Geothermie – ist ein Stichwort bei klimaschonendem Heizen. Dabei denken die meisten wohl an Wärmepumpen, die zur oberflächennahen Geothermie gehören. Es gibt jedoch auch die tiefe Geothermie – in Bad Dürrheim würde das allerdings schwierig.
Was ein Wärmenetz betrifft, hat sich in Bad Dürrheim Ernüchterung breit gemacht, eventuell ist noch im Bereich Wasserstein etwas möglich. Es gilt andere Heizquellen zu erschließen, die klimaneutral sind.
Manche setzen auf Geothermie, die hat allerdings ihre Tücken und die Bohrung birgt Gefahren. Und grundsätzlich steht zunächst die Frage im Raum: Was ist in Bad Dürrheim überhaupt erlaubt?
Die Tücken des Untergrunds
Aus der Geschichte der Saline weiß man, dass Bad Dürrheim teilweise zwar nicht auf Sand, aber auf Gipskeuper gebaut ist. Nach Angaben des Landesamtes für Geologie, Rohstoffe und Bergbau, Freiburg, liegt dieser sehr oberflächennah. Es gibt zudem Unterlagen im Landesarchiv Freiburg, um das Jahr 1800 herum verfasst, die dokumentieren, dass die Bauern beim Pflügen Gipsklumpen freilegten. Nicht zuletzt dies war ein Hinweis, dass es unter Bad Dürrheim einen Salzstollen geben könnte.
Was nun damals ein großer Segen war, ist heute – zumindest, was tiefe Geothermie angeht – ein Hindernis – und zwar ein großes.
Das Landesamt führt aus: Bad Dürrheim liegt in einem Gebiet, in dem Gesteine des Mittleren Keupers auftreten. Diese können Sulfatminerale wie Gips und Anhydrit sowie deren Auslaugungsprodukte enthalten.
Schwieriger Untergrund
Wichtige Sulfat führende Schichten im Mittleren Keuper sind die Mainhardt-, Steigerwald- und Grabfeld-Formation (früher „Gipskeuper“). Unterhalb des Mittleren Keupers befinden sich Gesteine des Unterkeupers und des Muschelkalks. Der Muschelkalk beherbergt bedeutende Karst- und Kluftgrundwasserleiter, insbesondere im Oberen Muschelkalk. Das Grundwasser im Muschelkalk wird sowohl von den Bad Dürrheimer Mineralquellen als auch vom Tuttlinger Thermalbad genutzt, zu deren Schutz Wasser- und Heilquellenschutzgebiete hydrogeologisch abgegrenzt wurden.
Karstabsenkung bekannt
Und auch die Karstabsenkungen sind in Bad Dürrheim nicht unbekannt, so mussten schon öfter Löcher unter Straßen aufgefüllt werden, und als vor Jahren der Anbau am Hotel Salinensee mit dem Schwimmbad errichtet wurde, stellte sich auch bei diesem heraus, dass es Karsthohlräume darunter gab.
Bei der Nutzung von Geothermie unterscheidet man generell zwischen oberflächennaher und tiefer Geothermie. Bei der tiefen Geothermie wird geothermische Energie über Tiefbohrungen erschlossen und direkt genutzt. Die tiefe Geothermie beginnt bei einer Tiefe von mehr als 400 Metern und einer Temperatur über 20 Grad Celsius.
Bis zu 400 Meter tief
Bei der tiefen Geothermie wird die geothermische Energie dem Untergrund bis in 400 Meter Tiefe entzogen. Oberflächennahe geothermische Nutzungen reichen jedoch meist nur von wenigen Metern bis zu einigen Zehn-Metern Tiefe, selten werden 150 Meter überschritten, informiert das Landesamt.
Die Hauptursache für Tiefenbeschränkungen und Hindernisse für den Bau von Erdwärmesonden in der Kernstadt von Bad Dürrheim ist das Vorkommen von Gips, beziehungsweise Anhydrit. Wenn Wasser in Anhydrit führendes Gestein eindringt, verwandelt sich Anhydrit unter Volumenzunahme in Gips, was zu Geländehebungen und Bauschäden führen kann. Das Landesamt verweist in diesem Zusammenhang auf Staufen im Breisgau. Vereinfacht gesagt: Bad Dürrheim könnte bei Tiefengeothermie das gleiche Schicksal ereilen.
Grundwasser schützen
Es gibt noch einen weiteren Grund: Zum Schutz tieferer Grundwasservorkommen kann die Bohrtiefe für Erdwärmesonden auf die Oberkante des Muschelkalk-Grundwasserleiters begrenzt sein, was auch im Bereich Bad Dürrheim zutrifft. Aufgrund der Beschaffung der Erdschichten nimmt die mögliche unkritische Bohrtiefe in südöstliche bis südliche Richtung von Bad Dürrheim Richtung Tuttlingen zu.
Östlich mehr machbar
In den östlich von Bad Dürrheim gelegenen Ortsteilen hängt die Machbarkeit von Erdwärmesonden von der Tiefe des zur Heil- und Trinkwassernutzung erschlossenen Oberen Muschelkalks und der Sulfat führenden Mainhardt-Formation ab.
Die unkritische Bohrtiefe variiert dabei von etwa 30 Meter in Hochemmingen bis zu etwa 250 Metern in Öfingen und nimmt generell nach Osten zu, so die Ausführungen des Geologischen Landesamts.