Seit Dezember tun sich bei Sulz-Kastell große Löcher auf. Der Hobbyforscher Wolfgang Strittmatter erklärt, wie es zu den geologischen Erscheinungen kommt. Er ist Mitglied beim Landesverband der Höhlen- und Karstforschung.
„Das Loch ist wesentlich größer geworden“, sagt Wolfgang Strittmatter und blickt auf zwei große Löcher, die sich auf einer Wiese bei Sulz-Kastell vor ihm auftun.
Das erste Mal sei er im Dezember 2023 hier gewesen, als er von dem Naturschutzwart Frank Lamprecht über die Absenkung informiert worden war.
Regenwasser sorgt für Hohlräume
Seither habe er in gewissen Abständen weitere Kontrollgänge bei der Fläche gemacht, die darüber hinaus in einem Durchmesser von etwa 20 Metern gut 20 Zentimeter eingesunken sei. Er schätzt die Einsenkung auf 20 Kubikmeter. Anfang Januar habe er die geologische Erscheinung schließlich für den Landesverband der Höhlen- und Karstforschung aufgenommen.
„Rund 40 Prozent Baden-Württembergs ist Karstgebiet“, erklärt Uwe Krüger, Vorsitzender des Verbandes. Vor allem bei der Schwäbischen Alb bestehe der Boden häufig aus Muschelkalk. Durch Regenwasser, das dort versickere, entstünden häufig Hohlräume und Spalten.
Oft unterirdische Wasserwege
„Wäscht das Wasser zu viel aus, bricht der Hohlraum ein und die Erde darüber sackt ab“, erklärt er. Darum seien solche Absenkungen absolut nichts Ungewöhnliches.
Der Fachbegriff für solch eine Absenkung laute Doline. Da die unterirdischen Spalten oftmals entlang von unter der Oberfläche verlaufenden Wasserwegen entstünden, komme es häufig zu mehreren Einbrüchen in einem Gebiet.
Gesteinsschicht bricht ein
So auch bei Kastell. Dort liege die Doline in einem stark verkarsteten Gebiet, erläutert der Hobbyforscher Strittmatter. Während die Oberfläche der Wiese aus Lößboden bestehe, sei darunter eben besagter Muschelkalk zu finden.
„Der Boden kann viel Wasser aufnehmen, der Kalkstein hingegen ist durch das abfließende Wasser stark zerklüftet.“ So komme es schließlich zum Einbruch der tragenden Gesteinsschicht.
Früher oft Müllkippe
In der Mitte der Einbruchswand entdeckt er zwei Stellen, aus denen Wasser in die Senkung einfließt und an der gegenüberliegenden Seite durch eine Spalte wieder im Erdreich verschwindet.
Der Umgang mit Dolinen habe sich Krüger zufolge im Laufe der Jahrzehnte zum Glück geändert. „Früher nutzten Leute solche Erdfälle häufig als Müllkippe, um ihren Unrat in das Loch zu werfen“, erinnert er sich.
Kooperation mit Naturschutzämtern
Doch wenn man bedenkt, dass das Wasser, das von der Oberfläche in diese Spalten fliese, letztendlich als Grundwasser diene, sei das das absolut falsche Verhalten.
Heutzutage sei es wichtig, solche Einstürze zu dokumentieren. Dazu arbeite der Verband der Höhlen- und Karstforschung eng mit den Naturschutzämtern zusammen.
Höhlen- und Weltraumforschung
Und eine Besonderheit hat der Vorsitzende auch noch parat. „Die ESA und NASA lassen ihre Astronauten auch in Höhlen ausbilden“, geht er auf die Gemeinsamkeiten von Weltraumbehörden und Höhlenforscher ein.
Denn es sei anzunehmen, dass die kosmische Strahlung in Höhlen auf dem Mars deutlich geringer sei als auf der Oberfläche des „Roten Planeten“.
Abfluss ist wichtig
Allerdings brauche es dazu meist ein weit verzweigtes Höhlensystem und nicht nur eine Absenkung wie auf Kastell.
Der Besitzer der Wiesenfläche sieht die Sache übrigens gelassen. Das Gebiet nutze er selbst nicht, sondern habe es verpachtet, erklärt er. Und Strittmatter rät: „Lassen wir das Wasser abfließen, sonst bildet sich dort noch ein großer See.“