Matthias, Alexander und Hans-Peter Saur (von links) präsentieren ihr Projekt. Foto: Lück

Auf der Wiese vor dem Real stehen Wahlplakate, versprechen vieles. Hans-Peter Saur und seine Söhne Alexander und Matthias werden halten, was auf dem Werbebanner hinter ihnen steht: "Lokalhelden"! Wenn das RP nicht dazwischenfunkt. 

Horb - Die Drei wollen hier ein neues "Genuss-Inn" bauen! Es hörte sich so nüchtern an im Ortschaftsrat Bildechingen und im Gemeinderat: Der Tagesordnungspunkt "Änderung des Bebauungsplans Hahner III."

Das Projekt

Dahinter steckt das neue, große Ding der Saurs. Alexander: "Matthias ist immer über die Wiese zum Tennis. Seit 2017 haben wir schon drüber nachgedacht, ob wir hier was machen. Erst ging es los mit der Idee von einem Stehcafé. Dann ein kleines Sitzcafé. Doch jetzt wagen wir den großen Schritt: Ein großes Gebäude mit 80 bis 90 Sitzplätzen. Drinnen und draußen auf der Terrasse. Mit belegten Brötchen, Backwaren, Snacks, Kaffee und Kuchen und Getränken!"

Das neue "Genuss-Inn". 26 Parkplätze, Geldautomaten. Bedientheke mit Leberkäs-Frikadellen, Salaten und so manchem anderen Snack. Alexander Saur grinst: "Pizza werden wir nicht backen. Und mit Kochen werden wir auch nicht anfangen. Aber wir werden uns jede Menge Leckeres einfallen lassen!"

Das Genuss-Inn vor dem Real. Matthias Saur: "Uns als Horber Bäcker war es wichtig, dass wir uns mit diesem Projekt zu Horb bekennen und hier deutlich Flagge zeigen. Dazu ist die Nähe zum Produktionsstandort auch sehr praktisch. Wir hoffen, dass jetzt das Verfahren reibungslos läuft und wir vielleicht schon Anfang nächsten Jahres eröffnen können. Es wird definitiv unser größter Standort und unsere größte Investition bisher!"

Straße spielt keine Rolle

Und die schafft auch Arbeitsplätze. Matthias Saur schätzt, das mit Aushilfen das Genuss-Inn bis zu neue Mitarbeiter braucht.

Klar. Denn der Standort an der Durchfahrtstraße zwischen Industriegebiet und Freudenstadt, Kernstadt und Bildechingen ist ideal. Schnell runterfahren zur Rast.

Doch auch das bisher größte politische Diskussionsthema um die Änderung des Bebauungsplans "Hahner III" beirrt die Saurs nicht.

Fakt ist: Möglicherweise wird die Straße umgebaut, wenn die "Umfahrung Hohenberg" kommt. Entweder als Mitbenutzungstrasse – also eine Spur breiter auf jeder Seite. Oder als Trog oder Tunnel. Möglicherweise werden die Autos auch hinterm Dehner auf der großen Umfahrung umgeleitet. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte sich im Schwabo-Interview skeptisch über die Realisierung geäußert – unter anderem wegen dem größeren Flächenverbrauch.

Die große Sorge der Ortschafts- und Gemeinderäte: Können die Saurs noch bauen, wenn die Mitbenutzungstrasse kommt?

RP gibt Stellungnahme ab

OB Peter Rosenberger: "Wir haben die Pläne sehr intensiv geprüft. Sie kollidieren nicht mit der Mitbenutzungs­trasse. Ob da irgendwelche Tunnel gebaut werden, wissen wir nicht. Eine Troglösung wäre trotzdem möglich."

CDU-Fraktionschef Michael Keßler: "Wir haben dem mit Freude zugestimmt. Der neue Bau ist genauso weit weg von der Straße wie das Schnellrestaurant McDonalds!"

Allerdings: Weil auch das Regierungspräsidium seine Stellungnahme zum Bauvorhaben abgeben muss, bleibt es noch spannend, ob das "Genuss Inn" passt.

Matthias Saur bleibt angesichts dieser ganzen Diskussion sehr gelassen.

Standort hat überzeugt

Zeigt die Pläne, die das "Genuss Inn" zeigen. Es füllt die komplette Rasenfläche mit den Parkplätzen. Er sagt: "Egal, welches Konzept für die Umfahrung Hohenberg kommt – wir sind überzeugt, dass der Standort passt und gut ist. Er liegt zwischen zwei Wohngebieten mit Hohenberg und Bildechingen. Dazu das Schulzentrum, das Industrie- und Gewerbegebiet mit Globus, Dehner, Real und wie sie alle heißen."

Der Bäckermeister ist auch skeptisch, dass die Umfahrung Hohenberg – egal in welcher Form – schnell kommen wird. Saur: "Als ich zum ersten Mal über etwas abstimmen durfte, war das über den Bürgerentscheid zur Hochbrücke. Das ist jetzt 23 Jahre her..."

Fakt ist auch, so hatte schon Landesverkehrsminister Hermann betont: Wenn das Regierungspräsidium die bevorzugten Trassenvarianten fertig geplant hat, muss der Bund überzeugt werden, die Umfahrung Hohenberg zu finanziert. Im Bundesverkehrswegeplan steht sie nicht.

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