Ein Teil der Hausgemeinschaft des Wohnprojekts Palette (von links): Harald Böhle, Ramona Böhle, Pheline Soppke, Waltraud Eisenmann, Ingeborg Kettern, Manfred Eisenmann, Dorothea Creutzburg und Christa Beisel. Foto: Tobias Weißert

Um das Blumenbeet zu Beispiel kümmert sich ein Team des Wohnprojekts. Aber auch wer in den Urlaub fährt, kann sich der Unterstützung in Garten und Haushalt sicher sein.

Noch immer ist das Wohnprojekt Palette einzigartig im Schwarzwald-Baar-Kreis. Darauf sind die Bewohner – und insbesondere Initiatorin Christa Beisel – auch nach sechs Jahren noch sichtlich stolz. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass an einem sonnigen Dienstagnachmittag, den man gerne auch mal an der frischen Luft verbringt, acht Bewohner im Gemeinschafts-Wohnraum in der Villinger Straße zusammengekommen sind, um über ihr Zusammenleben zu berichten.

 

Im Unterschied zum Beginn sind inzwischen auch junge Paare Teil des Wohnprojekts – eines zieht bald ein. „Sie sind sogar bereits das dritte“, freut sich Beisel. Ein Problem hat damit niemand. Im Gegenteil: Man freut sich für das junge Paar und über den Einzug von Pheline Soppke mit ihrem Partner.

Auch gefeiert wurde in der Zwischenzeit, trotz und teils gerade wegen der Corona-Pandemie. „Unsere Kinder haben hier ihre Hochzeitsfeier abgehalten“, berichtet Harald Böhle. „Wir haben draußen gefeiert und es gab klassische Musik. Das war mal etwas ganz anderes“, ergänzt seine Frau Ramona. Alle Geburtstage werden im Haus gemeinsam begangen, dazu feiern Teile der Hausgemeinschaft auch Silvester zusammen.

Um das Blumenbeet kümmert sich beispielsweise ein Team des Wohnprojekts. Aber auch wer in den Urlaub fährt, kann sich der Unterstützung in Garten und Haushalt sicher sein. Foto: Tobias Weißert

In Pandemiezeiten hat man sich da auch mal mit Sekt ausgeholfen, erinnert sich Ingeborg Kettern. „Wir haben uns über die Balkone zugeprostet und weil eine Familie keinen Sekt mehr hatte, haben wir eine Flasche mit einem Seil heruntergelassen.“ Auch die jungen Bewohner bringen sich im Alltag der Wohngemeinschaft ein. So hatten sich Soppke und ihr Freund etwa eine Tischtennisplatte gewünscht. Diese wurde dann auch angeschafft und an ihr sind die Bewohner der Gemeinschaft auch regelmäßig zugange.

Gemeinsame Freizeitgestaltung

„Wir halten uns gerne im Hobbykeller auf. Auch mit Freunden und Familie“, sagt Soppke zur Freizeitgestaltung. Allgemein machen die Bewohner des Wohnprojekts vieles in ihrer Freizeit gemeinsam. Die einen gehen zusammen ins Theater oder zu Konzerten, die anderen feiern miteinander Fasnet. Außerdem gibt es unter anderem eine Nordic-Walking-Gruppe oder eine Schachgruppe. Die Alleinstehenden bekochen sich ab und an gegenseitig. „Da ist Leben in der Bude“, freut sich Ramona Böhle. Demnächst wollen alle Mieter auch einen gemeinsamen Ausflug organisieren.

Für den Hausstrom (Aufzug, Tiefgarage und Beleuchtung) möchten die Hausbewohner irgendwann Solarstrom nutzen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Foto: Tobias Weißert

Dazu kommen gemeinsame Advents- und Frühlingsfeste und monatlich ein Frühstück im Gemeinschaftsraum. Und auch sonst gibt es nicht viele Regeln, sondern man zählt auf das verantwortungsvolle Miteinander. „Wir haben keinen Hausmeister“, sagt die Mitgründerin stolz. Es gibt spezielle Gruppen für Garten, Handwerkliches und die Müllentsorgung. Etwas später kommt Manfred Eisenmann dazu. Er kommt gerade vom Wertstoffhof. „Wir sammeln die Abfälle zentral und ich fahre sie dann weg“, sagt er. Gibt es etwas zu reparieren, ist vor allem er gefragt. Aber auch Soppke und ihr Freund: „Wir sind berufstätig und deshalb dankbar, dass uns tägliche Aufgaben abgenommen werden. Wenn etwas anfällt, helfen wir beim Auf- oder Abbau mit. Die Kommunikation ist simpel und ehrlich.“

Auch sonst fühlen sich die Beiden wohl: „Am Anfang weiß man ja nicht, was auf einen zukommt. Was gefordert wird.“ Doch das Paar habe schnell gemerkt, dass das „eine coole und lustige Truppe“ sei. „Wir finden es total schön, mit den verschiedenen Altersklassen zu tun zu haben. Jeder profitiert davon“, so Soppke.

Wie in Kindheitstagen

Sie fühle sich zurückversetzt in Kindheitstage. „So hat man Nachbarschaft damals gelebt.“ Manchmal treffe sie den einen oder anderen auch in der Stadt, die praktischerweise fußläufig gut erreichbar ist. „Dann hält man auch mal ein Pläuschchen“, erzählt Soppke. „Es ist so schön, dass so etwas erhalten bleibt in einer Welt, die immer schnelllebiger wird.“ Als Beispiel nennt sie die selbst gemachte Marmelade, die eine Gruppe aus den verschiedenen angebauten Obstsorten herstellt.

Ähnlich ergeht es auch den älteren Bewohnern in der Wohngemeinschaft. „Es ist ganz toll, dass die Jungen da sind“, freut sich etwa Beisel. So hilft man sich zum Beispiel gegenseitig beim Einkaufen oder wenn mal jemand verreist ist.

Die jungen Bewohner haben sich eine Tischtennisplatte gewünscht. Aus den gemeinschaftlichen Ersparnissen konnte diese nun realisiert werden. Foto: Tobias Weißert

Obgleich jeder sein Leben lebe, sei es ein schönes Gefühl, zu wissen, dass jemand da sei, sagt deshalb Ramona Böhle. Sie betreibt inzwischen eine Fußpflegepraxis im Gebäude. „Das ist ein tolles nachbarschaftliches Miteinander.“ Beisel kann auch von reger Nachfrage am Wohnprojekt berichten: „Ich werde regelmäßig darauf angesprochen, ob nicht bald eine Wohnung frei wird.“ Doch so schnell ist das hier nicht der Fall.

Vielmehr hat die Hausgemeinschaft in ihrer aktuellen Zusammensetzung bereits weitere Vorhaben für die Zukunft ins Auge gefasst. Manfred Eisenmann schwebt beispielsweise die Installation einer Photovoltaikanlage zur Abdeckung des Stroms für die Gemeinschaft vor.

Wohnen im Alter

Palette
Als zeitweise 40 Mitglieder zählender Verein „Wohnen im Alter“ ging das generationenübergreifende Hausprojekt 2003 an den Start. 2012 erwarb die Wohnprojekt Palette GmbH das Grundstück an der Villinger Straße 31. Als 2016 der Bauantrag für das 2,9-Millionen-Euro-Vorhaben eingereicht wurde, war nur eine der 13 Wohnungen nicht verkauft. Im Herbst 2017 begann man den Bau des Gebäudes. Im April 2019 konnten die ersten Bewohner einziehen. In neun Wohnungen leben die Eigentümer, vier Wohnungen sind im Besitz von Investoren. Zwei Senioren und acht Personen unter 50 Jahren gehören zur Hausgemeinschaft. Die restlichen Bewohner sind zwischen 50 und 70 Jahren alt. Damit ist das Wohnprojekt ein „echtes“ Drei-Generationen-Haus. Baugemeinschaften sind Zusammenschlüsse von Menschen, die durch gemeinsames Planen und Bauen individuellen Wohn- und gemeinsamen Lebensraum schaffen, um ihn langfristig selbst zu nutzen. Zu den Vorteilen gehört, dass, da ein externer Bauträger wegfällt, oft günstiger und auch ökologischer gebaut werden kann. Ziel von Baugemeinschaften ist häufig ein generationenübergreifendes Gemeinschaftsleben.