Der Georg-Elser-Arbeitskreis aus Freiburg hat zum 80. Jahrestag der Ermordung des Hitler-Attentäters zwei Veranstaltungen geplant. Zudem erklärt Karl-Heinz Schmid, welche Verbindung Elser zur Stadt Freiburg hat.
Der 8. November 1939 war ein Tag, der die Welt zum Besseren hätte verändern können: An diesem Tag hat der Schreiner Georg Elser (1903 bis 1945) in München versucht, Adolf Hitler zu töten. Am 9. April jährt sich zum 80. Mal die Ermordung Elsers durch die Nazis im KZ Dachau. Für den Georg- Elser-Arbeitskreis, der das Andenken wachhält, ist dies auch in Freiburg ein besonderer Gedenktag, wie Karl-Heinz Schmid für den Arbeitskreis berichtet.
Herr Schmid, in Freiburg finden anlässlich des Jahrestags der Ermordung Georg Elsers gleich drei Gedenkveranstaltungen statt. Was für eine Verbindung besteht zwischen der Stadt und Elser?
Im Grunde genommen keine. Georg Elser stammte von der Ostalb und hat lange am Bodensee gelebt. Bezüge nach Freiburg hatte er nicht. Aber das Gedenken an diesen Widerstandskämpfer wird in Freiburg schon lange hoch gehalten. Im Stadtteil Vauban ist eine Straße nach ihm benannt. Und es gibt dort eine privat initiierte hölzerne Gedenkstele, passend zum Schreinerberuf Elsers.
Wie genau hat Elser 1939 versucht, Adolf Hitler zu töten?
Elser hat am 8. November 1939 im Bürgerbräukeller in München ein präzise geplantes Attentat auf Hitler und die nationalsozialistische Führungsriege ausgeführt. Aber Hitler verließ den Bürgerbräukeller wegen Wetterkapriolen an jenem Abend früher als geplant, so dass die Bombe ihr eigentliches Ziel um 13 Minuten verfehlte. Hitler und sein engster Kreis überlebten den Anschlag also nur wegen weniger Minuten. Wäre das nicht so gekommen, hätte Georg Elser die Welt maßgeblich verändert und ganz sicher verbessert.
Was hat Georg Elser motiviert, schon vor Kriegsbeginn so ein Attentat zu planen?
Das ist eine Sache, die große Verwunderung hervorrufen kann. Elser stammte aus einfachsten Verhältnissen, aus einem sehr schwierigen Elternhaus. Sein Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker. Aber Georg Elser war ein Sehender. Er hat gesehen, was für ein Unheil da auf Deutschland und die Welt zukommt. Und er hat gesehen, dass die Nazis zum Beispiel schrecklich mit homosexuellen und jüdischen Mitbürgern umgingen. Er hat gesehen, dass Hitlers Weg unweigerlich in den Krieg führen würde.
Dennoch ist Georg Elsers Name in der Geschichte nicht so prominent, wie beispielsweise die Namen der Hitler-Attentäter der Stauffenberg-Gruppe.
Das stimmt, und ich halte das für sehr bedauerlich. Ohne Stauffenberg zu diskreditieren, muss man doch sagen, dass diese Gruppe jahrelang hinter dem Hakenkreuz her marschiert ist. Georg Elser hat das zu keinem Zeitpunkt getan, was Hitler wiederum sehr irritiert hat. Er machte Elser deshalb zum „Sonderhäftling“, dem er nach dem „Endsieg“ den Prozess machen wollte. Die Rechnung ging nicht auf, wie wir wissen, und Georg Elser wurde am 9. April, wenige Wochen vor der Kapitulation, hingerichtet
Was genau findet zum 80. Jahrestag der Ermordung Elsers am 9. April statt?
Geplant ist eine Gedenkveranstaltung am Vormittag gegen 9 Uhr mit Schülern an der Gedenkstele, abends folgt beim Stadtteilverein Vauban eine Filmdoku über Georg Elser. Und am 12. April findet im Haus 37 im Stadtteil Vauban eine Theateraufführung statt, die textlich auf den Vernehmungsprotokollen Georg Elsers basiert, die Jahre nach seinem Tod zufällig entdeckt worden sind.
Gedenkveranstaltungen in Freiburg
Das Bühnenstück
„13 Minuten – wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“ von und mit Bernd Wengert (Text) und Michael Moravek (Musik) wird am Samstag, 12. April, um 20 Uhr im Haus 37, Alfred-Döblin-Platz 1 in Freiburg aufgeführt. Der Eintritt kostet 20 Euro(ermäßigt 15 Euro). Am Mittwoch, 9. April, um 20 Uhr findet an gleicher Stelle die Gedenkveranstaltung für Elser durch den Stadtteilverein Vauban statt.
Zur Person
: Karl-Heinz Schmid stammt aus Stockach am Bodensee und lebt im Markgräflerland. Der pensionierte Kriminalhauptkommissar engagiert sich seit fünf Jahren im Georg Elser Arbeitskreis für das Gedenken an den Hitler-Attentäter.