Wer etwas auf sich hält, trinkt aus großen Bechern: und zwar Wasser. Warum nun alle an großen Bechern nuckeln.
Es gibt viele Dinge, die so richtig nerven am Älterwerden. Wehwehchen da, Eigenheiten dort. Aber, und das ist ein unfassbar großer Pluspunkt: Viele Dinge sind einem auch egal. So egal, dass man sie höchstens noch verwundert zur Kenntnis nimmt.
Jüngst war dies der Fall, als ich Menschen in freier Wildbahn und nicht in diesem Internet begegnet bin. Es handelte sich dabei um sehr, sehr durstige Menschen. Wer viel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sieht sie immer wieder. Überdimensionale Becher – in Mattschwarz, Pistaziengrün, Fliederfarben, Babypuderrosé. Man greift sie an einem Henkel, drinnen ist ein Strohhalm, durch den man nuckelnd die Flüssigkeit zu sich nimmt. Dabei handelt es sich um Thermobecher der Marke Stanley, die hier unbedingt genannt werden muss, denn sie ist quasi das Balenciaga der durstigen Kids. Und natürlich der Prominenten: Adele oder Jessica Alba tragen die 1,2 Liter fassenden Becher wie kleine Wanderpokale vor sich her. Und wollen damit sagen: Schaut, ich trinke Wasser! Das ist viel besser als Cremes oder Spritzchen! Natürlich gibt es im digitalen Zeitalter keinen Hype ohne passenden Hashtag, der hier natürlich #Stayhydrated lautet.
Damit der Tee beim Fliegenfischen warm bleibt
Die Marketingstrategie hätte man sich dazu nicht besser ausdenken können. Ein Auto brannte komplett aus, das Einzige, was unbeschädigt blieb, war der Becher. Das Video ging viral, die Tiktokkerin bekam von Stanley ein neues Auto. Ein guter Deal für die Marke, die bereits seit 1913 besteht und eigentlich für Outdoor-Fans erfunden wurde. Damit der Tee in der Thermoskanne beim Fliegenfischen auch schön warm bleibt. Für die Kids der Stadt bleibt das Wasser im 50-Euro-XXL-Becher gut gekühlt – und ich mache mir allweil Gedanken, in welcher sehr großen Tasche ich den befördert bekomme.