Wolfgang von Meißner (links) hat bereits viele Patienten geimpft. (Archiv) Foto: Braun

Wann sollten sich Covid-19-Genesene ein zweites Mal impfen lassen? Wir haben darüber mit dem Mediziner Wolfgang von Meißner von den Hausärzten am Spritzenhaus in Baiersbronn gesprochen.

Oberndorf - Die Inzidenzen steigen langsam an, Deutschland scheint am Anfang der oft prognostizierten vierten Welle zu stehen. Viele einmal geimpfte Covid-Genesene fragen sich nun, ob eine weitere Impfung vor dem möglichen "Corona-Herbst" sinnvoll wäre.

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Die ständige Impfkommission (Stiko) sieht eine einmalige Impfung bei Genesenen weiterhin als ausreichend an. Wie von Meißner erklärt, sei diese Empfehlung aber noch "schwammig". Eine eindeutige Regelung stehe noch aus.

Warten könnte sich lohnen

Von Meißner hält eine zweite Impfung jedenfalls für sinnvoll. Zumal mittlerweile Impfstoff im Überfluss vorhanden sei. "Wenn die Infektion schon lange zurückliegt, beispielsweise bereits in der ersten Welle stattgefunden hat, macht eine weitere Impfung schon Sinn." Dann sei "jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Impfung".

Unter einer Bedingung: Seit der letzten Corona-Impfung sollten rund sechs Monate vergangen sein, rät von Meißner. Bei wem das noch nicht der Fall sei, der solle besser warten. Für September werde mit der Zulassung eines modifizierten Impfstoffs von Biontech gerechnet, der gegen die Mutationen des Coronavirus noch effektiver schütze.

Impfung trotz leichtem Verlauf?

Doch lohnt sich die Zweitimpfung überhaupt, wenn man die Infektion selbst gut überstanden hat? Ja, sagt der Mediziner. Es gelte "vor einem weiteren, dann möglicherweise schweren Verlauf" geschützt zu sein. Denn wer einen leichten Verlauf der Krankheit hatte, bei dem habe der Körper möglicherweise auch nur wenige Antikörper gebildet.

Stärkere Impfraktion bei weiterer Impfung?

Muss man nach einer weiteren Impfung mit stärkeren Impfreaktionen rechnen? Dazu gebe es bislang keine guten Auswertungen, sagt von Meißner. Tendenziell "muss man damit rechnen". Auch wer nach der letzten Impfung nur wenige Reaktionen gezeigt habe, müsse damit rechnen, dass er sich möglicherweise einige Tage unwohl fühle. 

Besonderheit bei Johnson&Johnson 

Was gilt, wenn man als Genesener mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson geimpft wurde? Hier ist das Prozedere noch etwas komplizierter. Wie von Meißner erklärt, sei die Haftungsfrage erst ab September geklärt. Denn die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) habe eine weitere Impfung nach einer Dosis Johnson&Johnson bislang noch nicht zugelassen. Ab September werde aber durch eine politische Entscheidung der Gesundheitsminister eine weitere Impfung möglich.

Impfzentren halten sich an Stiko-Empfehlungen

Wo sollte man sich die weitere Impfung abholen? "Beim Hausarzt", erklärt von Meißner. Denn: "Die Impfzentren impfen streng nach den Stiko-Empfehlungen." Deswegen bekämen Genesene dort derzeit nur eine Impfung - es sei denn, der Arzt vor Ort weiche davon ab. Dafür gebe es aber keine Garantie.

Von Meißner ermutigt auch Ungeimpfte, sich nun Gedanken über eine Immunisierung zu machen. Denn eines, so betont der Baiersbronner Arzt, sei auf jeden Fall sicher: "Es gibt nur zwei Möglichkeiten, um Antikörper zu bekommen: Infektion oder Impfung. Desto länger man wartet, desto höher wird die Chance, dass man von einer Corona-Mutation erwischt wird."