Das Böblinger Krankenhaus Foto: KVSW

Ursprünglich war geplant, dass die Geburtshilfe Leonberg erst nach Fertigstellung des Flugfeldklinikums im Jahr 2028 dorthin umzieht. Dass es anders kommt, hat personelle Gründe.

Der Aufsichtsrat des Klinikverbunds Südwest (KVSW), zu dem die Krankenhäuser in Calw und Nagold gehören, hat in einer Sondersitzung am 24. Februar beschlossen, die im Rahmen der Medizinkonzeption 2030 vorgesehene Verlagerung der stationären Geburtshilfe vom Krankenhaus Leonberg an den Standort Böblingen zeitlich vorzuziehen. Das teilte der KVSW am Mittwoch mit.

 

Ursprünglich war geplant gewesen, dass die Geburtshilfe Leonberg nach Fertigstellung des Flugfeldklinikums im Jahr 2028 dorthin umziehen sollte. Die Umsetzung erfolgt nun bereits zum 1. April dieses Jahres – also in knapp fünf Wochen.

„Wir sehen uns gezwungen, einen Baustein der Medizinkonzeption vorzuziehen“

Die operative Gynäkologie wird unter Führung des Teams der Böblinger Frauenklinik um Chefarzt Stefan Renner weiterbetrieben.

„Wir sehen uns gezwungen, mit dem früheren Umzug der Geburtshilfe von Leonberg nach Böblingen einen Baustein der Medizinkonzeption zeitlich vorzuziehen“, so der Böblinger Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikverbunds Südwest, Roland Bernhard.

Zeitlicher Auslöser sei der bevorstehende Weggang des Chefarztes Praski zum 31. März. Die Chefarztstelle sei ordnungsgemäß ausgeschrieben worden. „Das Verfahren hat jedoch gezeigt, wie schwierig es unter den gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen ist, eine tragfähige Nachbesetzung zu realisieren. Das ist bedauerlich, zwingt uns aber zu anderen Überlegungen. Vor den Hintergründen der personellen Stabilität, steigenden Qualitätsanforderungen und sinkenden Fallzahlen sind die bestehenden Strukturen so nicht zu sichern.“

„Unsere Verantwortung ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und aktiv zu steuern“

Die strukturellen und medizinischen Rahmenbedingungen entwickelten sich zunehmend schwierig. 2025 lag die Geburtshilfe in Leonberg mit 457 Geburten deutlich unter der allgemein anerkannten Schwelle von 500 Geburten pro Jahr. Diese Zahl markiert einen Qualitätsindikator, weil höhere Fallzahlen mit einer höheren Routine und Sicherheit gleichgesetzt werden.

„Die Personalie bestimmt den Zeitpunkt – die strukturellen und qualitativen Rahmenbedingungen bestimmen die Notwendigkeit dieser Entscheidung“, erklärt Alexander Schmidtke, Geschäftsführer des Klinikverbunds Südwest. „Dauerhaft niedrige Fallzahlen, zunehmende Abhängigkeit von Honorarkräften und steigende Anforderungen an Qualität und 24/7-Verfügbarkeit lassen sich auch durch eine erfolgreiche Nachbesetzung allein nicht lösen. Unsere Verantwortung ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und aktiv zu steuern. Qualität und Versorgungssicherheit haben immer oberste Priorität.“

In der Geburtshilfe sei nicht der Normalfall entscheidend, sondern der seltene, hochkritische Ausnahmefall, betont Renner, Chefarzt der Frauenklinik Böblingen und Sprecher des Fachzentrums Gynäkologie im Klinikverbund Südwest. Sicherheit entstehe durch Routine, eingespielte Teams sowie die Verfügbarkeit aller notwendigen Fachdisziplinen. Diese Voraussetzungen seien in Böblingen dauerhaft und in vollem Umfang gegeben.