Ein Windpark ist bei Villingen geplant. (Symbolfoto) Foto: © engel.ac – stock.adobe.com

Warum macht es Sinn, nicht eine Windkraftanlage alleine laufen zu lassen? Und warum sollte man bei Maßnahmen zur Energiewende nicht „übers Ziel hinaus schießen“? Das ist ein Thema für die Netze BW, einem Unternehmen der ENBW AG.

Wenn es um den geplanten Windpark im Westen des Neuhäuslewaldes bei Villingen geht, dann können nicht nur Auerhähne- und hühner dazwischenfunken.

 

Was muss technisch im VS-Wald passieren, damit die Mega-Anlage spannungsfrei läuft. Sonja Marin Casanova, Expertin für Systemplanung Strom bei der Netze BW, schaut sich das Projekt näher an.

Welche Vorbereitungen müssen netzseitig getroffen werden, um den geplanten Windpark in VS ins bestehende Verteilnetz zu integrieren?

Zuerst benötigen wir genaue Informationen wie Leistung und konkreter Standort zum Vorhaben. Diese werden an uns in Form einer Netzanschlussanfrage gesendet. Im Gebiet um Villingen-Schwenningen gibt es aktuell solche Anfragen. Mit diesen Informationen ermitteln wir dann – wie im Energiewirtschaftsgesetz geregelt – den volkswirtschaftlich optimalen Anschlusspunkt. Dann wird geprüft, ob im Netz ausreichend Reserven vorhanden sind, um die gewünschte Einspeise-Leistung ohne Verstärkungsmaßnahme aufnehmen zu können.

Kann man einen Windkraftanlagen-Park oder einen Solarpark einfach so ins bestehende Netz integrieren?

Je nach angefragter Leistung und der individuellen Auslastung des Netzes vor Ort kann es sein, dass die Anlage direkt integriert werden kann oder aber ein Netzausbau zur Verstärkung geplant und durchgeführt werden muss. Dabei muss zwischen unterschiedlichen Last- und Einspeise-Situationen unterschieden werden. Wir müssen schließlich sicherstellen, dass das Netz in allen möglichen Konstellationen von Verbrauch und Erzeugung stabil und sicher betrieben werden kann.

Welchen Herausforderungen stehen die Netze BW bei diesem Projekt gegenüber?

Das wird erst klar, wenn konkrete Informationen zum Projekt bekannt sind (Netzanschlussanfrage). Grundsätzlich haben wir, wie viele Netzbetreiber in Deutschland, alle Hände voll zu tun, um die Energiewende umzusetzen. Und auch am Markt sind die Kapazitäten für Material und Dienstleistungen aktuell knapp.

Über welche Kosten reden wir hier?

Je nachdem auf welcher Spannungsebene ein Anschluss realisiert wird, und je nachdem was verstärkt werden muss, sind die Kosten sehr unterschiedlich und variieren im fünf bis siebenstelligen Bereich.

Kann das Verteilnetz der Netze BW weitere Wind- und Solarparks in dieser Größe problemlos integrieren?

Wie oben schon ausgeführt, ist das je nach Standort sehr individuell zu beantworten. Wir verstehen uns als wichtigen Wegbereiter der Energiewende. Es wird jedoch Fälle geben, in denen wir die nötigen Verstärkungsmaßnahmen nicht zum gewünschten Zeitpunkt realisieren können.

Hat das Verteilnetz noch Kapazitäten oder muss es ausgebaut werden, hinken wir also beim Netzausbau hinterher? Wenn ja, über welchen Umfang reden wir hier in Baden-Württemberg?

Das Netz hat teilweise noch Kapazitäten, muss an anderen Stellen aber schon jetzt ausgebaut werden. Was aktuell geplant ist, zeigen wir öffentlich in unserem Netzausbauplan.

Sonja Marin Casanova Foto: Casanova

Anhand welcher Daten planen Sie den Ausbau?

Um sicherzustellen, dass sich unser Netz vorausschauend und bedarfsorientiert weiterentwickelt, führen wir unabhängig von konkreten Anfragen von Einspeisern regelmäßig Zielnetzberechnungen durch. Diese basieren auf Prognosen, wie sich Verbrauch und Erzeugung zukünftig verändern werden und zeigen welchen Maßnahmen nötig werden und planen diese ein. Wichtig ist hier auch nicht „übers Ziel hinauszuschießen“. Denn die Ausbaukosten müssen über die Netzentgelte auf alle Verbraucher umgelegt werden.

Ist es wirtschaftlich effizienter, wenn die Netze BW gleich mehrere Windparks in einer Region „gesammelt“ ans Netz bringen?

Ja, grundsätzlich ist es effizienter und kostengünstiger zeitgleich größere Energieerzeugungsanlagen anzuschließen. Dies gilt sowohl für uns als auch für die Erzeuger. Wir unterstützen dies, indem wir benachbarte EEG-Projekte aufeinander aufmerksam machen und zusammenbringen.

Werden wir zukünftig ausschließlich „grünen Strom“ in unseren Verteilnetzen haben?

Hierzu haben sich alle Netzbetreiber Deutschlands und die Bundesnetzagentur im Netzentwicklungsplan auf ein gemeinsames Bild verständigt. Die Szenarien im Netzentwicklungsplan gehen davon aus, dass etwa 2040 CO2-Neutralität erreicht wird. Die Annahmen übernehmen wir auch für die vorausschauende Ausbauplanung im Verteilnetz.