Die Sanierung der Lange Straße ist erst der Anfang. Was die Stadt Balingen und Landkreis und Bund planen, wo es Einschränkungen für Autofahrer gibt.
Einer von vier Abschnitten ist bereits saniert. Das nahm Balingens Tiefbauamtschef Volker Mutscheller bei der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwochabend vorweg. Aufatmen ist dennoch nicht angesagt. Überhaupt: Ihn und sein Team dürfte in den kommenden Monaten kaum jemand beneiden. Denn vor den Mitarbeitern des Balinger Tiefbauamts liegt ein arbeitsreiches Jahr – eine Verschnaufpause ist nicht in Sicht.
Betroffen ist die Lange Straße im Stadtteil Endingen. Im Abschnitt zwischen der Einmündung Wasserwiesen und der Kreuzung am Bauhaus mit der Abfahrt zur B 27 sei die Fahrbahn in einem schlechten Zustand, so Mutscheller. Risse, Schäden und Abnutzungen prägen das Bild – eine einfache Reparatur reiche hier nicht mehr aus, bemerkte er. Deshalb sei eine grundhafte Sanierung notwendig. Damit die ansässigen Gewerbebetriebe während der Bauzeit weiterhin erreichbar bleiben, wird das Bauprojekt in insgesamt vier Abschnitte unterteilt. Mitte August will das Team mit den Arbeiten des zweiten Bauabschnitts beginnen.
Sanierung kostet 825.000 Euro
Die Bauarbeiten gehen dabei über die eigentliche Straßensanierung hinaus. Die Stadtwerke Balingen erneuern im Zuge der Sanierung die Wasserleitung und tauschen mehrere Hausanschlüsse aus. Zudem wird die Leitungsführung teilweise neu geordnet. Auf der Seite der Firmen Würth und Sport Paul entsteht im Gehweg eine neue Stromtrasse – und der Gehweg wird in diesem Bereich anschließend ebenfalls erneuert.
Die weiteren beiden Abschnitte sollen nach aktuellem Zeitplan bis Mitte 2027 beendet sein. 825.000 Euro wird die Sanierung die Stadt insgesamt kosten. Für den Abschnitt von der Kreuzung Abfahrt B27 bis zur Kreuzung Wasserwiesen werde zeitweise eine einseitige Sperrung notwendig sein, so Mutscheller. David Seeg (Freie Wähler) warf ein, dass viele Autofahrer sicher auf die Alte Balinger Straße ausweichen werden. Das sei eine „Durchflutsch-Möglichkeit“, die man bedenken müsse, bestätigte der Tiefbauamtsleiter.
Doch die Stadt Balingen ist nicht der einzige Bauherr auf weiter Flur. Denn das Regierungspräsidium plant ebenfalls eine Sanierung, gab der Leiter des Tiefbauamts zu bedenken. Auch die Auffahrtsrampe von der Kreuzung Lange Straße zur B 27 wird erneuert. Sie ist Teil der für dieses Jahr geplanten Fahrbahnsanierung der Bundesstraße, die vom Regierungspräsidium Tübingen umgesetzt wird. Die Kosten übernimmt der Bund. Auch die Auffahrtsrampe wird folglich zur Baustelle – das bedeutet Sperrungen und Konsequenzen für Autofahrer. Über alle geplanten Sanierungen für die kommenden fünf Jahre den Überblick zu behalten, sei herausfordernd, gab Mutscheller unumwunden zu. „Die Baumaßnahmen alle zu platzieren, ist schwierig.“
CDU-Fraktionssprecher Klaus Hahn fand klare Worte für die Sanierung, die das Regierungspräsidium Tübingen plant: „Da muss man sich wundern, wofür wir Geld ausgeben.“ Die Sanierung der maroden Brücke an der B463 sei viel notwendiger, dort sehe das Regierungspräsidium aber keinen dringenden Handlungsbedarf. „Da stellen sich mir die Nackenhaare auf. Das versteht auch der Bürger nicht, was da abgeht“, kritisierte Hahn.
Wo es Baustellen geben wird
Volker Mutscheller gab den Mitgliedern des Ausschusses schließlich einen Gesamtüberblick über die geplanten Bauarbeiten in Balingen. Der Plan sieht vor, im Mai die Verbindungsstraße zwischen Engstlatt und Auf Schmieden zu sanieren. Es folgt der Umbau in der Bahnhofstraße zu einem Kreisverkehr (wir berichteten). Zudem steht die Sanierung des Fahrbahnbelags auf der B27 an, was Auswirkungen auf die Lange Straße haben werde, zählte Mutscheller auf. Das Gewann Fürstäcker mit dem Zentralklinikumsbau zieht zahlreiche Baustellen nach sich. Etwa den Bau eines Kreisverkehrs an der L446/Ebinger Straße, der die Zufahrt zum Klinikgelände erleichtert. Verantwortlich dafür ist der Landkreis. Den Anschluss der L446 an die B463 erneuert wiederum das Regierungspräsidium.
Nicht zu vergessen die Tunnelbaustelle im Verlauf der B 463. Der Verkehr läuft noch immer durch die Laufener Ortsmitte, obwohl der Tunnel laut Zeitplan Ende Januar fertig sein und getestet werden sollte. Mittlerweile hat sich die zeitliche Angabe des Regierungspräsidiums auf April verschoben.
In drei Jahren steht außerdem die Sanierung der Eyachtalbrücke an. „Die Umleitung durch Frommern halte ich nach wie vor für unglücklich“, meldete sich Frommerns Ortsvorsteher Stephan Reuß zu Wort. Der Ortschaftsrat sei besorgt: Die Verkehrsführung werde eine sehr große Belastung, ist er sich sicher. Am Ende stimmten alle Ausschussmitglieder dem Baubeschluss zu.