Der Porsche 911 Carrera GTS Coupé ist das erste Auto dieser Baureihe mit Hybridtechnik. Die Batterien kommen von Varta. Foto: Porsche AG/koslowskiphoto

Der Stuttgarter Sportwagenhersteller hat gemeinsam mit Varta die Entwicklung neuer Batterien vorangetrieben – und will nun die Belieferung für ein wichtiges Modell absichern.

Der mögliche Einstieg von Porsche beim angeschlagenen Batteriehersteller Varta ist kein wolkiges Zukunftsprojekt mit ungewissen Aussichten. Für den Sportwagenhersteller geht es vielmehr um ein Produkt, das schon Serienreife hat – und nach längerer gemeinsamer Entwicklungszeit demnächst auf die Straße kommen wird.

 

Varta ist überschuldet und hat beim Amtsgericht Stuttgart ein Verfahren nach dem Unternehmensstabilisierungs- und restrukturierungsgesetz (StaRUG) angezeigt. Damit soll eine mögliche Insolvenz abgewendet werden. Alt-Aktionäre würden dabei leer ausgehen, Gläubiger sollen auf einen Großteil ihrer Ansprüche verzichten.

Es geht um noch mehr Leistung für den Porsche 911

Varta-Batterien liefern die Energie für eine neue Technik, mit der Porsches 911er erstmals einen Hybridmotor erhält. Was sich bei den Rennen in LeMans bewährt hat, soll als Carrera GTS Coupé von Ende 2024 an auch im Straßenverkehr verfügbar sein. Dabei geht es darum, dem 3,6-Liter-Boxermotor, der allein 485 PS mobilisieren kann, zusätzliche Power zu verleihen. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 312 Stundenkilometern angegeben, die Beschleunigung mit drei Sekunden von null auf hundert.

Der Porsche 911 GTS mit dem neu entwickelten Hybridantrieb Foto: Porsche AG

Es handle sich um ein Hybridsystem, das sich „in das Gesamtkonzept des 911 einfügt und die Performance deutlich steigert“, sagte Frank Moser, Leiter der Baureihe, bei der Vorstellung des Modells. Dabei werden sowohl der Antrieb selbst als auch der Turbolader elektrisch unterstützt. Die Varta-Batterie, nicht größer als eine herkömmliche 12-Volt-Starterbatterie, liefert dazu eine Spannung von 400 Volt und kann bis zu 1,9 Kilowattstunden Strom speichern.

Porsche hat Varta bereits in der Entwicklung der Batterie unterstützt und, wie zu hören ist, auch die Serienfertigung mit angeschoben. Nun geht es darum, die Lieferungen sicherzustellen. „Wir können bestätigen, dass Porsche in Verhandlungen steht. Im Kern geht es darum, über eine mögliche Kapitalerhöhung eine Mehrheitsbeteiligung an der V4Drive Battery GmbH einzugehen“, teilt das Unternehmen mit. In der genannten Gesellschaft habe Varta das Geschäft für die benötigten großformatigen Lithium-Ionen-Rundzellen gebündelt. Porsche habe das Ziel, „ diese Schlüsseltechnologie am Standort Deutschland zu erhalten“.

Dass der Stuttgarter Sportwagenhersteller die Mehrheit an der Hochvolt-Autobatteriesparte übernehmen will, ist bereits seit einigen Wochen bekannt. Nun aber könnte das Engagement noch umfangreicher werden: „Unter bestimmten Umständen könnten wir uns vorstellen, uns auch an einer finanziellen Neuaufstellung der Varta AG insgesamt zu beteiligen“, so Porsche weiter. Dabei geht es dem Vernehmen nach um eine Minderheitsbeteiligung neben strategischen Partnern, die bereit sind, die Konzernmutter auf Dauer zu tragen. Besiegelt sind beide Geschäfte noch nicht. Man befinde sich in Verhandlungen, lässt Porsche wissen.

Mit Cellforce will Porsche Batterien eines anderen Typs bauen

In der Sache ist der Einstieg bei Varta von den anderen Batterieplänen Porsches strikt zu unterscheiden. Während es dabei um die Hybrid-Technologie geht, will Porsche auch seine Aktivitäten für große Hochleistungsakkus ausweiten, wie sie in reinen Elektroautos benötigt werden – beispielsweise im Taycan, im neuen Macan sowie künftig in der Baureihe 718, zu der Boxster und Cayman gezählt werden. Porsche hat dazu die Cellforce Group übernommen, die nach einer gemeinsamen Entwicklungsphase mit dem Partner Customcells nun eine Pilotanlage in Kirchentellinsfurt bei Tübingen aufbaut.

Darüber hinaus hat Porsche geplant, auch eine Fabrik für die Großserienfertigung zu bauen. Dafür wurden bereits Standorte im In- und Ausland untersucht. Der gegenwärtige Einbruch der Nachfrage nach Elektroautos aber hat dazu geführt, dass sich das Unternehmen mit einer Entscheidung noch Zeit lässt. Zu den Optionen gehört dem Vernehmen nach auch, das Vorhaben nicht allein, sondern mit einem Technologiepartner anzugehen.