Die Fassade der Linde 13 bedarf einer Sanierung. Foto:  

Die Linde 13 in Oberndorf ist ein Treffpunkt für alle Altersgruppen vom Jugendlichen bis zum Senior geworden. Und es gäbe noch Platz für Senioren-WGs – wenn die Kosten nicht wären.

Das Generationenhaus Linde 13 hat sich zu einem beliebten Treffpunkt in Oberndorf entwickelt und ist zu einem Vorzeigeobjekt geworden. Wünsche und Bedarf zur Optimierung gibt es dennoch. Dazu zählt beispielsweise eine Fassadensanierung. Der Knackpunkt sind aber wie so oft die Kosten.

 

Die Überlegungen, im ehemaligen Lehrerwohngebäude in der Lindenstraße neue Jugendräume entstehen zu lassen, liegen schon mehr als zehn Jahre zurück, informierte Stephan Ruff vom städtischen Hochbauamt den Gemeinderat beim Vor-Ort-Termin. 2018 zog der Jugendtreff ins Erdgeschoss des stadtbildprägenden denkmalgeschützten Gebäudes ein.

Vier Jahre später wurde das Öffentliche Wohnzimmer im linken Gebäudeteil des ersten Obergeschosses eingeweiht. Zuletzt umgebaut wurde die rechte Seite des Stockwerks. Sie bietet Raum für Beratungsangebote und Treffen Oberndorfer Gruppen.

Fassade ist sanierungsbedürftig

Noch nicht umgebaut beziehungsweise saniert wurden das zweite Obergeschoss, das Dach und die Fassade. Letztere weist Risse und Abplatzungen auf, berichtete Ruff. Die Dachdeckung stamme derweil aus den 70er-Jahren.

Die Maßnahmen waren aufgrund der hohen Kosten immer wieder aus dem Haushaltsplan „rausgeflogen“. Diese lägen inzwischen bei schätzungsweise rund zwei Millionen Euro.

Ruff wies in diesem Zuge auf die Größe des Gebäudes hin. Man spreche hier von etwa sechs Hälften à 140 Quadratmeter, „quasi sechs kleine Einfamilienhäuser“, meinte er.

Senioren-WGs im zweiten Obergeschoss?

Wie man das zweite Obergeschoss letztlich nutzen werde, sei noch unklar. Heidi Kuhring, Sachgebietsleiterin Kultur, Jugend und Senioren, meinte, man könnte daraus Wohnungen für Senioren-Wohngemeinschaften machen und durch die Miete Einnahmen generieren.

Bürgermeister Matthias Winter entgegnete, es würde sehr lange dauern, bis man die Investition wieder „drin hätte“. „Es wäre aber eine tolle Sache“, betonte SPD-Stadträtin Ruth Hunds und gab ihrer Meinung Ausdruck, man könne ja nicht alles nach Zahlen entscheiden.

Stadtbildprägend und denkmalgeschützt

Kuhring führte die Stadträte durch das Gebäude, das rund 150 Jahre alt ist, und mit dem viele Oberndorfer eine persönliche Geschichte verbänden, wie sie erzählte.

Im Erdgeschoss wurde der Gemeinderat über die Angebote für Jugendliche informiert – vom gemeinsamen Backen und Kochen über Spiele bis hin zum „Chillen“. Dafür stehen mehrere Aufenthaltsräume und eine Küche zur Verfügung.

Eine Fachkraft sei immer vor Ort, außerdem unterstütze eine FSJlerin bei der Betreuung, erklärte Sabrina Werner vom Kinder- und Jugendbüro. Das Angebot sei frei und niederschwellig. Die Jugendlichen könnten kommen und gehen, wann sie wollen.

Auf dem Weg ins erste Obergeschoss wies Heidi Kuhring darauf hin, dass auch das Treppenhaus noch nicht saniert sei – ein weiterer Punkt auf der Liste des Hochbauamtes, wie Ruff bestätigte.

Ebenfalls in der Linde 13 fänden Treffen des Leseclubs statt, erklärte Kuhring. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt mit der Bürgerstiftung und der Stadtbücherei, bei dem „leseferne Kinder“, wie Kuhring sie nannte, ungezwungen ihre Freude am Lesen entdecken können, unterstützt von Ehrenamtlichen.

Räume für Hilfsangebote und bürgerschaftliches Engagement

Im ersten Obergeschoss ging es zunächst in den zuletzt sanierten, rechten Gebäudeteil. Dort finden unter anderem Beratungen des Pflegestützpunktes, der Fachstelle Sucht, des VdK und weiterer Einrichtungen und Initiativen statt. Ab 2026 werde Energieberater Rolf Halter dort auch eine Sprechstunde anbieten, so Kuhring.

Außerdem stelle man Räume für Gruppen aus der Bürgerschaft zur Verfügung, darunter die Hospizgruppe, die Diabetiker-Selbsthilfegruppe, der Kontaktkreis Leben und weitere.

Eine Initiative bürgerschaftlichen Engagements sei auch der Verein „Hand in Hand für Deutschland“, der Nachhilfe für arabisch sprechende Schüler biete. Dabei handle es sich in erster Linie um einen Alphabetisierungskurs für Frauen.

Programm im Öffentlichen Wohnzimmer ist beliebt

Auf der anderen Seite des ersten Obergeschosses befindet sich unter anderem das Öffentliche Wohnzimmer, das wochentags von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet ist und sich zum beliebten Treffpunkt, insbesondere für Senioren, entwickelt hat. Es ist barrierefrei zugänglich über einen Aufzug.

Dort kann man kreativ werden, es gibt aber auch Angebote wie Gedächtnistraining, Sitztanz, Kaffee und Kuchen, Spielenachmittage, gemeinsames Musizieren und Backen sowie Theaterproben. Das eingeübte Stück handelt von Schockanrufen bei Senioren, hat also auch eine aufklärende Komponente. Der älteste Mitspieler sei 91 Jahre alt, berichtete Kuhring.

Besonders beliebt und deshalb mit einer Anmeldung verbunden ist das gemeinsame Kochen am Freitag mit Lebensmitteln, die die benachbarte Tafel nach ihrem Öffnungstag (Donnerstag) übrig hat, und die nicht bis zur Folgewoche haltbar sind.

Parkplatzsituation problematisch

Das Öffentliche Wohnzimmer werde je zur Hälfte von Bewohnern der Kernstadt und Bewohnern der Stadtteile besucht. Ein Problem stelle manches Mal die Parkplatzknappheit rund um die Linde 13 dar.

Der Gemeinderat verschaffte sich dann noch einen Eindruck von der „Raumreserve“ im zweiten Obergeschoss. Dort hätten sich einst Wohnungen befunden, erklärte Heidi Kuhring. Aktuell werden die Räume als Lager genutzt und befinden sich in stark renovierungsbedürftigem Zustand. Das Interesse an Senioren-Wohngemeinschaften, die sie sich dort gut vorstellen könne, sei sehr groß, meinte Kuhring auf Rückfrage aus dem Gremium.

Keller wurde zur Partylocation

Letzte Station des Rundgangs war der Keller, der einigen Oberndorfern noch vom Narrentag bekannt sein dürfte, wurde er da doch als Besenwirtschaft genutzt. Kürzlich habe dort auch eine Halloweenparty stattgefunden, erklärte Kuhring. 2024 hätten Engagierte des Jugendtreffs den Keller umgebaut.

Nun stehe er Gruppen für Veranstaltungen zur Verfügung. Einzige Bedingung: Für private Feiern steht der Keller nicht zur Verfügung, sondern lediglich für öffentliche Veranstaltungen.