Karin Ettwein (links) und Kirsten Heinzmann (rechts) bekommen tatkräftige Unterstützung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Sven-Luca Hackenjos. Foto: Emelie-Doreen Baisch

Das Café Vielfalt in der Innenstadt, wo Begegnungen, Gespräche und regionales Wohlbefinden im Mittelpunkt stehen – ist ein Ort für alle.

Wer sich in St. Georgen im Café Vielfalt an einen Tisch setzt, der erhält zur Begrüßung nicht nur ein nettes Lächeln, sondern auch eine Karaffe mit erfrischendem Wasser – und das kostenlos. In deutschen Lokalen ist das eine Seltenheit, im Café Vielfalt aber ist es eine logische Folge des Konzepts.

 

Was es damit auf sich hat, erklärt Karin Ettwein, einer der beiden Leiterinnen des, von der Stadt betreutem Cafés, das im Mai im St. Georgener Bürgerzentrum eröffnet hat. Sie möchte damit ein Zeichen setzen. Für sie stehen Begegnungen und Gespräche im Mittelpunkt. „Es ist mir wichtig, dass sich alle Gäste, unabhängig von ihrem Geldbeutel, bei uns wohlfühlen“, erklärt Ettwein.

Hand in Hand

Das Café befindet sich im Roten Löwen und hat seit 2. Mai geöffnet. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, der Hauswirtschafterin Kirsten Heinzmann, betreibt Ettwein das Café. Obwohl sie vor ihrer Zusammenarbeit keine persönliche Beziehung hatten, gehen sie im Arbeitsalltag perfekt Hand in Hand, was sich positiv auf die Atmosphäre des Cafés auswirkt.

Jeder Gast bekommt kostenlos eine Karaffe Wasser. Foto: Emelie-Doreen Baisch

Ein Ort für alle

Anna Benner, die St. Georgener Amtsleiterin für Ordnung, Bildung und Soziales, unterstützt das Konzept des Cafés, bei dem die Kommunikation über dem Konsum steht. „Ich wünsche mir, dass sich die Gäste hier im Café auf Gespräche konzentrieren“, betont Benner.

Die Kooperation mit dem Jugendtreff und verschiedenen Beratungsangeboten, etwa des Landratsamts oder der Arbeitsagentur, verstärkt die positive Wirkung des Cafés auf die Gemeinschaft. „Das Haus ist ein Ort für alle Bürger“, fügt sie hinzu.

Fokus auf Regionalität

In der gemütlichen Umgebung des Cafés sind die 32 Plätze am Donnerstagmittag schnell belegt. Das Café legt großen Wert auf regionale, saisonale und fair gehandelte Bio-Produkte.

Ettwein hebt hervor, dass sie sich nicht als Konkurrenz zu heimischen Gastronomiebetrieben sehen, sondern vielmehr den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen und Generationen fördern möchten. „Hier sitzen Berufstätige, Eltern, Jugendliche und Senioren nebeneinander und genießen eine vorwiegend vegetarische Küche“, erklärt sie. Ein weiterer wichtiger Aspekt des Cafés ist die Inklusion. In Kooperation mit der Stiftung Liebenau arbeiten drei Mitarbeiter im Service und in der Küche.

20 ehrenamtliche Helfer

Unterstützung erhalten sie von ein bis zwei Mitarbeitern der Werkstatt „Arbeit Inklusive“ in Villingen-Schwenningen. Rund 20 ehrenamtliche Helfer, vom Jugendlichen bis hin zur Rentnerin, leisten einen wertvollen Beitrag und bringen auch das Konzept der „Vielfalt“ in das Café.

Ein Begegnungszentrum

Ettwein beschreibt das Café als „soziales Begegnungszentrum“. Es wird ein besonderer Platz für den Austausch geschaffen, etwa am Begegnungstisch mit dem Namen „Zemme hocke“, an dem fremde Menschen zusammenkommen, um gemeinsam zu essen und zu plaudern. Zudem bietet das Café im Rahmen von „Schmecke die Welt“ die Möglichkeit, verschiedene Länder und Kulturen beim Mittagstisch kennenzulernen. Das Team kocht und backt gemeinsam mit internationalen Mitbürgern – ein Angebot, das einmal im Monat stattfinden soll.

Der Begegnungstisch ist ein Ort, an dem Fremde ins Gespräch miteinander kommen können. Foto: Emelie-Doreen Baisch

Das Café Vielfalt ist nicht nur ein Ort für Kulinarik, sondern auch ein Verbindungsglied zu vielen weiteren Angeboten im Roten Löwen, darunter die Schreibstube, offene Gesprächsstunden, Selbsthilfegruppen und vieles mehr. „Wir möchten, dass sich jeder bei uns wohlfühlt und angesprochen fühlt – egal, wie viel Geld er hat“, sagt Heinzmann abschließend.

Mit Leidenschaft und Engagement zeigt das Café, dass sozialer Austausch und Inklusion in der gastronomischen Welt möglich sind.