Eine Quartierslösung wird es im Hinblick auf die Wärmeversorgung des Maute-Areals nicht geben. Das hat der Gemeinderat beschlossen, aber erledigt ist das Thema noch nicht.
Erst hatte die EnBW Hoffnungen auf Investitionen ins Nahwärmenetz auf dem Maute-Areal gemacht, dann ließ der Energiekonzern die Gemeinde zappeln und kurz vor Torschluss kam die Absage – so wäre die Lage in wenigen Worten beschrieben.
Damit ist es aber nicht getan. „Ich bin stinke stinke sauer“, poltert Gemeinderat Konrad Flegr bei der Sitzung des Gremiums am Dienstagabend. „Verlässlichkeit: mangelhaft, Kommunikation: ungenügend. Der Schüler wird nicht versetzt“, würde Flegr der EnBW ins Zeugnis schreiben, so er denn könnte.
Der Energiekonzert EnBW gilt bisher landauf landab als verlässlicher Partner für Kommunen. Diese Haltung ist sicher auch darin begründet, dass die EnBW im Wesentlichen dem Land Baden-Württemberg und den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken (OEW) gehört. An den OEW sind wiederum neun Landkreise beteiligt, unter anderem der Zollernalbkreis.
Plötzlicher Rückzug aus beispielhaftem Projekt
Die Enttäuschung wiegt gerade deshalb umso größer. Vor diesem Hintergrund sagt Bürgermeister Roman Waizenegger über die EnBW: „Wir haben uns darauf verlassen und wurden verlassen.“ Und Konrad Flegr zeigte sich umso irritierter, weil die EnBW doch eigentlich ein Konzern in öffentlicher Hand ist, der sich nun jedoch aus einem nachhaltigen Projekt mit beispielhaftem Charakter ad hoc zurückgezogen hat.
Dass dies nicht mit den politischen Zielen im Hinblick auf Energie- und Wärmewende vereinbar ist, machte Roman Waizenegger deutlich. Bund und Land proklamierten die Wärmewende, und nun macht die EnBW einen Rückzieher, die noch im Mai die Wirtschaftlichkeit eines kalten Nahwärmenetzes auf dem Maute-Areal belegt sah.
Waizenegger spricht von „maximaler Enttäuschung“
Waizenegger gab sich diplomatisch, sprach aber auch von „maximaler Enttäuschung“. In der Waagschale liegen dabei auch die Investitionen, die per Gemeinderatsbeschluss bereits in der Vergangenheit für das Wärmekonzept ausgegeben wurden und bei 153 000 Euro (abzüglich Förderung) liegen. Waizenegger: „Das ist maximal ärgerlich, ich bin relativ frustriert.“
Flegr regte derweil an, eine „öffentliche Protestnote“ an die EnBW-Konzernspitze zu schicken. Applaus tönt im Gremium für diesen Vorschlag. „Eine Protestnote ist absolut angemessen“, bewertete Waizenegger. Es muss „im Konzern nach oben kommuniziert werden, wie man mit verlässlichen Partnern umgeht“.
Weil sich die Lage nicht ändern lässt, ging es am Dienstagabend auch um Zweckoptimismus. Auf der Haben-Seite kann man verbuchen, dass in sämtlichen Bereichen des Maute-Areals hochwertige Projekte geplant sind. „Dieses zarte Pflänzchen dürfen wir nicht abwürgen“, riet Waizenegger auch im Hinblick auf die aktuelle Lage in der Baubranche.
Zentrales Wärmenetz wird nicht weiterverfolgt
Die Investoren seien „nicht zwingend unglücklich“ über die Veränderung: Sie können nun weiterplanen, Kosten und Preise kalkulieren ohne eigens auf die EnBW warten zu müssen. Gemeinderat Volker Büschgen stimmt zu: „Das sehe ich als großen Vorteil.“ Wie Waizenegger sagte, sei das Grundstück für die Energiezentrale schon gekauft, es sei aber „nicht verloren“. Nun ist der Blick von der Bahnlinie auf den Quartiersplatz immerhin wieder frei.
Die Gemeinde habe zwar nach einem Ersatz-Investor für die EnBW gesucht, aber keinen gefunden. Eine erneute Ausschreibung des Betreibers hätte die Bebauung verzögert – und die Investoren womöglich vor den Kopf gestoßen. Der Gemeinderat hat deshalb das einstimmig entschieden, was in diesem Fall alternativlos ist: Das zentrale Wärmenetz wird nicht weiterverfolgt.
Waizenegger: „Wir beerdigen die Quartierslösung und gehen auf Einzellösungen“ (bei der Wärmeversorgung). Diese seien, so Waizenegger, „nicht minder-nachhaltig“, aber ein kaltes Nahwärmenetz wird es nicht geben.
„Ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll“
Kein Interesse mehr
Der Plan war einfach, die Kostenverteilung war geregelt, Studien und Probebohrungen zeigten: Ein zentrales Wärmenetz funktioniert wirtschaftlich. Als Betreiber war bisher die EnBW vorgesehen. Im Juli hat der Gemeinderat folgerichtig beschlossen, einen Vertrag mit der EnBW als künftige Betreiberin des Nahwärmenetzes zu schließen. Danach hat der Konzern die Aufnahme der Verhandlungen verschoben, bis am 25. November 2025 feststand: Die EnBW hat (laut Sitzungsvorlage) „kein Interesse mehr“, das Energiekonzept mit der Gemeinde Bisingen umzusetzen. Die EnBW wurde bereits 2023 beauftragt, ein Konzept für ein Nahwärmenetz auf dem Maute-Areal zu erstellten. Im nächsten Schritt ging es darum, dieses Konzept umzusetzen.
Viele Vorteile
In der Sitzung des Gemeinderats vom Mai 2025 haben Vertreter der EnBW ausführlich die Vorteile einer Quartierslösung dargelegt. Diese sei „ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll“, hieß es damals noch von der EnBW.