin war zudem vergewaltigt worden. Der Fall sorgte weltweit für großes Interesse.

Knox und ihr früherer italienischer Freund Raffaele Sollecito wurden 2009 in erster Instanz zu 26, beziehungsweise 25 Jahren Haft verurteilt. Nach einem jahrelangen juristischen Tauziehen sprach das oberste italienische Gericht die beiden 2015 wegen schlampiger Ermittlungen in dem Fall endgültig frei. Knox, die von Medien als „Engel mit den Eisaugen“ tituliert wurde, saß vier Jahre in Italien im Gefängnis, bevor sie in die USA zurückkehren konnte.

Vorwurf der Verleumdung gegen Knox

Bei dem jetzigen Verfahren geht es nicht um den Mord direkt. Verhandelt wird vielmehr darüber, dass Knox fälschlicherweise den kongolesischen Barbesitzer Patrick Lumumba des Mordes an Kercher beschuldigt hatte. Dafür war sie 2011 wegen Verleumdung zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Dieses Urteil wurde aber im Oktober vergangenen Jahres von Italiens Obersten Gericht einkassiert und eine Neuverhandlung in Florenz angesetzt. Die bisherigen Gerichtstermine fanden in Abwesenheit von Knox statt.

Der einzig rechtskräftig Verurteilte wegen des Mordes an Meredith Kercher ist der Ivorer Rudy Guédé, dessen DNA am Tatort in Perugia gefunden worden war. Er wurde wenige Wochen nach dem Mord in Deutschland festgenommen und im Oktober 2008 in Italien wegen Mordes und sexueller Misshandlung zu 30 Jahren Haft verurteilt. Im Berufungsverfahren wurde das Strafmaß im Dezember 2009 auf 16 Jahre gesenkt. Im November 2021 kam er vorzeitig frei.