Lars Kristensen ist der Fachmann für alle Arbeiten rund ums Holz. Foto: Andrea Maute

Sie ist ein kreativer Treffpunkt, der Menschen jeden Alters zusammenbringt: die Offene Holzwerkstatt im Balinger Generationenhaus. Ein Besuch.

Auf dem Weg zum Werkstattraum des Generationenhauses dringt der Geruch von Farbe in die Nase. Das erste, auf das der Blick an diesem Nachmittag fällt, ist ein antikes Tischchen mit Schublade, das soeben den finalen Anstrich erhält.

 

Seine Besitzerin, die das Möbelstück in vielen Arbeitsstunden zu einem richtigen Schmuckstück gemacht hat, legt den Pinsel beiseite, um den Besuch zu begrüßen. „Sonja“, stellt sie sich vor. „Und das hier ist der Fachmann“, übergibt sie an den Leiter der Holzwerkstatt des Generationenhauses. „Lars“, reicht dieser mit einem freundlichen Lächeln die Hand und erklärt: „Hier duzen wir uns alle.“

Lars Kristensen stammt aus Dänemark

Lars Kristensen stammt aus Dänemark und hat diese Gewohnheit aus seiner Heimat mitgebracht. Sich mit Vornamen anzusprechen, spiegelt aber auch das Gemeinschaftsgefühl wider, das in der Holzwerkstatt herrscht.

Denn hier ist niemand ist mit seinem Projekt allein. Niemand muss befürchten, vor unüberwindbaren Schwierigkeiten zu stehen. Stattdessen erhält man ganz viel Unterstützung – und nicht zuletzt wertvolle Ideen, die schon so manchem Werkstück das Tüpfelchen auf dem i verliehen haben.

Die Werkstatt als Wohlfühlort. Der Geruch nach Holz und Farbe und die Vorstellung, dass es für jede Idee einen Weg gibt – hier wird dies alles Realität. Und wirklich: „Wir mussten noch nie etwas aufgeben“, sagt Lars. „Denn es gibt immer eine Lösung.“

Dies kann Kerstin nur bestätigen. Sie widmet sich aktuell einem Projekt, das sie, wie sie erzählt, sogar nachts beschäftigt. Vor ihr auf dem Boden steht ein Metallpodest, günstig erworben in einem Supermarkt.

Im „Industrie-Style“

Einer nächtlichen Eingebung folgend reifte die Idee: Warum dieses nicht nutzen, um einen Blumenständer zu konstruieren, auf dem sich drei Pflanzkästen platzieren lassen? „Ans Fenster stellen kann ich diese nämlich nicht, dazu ist der Fenstersims zu schmal“, erklärt sie.

Unter das Podest sollen, so der Plan, nun Rollen montiert werden. Ob die beiden Metallelemente letztlich aneinander geschraubt oder eher aufeinander gestapelt werden, steht noch nicht abschließend fest. Die Tendenz geht aber zur Variante „Turm.“

Im „Industrie-Style“, der die Werkstoffe Metall und Holz verbindet, soll dieser dann ein Blickfang auf der Terrasse werden.

Ist der Plan umsetzbar, wird eine Materialliste erstellt

Bevor gehobelt, geschliffen und geschraubt wird, bedarf es zunächst immer eines Plans. Das ist Lars Kristensen wichtig. Als ausgebildeter Zimmermann und Ingenieur ist er es gewohnt, präzise nach Maß zu arbeiten. Dass hier in der Holzwerkstatt bisweilen ein bisschen künstlerische Freiheit im Spiel ist, daran habe er sich erst gewöhnen müssen, verrät er mit Schmunzeln.

Ist der Plan umsetzbar, wird eine Materialliste erstellt. Und mit dem gekauften Material finden sich die Menschen dann wieder in der Holzwerkstatt ein, um ihr Projekt in die Tat umzusetzen.

Nicht wenige, die hierherkommen bringen ein Möbelstück mit, das repariert oder restauriert werden soll. Da ist etwa Omas kaputter Stuhl. Oder die arg in Mitleidenschaft gezogene Sonnenliege. „Wegwerfen“, wäre da in den allermeisten Fällen der erste Impuls. Auch der Ehemann der Gartenliege-Besitzerin habe seiner Frau eben jenen Rat erteilt.

Diese befand allerdings, dass die Liege ein zweites Leben verdient und hat ihr in der Holzwerkstatt zu selbigem verholfen – übrigens mit einer tollen Idee von Kerstin, die vorschlug, die kaputten Holzlatten durch die Latten eines alten Bettrostes zu ersetzen.

Holzhasen als Dekoration für das Generationenhaus angefertigt

Einen tollen Impuls für eines ihrer eigenen Projekte – ein Sonnenschutz für Orchideen – erhielt die Ideengeberin indes von einem jungen Geflüchteten, der in der Werkstatt nicht nur sein Deutsch verbessert, sondern auch Gemeinschaft gefunden hat. Er regte an, auf der Silhouette ihrer Holzgebäude, darunter eine Moschee, einen beweglichen Halbmond zu platzieren; eine Idee, die Kerstin noch heute begeistert.

Etwa sechs bis acht Leute bilden aktuell den „harten Kern“ der Holzwerkstatt. Zum Mitmachen eingeladen sind aber ausdrücklich alle, die Lust haben, etwas mit den eigenen Händen zu schaffen.

Zu Ostern wurden auf Anregung von Sonja etwa gemeinschaftlich Holzhasen als Dekoration für das Generationenhaus angefertigt. Und für Kinder und Jugendliche, die ebenfalls öfter in der Holzwerkstatt vorbeischauen, wurde vergangenen Herbst in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Bürgergemeinschaft Ostdorf ein Drachenbasteln (mit Drachenfest) veranstaltet.

„Es ist jedes Mal eine Freude zu sehen, was hier entsteht und wie stolz alle auf ihre Werke sind“, sagt Lars Kristensen. Und auch wer befürchtet, bar jeglichen handwerklichen Geschicks zu sein, kann beruhigt werden: Denn mit ihm hat man einen waschechten Fachmann an der Seite.