Die Erarbeitung eines Klimaanpassungskonzepts hat begonnen. Ziel: den Auswirkungen der Erderwärmung strukturiert begegnen, negative Folgen abmildern und Chancen für den Zollernalbkreis nutzen. Mittendrin wirkt die Geografin Renate Ludewig.
Renate Ludewig verstärkt seit Anfang des Jahres das Fachteam „Klimaschutz und Klimaanpassung“ im Landratsamt. Im Interview berichtet sie von den größten Klima-Herausforderungen im Zollernalbkreis, den Folgen der Topographie (Erdoberfläche) im Kreis und davon, was sie täglich motiviert.
Sie verstärken das Fachteam „Klimaschutz und Klimaanpassung“, Frau Ludewig. Das Team erarbeitet ein Integriertes Klimaanpassungskonzept. Was ist Ihr Job dabei?
Das Thema Klimaanpassung ist ein Teilbereich des Klimawandels. Die Extremwetterereignisse der vergangenen Jahre haben uns vor Augen geführt, wie sich der Klimawandel konkret auf den Zollernalbkreis und seine Bevölkerung auswirkt. Das betrifft sehr viele Handlungsfelder: von Boden über Forstwirtschaft und Wasser bis hin zu Tourismus und Bevölkerungsschutz. Meine Aufgabe wird es sein, die verschiedenen Themen und Akteure innerhalb der Kreisverwaltung, in den Kommunen und darüber hinaus zusammenzubringen und gemeinsam ein Konzept für den Landkreis auszuarbeiten. In Kooperation mit allen Fachexperten vor Ort können alle Bereiche abgedeckt und Anpassungsmaßnahmen herausgearbeitet werden.
Was für eine Ausbildung beziehunmgsweise Studium haben Sie absolviert?
Ich habe in Tübingen Geografie studiert und bin Diplom-Geografin. Bis zur Geburt unserer ersten Tochter war ich Geschäftsführerin des Geoparks Schwäbische Alb, und danach war ich in der Zentralen Verwaltung der Uni Tübingen beschäftigt.
Was sind die größten Auswirkungen und Herausforderungen des Klimawandels im Kreis im Bereich Wasser?
Wir werden uns im Bereich Wasser unter anderem die Themen Trockenheit und Dürre, niedrige Wasserstände, Veränderung des Grundwasserspiegels und die Zunahme von Hochwasser und Starkregenereignissen anschauen und die jeweiligen Auswirkungen genau erfassen.
Und im Bevölkerungsschutz?
Das erarbeiten wir ja erst – es wird um Themen wie Hitze und Hitzeschutz, um Starkregenereignisse und die Trinkwasserversorgung gehen. Ebenso werden gegebenenfalls veränderte Brandgefahren aufgegriffen.
In der Forst- und Landwirtschaft?
Allgemein kann es in der Forst- und Landwirtschaft durch den Klimawandel zu einer Zunahme von Schädlingen, mehr Trockenstress, mehr Sturmschäden, gegebenenfalls Waldbränden kommen. Ebenso zu einer höheren Hitzebelastung von Nutztieren oder zu Ertragseinbußen durch Trockenheit und Extremwetterereignisse. Diese Themen systematisch auf die örtlichen Gegebenheiten abzuklopfen und eine Prognose für den Zollernalbkreis auszuarbeiten – das wird in den nächsten Monaten im Rahmen der Konzepterstellung erfolgen.
Bei Naturschutz und Biodiversität?
Allgemeine Auswirkungen sind hier die Veränderungen der Artenzusammensetzung und das Artensterben, die Ausbreitung invasiver Arten, die Gefährdung bestehender Ökosysteme und erhöhte Schädlings- und Parasitenpopulationen.
Für den Tourismus ergeben sich Chancen aus dem Klimawandel. Welche sind das?
Themen, die in den Workshops bearbeitet werden, sind voraussichtlich der Rückgang des Wintertourismus’, die Zunahme der Hitzebelastung, eine Verlängerung der Saison für Outdoor-Tourismus und die Chancen für Sommerfrischetourismus bei großer Hitze auf unserer Alb.
Was sind denn bis dato besondere Gegebenheiten im Zollernalbkreis, auf die das Klimaanpassungskonzept zugeschnitten sein wird?
Im Zollernalbkreis haben wir eine sehr heterogene naturräumliche Ausgangssituation aufgrund der Topographie und der Höhendifferenzen zwischen der Alb und dem Albvorland. Diese Ausgangssituation prägt das Klima der verschiedenen Naturräume und macht einen großen Unterschied bezüglich der Betroffenheiten durch den Klimawandel. In den nächsten Monaten werden wir bei der Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes genau der Frage nach den speziellen Gegebenheiten und Betroffenheiten vor Ort nachgehen.
Abgehen davon, dass man natürlich seinen Lebensunterhalt verdienen muss – was motiviert Sie täglich ins Büro zu gehen?
Die Motivation ist groß, wenn man die Möglichkeit hat, zukunftsgerichtete Themen mitzugestalten. Die negativen Folgen des Klimawandels sind immer deutlicher spürbar. Diese abzumildern und mögliche Chancen nutzbar zu machen, kann der Region helfen, und im besten Fall profitieren wir und unsere Kinder davon.