Der Nachwuchs der Weilheimer Störche wird in diesem Jahr nicht beringt - und was nächstes Jahr sein wird, weiß noch niemand. Foto: Moser

Erhaben thronen die Weilheimer Störche in ihrem Nest auf dem Kirchturm über der Ortschaft – und ziehen viele Blicke auf sich. Auch den von Hartmut Polet, der sich für eine Beringung des Nachwuchses einsetzt. Bislang aber ohne Erfolg. Jetzt hofft er auf 2022.

Hechingen-Weilheim - Bei gutem Wetter ist Hartmut Polet aus Sulz, ehrenamtlicher Storchenbetreuer, unterwegs, um in den Storchennestern in der Region nach dem Rechten zu sehen. Auch in Weilheim hat er dabei in diesem Frühjahr immer wieder Station gemacht. Er ist mit der Stellung der Störche in Weilheim unzufrieden – doch die Stadt sieht das anders.

Was gibt es Neues bei den Weilheimer Störchen?

Die beiden Altstörche, die in Weilheim nisten, haben Nachwuchs bekommen. Zuerst waren es drei Storchenbabys, berichtet Polet. Doch den regnerischen Mai haben nicht alle von ihnen überlebt. Zuletzt hatte Polet durch sein Spektiv zwei Schnäbel im Nest beobachten können. Zwischenzeitlich war für einige Tage sogar nur ein Jungstorch zu sehen gewesen. Dass Jungstörche bei kaltem und regnerischem Wetter nicht überleben, ist laut Polet übrigens keine Seltenheit. In einigen der anderen Nester, auf die der Sulzer ein Auge hat, hatte sogar nicht ein einziger Jungstorch überlebt.

In Weilheim stehen die Chancen der beiden verbliebenen Storchenkinder hingegen gut, was Polet freut. Weniger Grund zur Freude hat er aber, wenn es um das Thema Beringung der Jungstörche geht. Denn eine solche wünscht er sich. Doch zumindest in diesem Jahr wird es nichts

Warum würde eine Beringung überhaupt Sinn machen?

Bei einer Storchen-Beringung wird Jungstörchen ein kleiner Ring um das Bein gelegt. Dieser kann dem Vogel eindeutig zugeordnet werden und hilft Forschern, Daten beispielsweise über seinen Aufenthaltsort und seinen Zustand zu sammeln. Bei einigen beringten Störchen besteht zudem die Möglichkeit, ihre Flugbewegungen über die App "Animal Tracker" des Max-Planck-Instituts zu verfolgen.

Wie würde eine solche Beringung ablaufen?

Beringt werden können in der Regel nur Jungstörche zwischen ihrer fünften und siebten Lebenswoche. Denn in dieser Zeit fallen sie, wenn sich etwas dem Nest nähert in eine Art Schockstarre. "Die alten Störche fliegen weg, und man kann dann die Ringe bei den Jungtieren anbringen", erklärt Polet das Prozedere. Würde man bei älteren Jungstörchen eine Beringung versuchen, bestünde die Gefahr, dass sie – weil sie nicht mehr in die Schockstarre fallen – beim Fluchtversuch aus dem Nest springen. In Weilheim hätte Ute Reinhardt, die Storchenbeauftragte des Landes, die Beringung durchführen können, meint Polet.

Problematisch ist bei solchen Beringungs-Aktionen oft die Frage, wie man an die teils hoch gelegenen Nester kommt – so auch in Weilheim. Polet hatte dafür ein Angebot für die Anmietung einer speziellen Hebebühne eingeholt, die es möglich machen würde, die Störche auf der Kirchturmspitze zu erreichen.

Auch unabhängig von der Beringung hält Polet es für sinnvoll, dass das Storchennest erreicht werden kann. Warum?

Eigentlich sollte ein Storchennest etwa einmal jährlich gereinigt werden, meint Polet. Denn die Störche würden auf der Suche nach Baumaterialien immer wieder auch Plastik-Stücke in das Nest bringen. Hieraus ergeben sich im wesentlichen zwei Gefahren: Einerseits können die Storchenbabys an Plastikteilen, die sie im Nest finden, ersticken. Andererseits sorgen Plastikstücke im Nest dafür, dass die Wasserdurchlässigkeit desselben schlechter und schlechter wird. Bei starken Regenfällen können die Jungstörche dann im Nest ertrinken. Auch die Statik des Nestes sollte regelmäßig überprüft werden, betont Polet.

Wieso kommt die Beringung in diesem Jahr nicht zustande?

Nicht aus mangelndem Interesse der Stadt Hechingen oder des Stadtteils Weilheim an den Störchen, betont Thomas Jauch, städtischer Pressesprecher, auf Anfrage des Schwarzwälder Boten. Er führt zwei Gründe an. Zum einen müsste das Spezialfahrzeug mit der Hebebühne, um den Kirchturm zu erreichen, diverse Privatgrundstücke passieren. Das sei momentan schlicht nicht möglich. Und auch die Kosten sind ein Problem: In der Schätzung, die Polet der Stadt zukommen hat lassen, seien diese recht hoch, meint Jauch. Dieses Geld, betont der Pressesprecher, das nicht im Haushaltsplan stehe, "kann man auch nicht einfach ausgeben".

Wie sieht die Perspektive für das nächste Jahr aus?

Dann vielleicht 2022? Darauf hofft zumindest Polet. Doch ein abschließendes Ja oder Nein gibt es von der Stadt auf diese Frage noch nicht. "Was dann nächstes Jahr ist, wird man nächstes Jahr sehen", sagt Jauch – und gibt zu bedenken, dass ja ohnehin noch nicht klar sei, ob die Störche auch 2022 wieder in das Weilheimer Nest zurückkehren und ob es wieder Storchenbabys gibt. Das alles müsse sich erst zeigen.

Also alles noch nicht so sicher. Aber zumindest über eines dürften sich Storchen-Freunde in und um Weilheim freuen: Die Ortschaft wird voraussichtlich schon bald ihren eigenen Storchenbeauftragten haben. Wie Jauch von der Stadt erzählt, will Weilheims Ortsvorsteher Gerd Eberwein eine Ausbildung zum Storchenbetreuer machen. Diese solle wohl im Herbst dieses Jahres beginnen. Zudem stehe man im regelmäßigen Austausch mit der Storchenbeauftragten Reinhardt. Pressesprecher Jauch ist sich deshalb sicher: "Um die Störche in Weilheim wird sich gekümmert. Sie liegen uns sehr am Herzen."