Unter Medienansturm ist der Prozess gegen Christina Block und Gerhard Delling eröffnet worden. Die Hintergründe sind komplex: Auch Ex-Mann Stephan Hensel wird beschuldigt.
Wie der Prozess auch ausgehen wird, der mit 37 Verhandlungstagen angesetzt ist bis 23. Dezember, es gilt bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung, aber was die Staatsanwaltschaft auf 148 Seiten in ihrer Anklageschrift formuliert hat, das ist starker Tobak.
Gegen 9 Uhr betrat Christine Block das Gericht durchs Hauptportal, sie wirkte gefasst und strahlte Souveränität aus, in fünf Meter Abstand folgte ihr Gerhard Delling in Begleitung seines Anwalts.Wenig später traf auch der Kindesvater, Stephan Hensel, ein.
Christina Block und Gerhard Delling auf der Anklagebank
Christina Block (52), gelernte Hotelfachfrau und Business-School-Absolventin, und vor allem die Tochter des Restaurant-Königs Eugen Block (84), Herr über 68 Steak-Restaurants und 560 Hotelbetten („Grand Elysee“ in Hamburg) sitzt mit ihrem Lebensgefährten, dem früheren Sportmoderator und Günter-Netzer-Freund Gerhard Delling (66) sowie fünf weiteren Tatverdächtigen auf der Anklagebank im holzgetäfelten Saal 237 des Hamburger Landgerichts.
Es ist der sogenannte Sicherheitssaal mit 120 Plätzen, wo auch spektakuläre Prozesse wie gegen den 9-11-Terroristen Al-Motassadeq oder den gegen einen früheren Wachmann des Konzentrationslagers Stutthoff stattfanden – jetzt sind 100 Journalisten akkreditiert.
Verzweiflungstat von Christina Block?
Christina Block soll nach einem jahrelangen Streit um die Kinder mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel (51) offenbar eine Verzweiflungstat verübt haben: Die Entführung ihrer zwei jüngsten Kindern T. und K. (elf und 14) am Neujahrstag 2024 durch eine vermummte Security-Truppe von ihrem Wohnort beim Vater im dänischen Ort Grasten (Gravenstein) soll sie beauftragt haben .
Entführung im Wohnmobil nach Baden-Württemberg
Die Kinder durchlitten dabei die Qual einer Odyssee, die über die Grenze, einen Bauernhof in Mühlacker (Enzkreis) und dann nach Hamburg führte. Ihnen wurden die Münder mit Tape verklebt, das 14-jährige Mädchen soll Schürfwunden an den Beinen und Hämatome am Arm erlitten haben und will laut Medienberichten im Prozess gegen die eigene Mutter aussagen. Sie und ihr Vater treten als Nebenkläger auf, aber ob das Gericht sie überhaupt anhört, ist offen.
Block-Kinder zuvor nach Dänemark entführt
In diesem jahrelangen Tauziehen um die Kinder – die Trennung war schon 2014 nach neun Ehejahren - wähnte sich Christina Block zunächst auf der sicheren Seite. Denn nachdem der Vater im August 2021 nach einem der regelmäßigen Wochenendaufenhalte bei ihm die Kinder entgegen der Vereinbarung nicht nach Hamburg zur Mutter zurück geschickt hatte, sondern einfach in Dänemark behielt, erstritt Christina Block vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht wenig später einen Beschluss, wonach beide Eltern das Sorgerecht hätten, sie allein aber das Aufenthaltsbestimmungsrecht besitze.
Das Problem allerdings: die dänische Justiz erkannte diese Entscheidung nicht an. Der Vater behielt die Kinder. Und Christina Block startete – glaubt man der Staatsanwaltschaft - einen Feldzug der Selbstjustiz in Kohlhaas’scher Manier, um ihr „deutsches“ Recht durchzusetzen.
Entführungspläne mit Mossad-Agenten?
Laut Anklageschrift soll sie Kinder und Ex-Ehemann in Grasten durch Privatdetektive observiert haben, sie soll bereits zwei Entführungsvorhaben geplant haben. Bei einem davon, der Verbringung der Kinder mit einem Boot über die Flensburger Förde, soll ihr der Chef einer Sicherheitsfirma aus Appen (Kreis Pinneberg) wegen fehlender Legitimität jedoch abgeraten haben – er ist als Zeuge geladen.
Ein zweiter Verschleppungsversuch im November 2022 soll gescheitert sein, weil Hensel davon Wind bekam. Die Kinder, auf denen wohl die höchste Belastung in diesem Elternstreit liegen, sind mit Notfallsendern ausgestattet worden.
Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma soll Block wochenlang kostenfrei im Hotel „Grand Elysee“ wohnen haben lassen, wo sie die Aktion vorbereitet haben. Begleitet worden sind die Heimholungsversuche der Mutter von juristischen Rückschlägen.
Gezerre um gestresste Block-Kinder
Ein Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts – das zunächst noch für die Mutterseite plädiert hatte – ordnete kurz nach dem Kidnapping am 5. Januar 2024 die sofortige Rückführung der Kinder zum Vater nach Dänemark an und sagte, für alle weiteren Entscheidungen seien dänische Gerichte zuständig, denn entscheidend sei der Lebensort der Kinder, dort wo sie sich eingelebt haben, wo ihr soziales Umfeld ist und wo sie sich wohlfühlen. Nach gut zwei Jahren in Dänemark war das nun mal Grasten.
Mit einer Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gegen diesen Beschluss scheiterte Christina Block im Mai 2025, und mittlerweile hat ein dänisches Gericht dem Vater das alleinige Sorgerecht zugesprochen.
Dass die gestressten Kinder inzwischen längst in einer Stadt in Dänemark unter falschem Namen leben – das ist aus den Urteilen nicht ablesbar. Die einst zur High Society in Hamburg zählende Christina Block – deren Schicksal von der Boulevardpresse in Hamburg lange sehr einseitig zu ihren Gunsten medial begleitet worden ist - droht im Falle einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe, von vier bis fünf Jahren ist die Rede, maximal zehn.
Block-Anwalt mitangeklagt
Ihre Mitangeklagten sind neben Delling, der den Transport nach Baden-Württemberg eingefädelt haben soll und Helfer oder gar Mittäter sein könnte, ein Anwalt (63) aus dem Umfeld der Familie Block und vier weitere: Ein Israeli (35), der in Untersuchungshaft sitzt und in Zypern verhaftet worden sein soll, ein Unternehmer sowie zwei andere Personen. Nach sechs Personen fahndet die Staatsanwaltschaft noch.
Block-Rücktritt im Tourismusverband
Christina Block, die einmal als Wirtschaftsexpertin für den Hamburger CDU-Spitzenkandidaten Marcus Weinberg in sein Kompetenzteam geholt worden ist, hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, ihr Amt als stellvertretende Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg ruhen zu lassen. Den Rest des Jahres wird sie sich verteidigen müssen.
Block-Ehemann Hensel ebenfalls beschuldigt
Ihr Ex-Ehemann tritt zwar als Nebenkläger auf, er ist juristisch gesehen aber selbst unter Druck, es läuft ein Verfahren gegen ihn anhängig wegen des Verdachts der Kindesentziehung, weil er 2021 die Kinder einfach in Dänemark behielt. Und ein dritter juristischer Schauplatz könnte sich auftun: Ermittelt wird auch, ob Block versucht hat, gegen Stephan Hensel im Internet Vorwürfe der Pädophilie zu streuen. Das Familiendrama der Blocks ist jetzt fest im Griff der Justiz.