WKK-Verbandsdirektor Thomas Haas, Geschäftsführer Maik Zinser und Landtagsabgeordneter Daniel Karrais (FDP) auf dem Damm der Talsperre Kleine Kinzig, die 350 000 Haushalte mit Trinkwasser versorgt. Wie heikel sind die geplanten Windräder für diese? Foto: Jürgen Lück

Der Zweckverband WKK versorgt 350 000 Haushalte in der Region mit Trinkwasser. Verbandsdirektor Thomas Haas wehrt sich jetzt gegen geplante Windräder.

Könnte der geplante Loßburger Windpark das Trinkwasser von 350 000 Haushalten von Nagold, Horb bis Rottweil, zwischen Offenburg und Villingendorf gefährden? Der Trinkwasser-Produzent mit Sitz in Alpirsbach will sich jetzt mit allen Mitteln dagegen wehren.

 

Thomas Haas. Verbandsdirektor des Zweckverbands Kleine Kinzig. Chef der einzigen Trinkwasser-Talsperre des Landes. Im Betrieb spricht er mit Vertretern der BUND-Ortsgruppen aus dem ganzen Region. Auch dabei: Landtagsabgeordneter Daniel Karrais (FDP), der sich schon für eine Garantie der Trinkwasserversorgung ausgesprochen hatte.

Ruhig und bedächtig sagt Haas: „Mit dem Loßburger Windpark sind drei Windräder direkt am Hang zum Trinkwasserspeicher mit bis zu zwölf Millionen Kubikmeter geplant. Wenn eines brennt und etwas abfackelt, dann fließt das Öl direkt in das Wasser. Wir bereiten das Trinkwasser auf – aber damit kommen wir nicht zurecht.“

Die Talsperre der WKK. Hinten rechts sollen drei Windräder am Hang gebaut werden. Gefährden sie das Trinkwasser von 350000 Haushalten der ganzen Region? Foto: Jürgen Lück

Hans Gerd Michel, Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Oberes Kinzigtal: „Es gibt auch Windkraftanlagen ohne Öl. Dafür ist auch die Isolationsflüssigkeit ein Problem – wegen der Ewigkeitschemikalien.“ Erst Anfang November hatte der BUND in Deutschland 46 Trinkwasserproben untersuchen lassen. Ergebnis: In 42 sind Ewigkeitschemikalien PFAS enthalten.

WKK: „Wir kämpfen für unser Interesse“

Haas weiter: „Die Eintrittswahrscheinlichkeit mag nicht sehr hoch sein. Das Schadensrisiko ist aber immens hoch.“ Sechs bis acht Stunden hätte man noch Reserve, dann müsste die Trinkwasserversorgung eingestellt werden.

Deshalb will sich die WKK dagegen wehren. Haas: „Wir kämpfen für unser Interesse. Wir haben ein eigenes hydrologisches Gutachten in Auftrag gegeben.“ Geschäftsführer Maik Zinser: „Wir werden auch den Antrag stellen, die Wasserschutzzone an der Talsperre neu zu definieren.“

Schützt die Wasserschutzzone das Trinkwasser richtig?

Denn: Die geplante Windräder liegen in der jetzigen Wasserschutzzone 3. Dort dürfen laut den Rahmenrichtlinien des Landes theoretisch Windräder gebaut werden. In Zone 2 nicht. Das Problem, so Zinser: „Die Wasserschutzzone 2 ist nicht bis zur Wasserscheide ausgewiesen. Das ist der ‚Bergrücken‘. Alles, was vor dem Bergrücken abwärts zur Talsperre geht, müsste eigentlich frei von Windkraftanlagen sein.“

Die BUND-Ortsgruppen aus der ganzen Region kämpfen für sauberes Trinkwasser aus der Kinzigtal-Talsperre. Foto: Jürgen Lück

Zinser: „Was hier passiert, fließt ins Tal runter.“ Weil der Waldboden das Wasser auch unterirdisch weiterleitet, sei hier das Schadensrisiko durch Windkraft besonders groß. „Wir haben unten im Tal mal die Leitungen neu machen müssen. Dabei ist das Wasser von den Waldhängen so raus geschossen, dass wir dachten, das ist ein Rohrbruch.“

WKK: Jeder gerodete Hektar ist schädlich für Wasserversorgung

Hans Kurt Rennig vom BUND Schenkenzell: „Es ist dringend geboten, die Wasserschutzzone unter Berücksichtigung der Windkraftanlagen neu zu definieren.“

Landtagsabgeordneter Daniel Karrais (FDP) fordert eine Garantie für die Trinkwasserversorgung. Foto: Jürgen Lück

Ein Kollege betont, dass bei den Planierungsarbeiten für jede Windkraftanlage auch die Wasserleitfähigkeit des Waldbodens massiv geschädigt wird. Geschäftsführer Zinser: „Jeder gerodete Hektar im Einzugsgebiet der Talsperre ist für unsere Wasserversorgung schädlich.“

Landtagsabgeordneter fordert genaue Prüfung

Der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais (FDP) hatte nach dem offenen Brief von Haas, Freudenstadts OB Adrian Sonder (CDU) und Bürgermeister Peter Schumacher (Dunningen) interveniert. Jetzt ist er auch an der Talsperre dabei und sagt: „Nach den geltenden Richtlinien darf die höhere Ebene den Bau in Wasserschutzzone 3 grundsätzlich erlauben. Aber hier an der Kinzigtalsperre geht es um Fläche, da sollte man genau hinschauen. Für diese Wasserversorgung gibt es keine Rückfallebene.“

Karrais will jetzt erreichen, dass sich die oberen Behörden genau mit dieser Problematik auseinander setzen.