Bürgermeister Hermann Acker (dritter von links) begrüßt die türkische Generalkonsulin Banu Terzioglu (rechts neben ihm) und ihre Delegation sowie Vertreter des türkischen Elternvereins und des Kulturzentrums für Bildung und Integration. Foto: Reimer

Es war ein besonderer Besuch: Die türkische Generalkonsulin Banu Terzioglu besichtige am Mittwoch das muslimische Grabfeld auf dem Lindenhof. Die Stadt verfolgt derweil eine Vision.

Oberndorf - "Oberndorf setzt ein Zeichen für das friedliche Miteinander und den gegenseitigen Respekt", sagte die türkische Generalkonsulin Banu Terzioglu nachdem ihr die muslimische Grabstätte auf dem Friedhof gezeigt wurde. Die Stadt könne in ihrer Geschichte auf eine lange und enge deutsch-türkische Verbindung blicken.

Grabfeld 2018 fertiggestellt

Das Grabfeld auf dem Lindenhof wurde unter enger Zusammenarbeit mit dem türkischen Elternverein Oberndorf geplant und im Frühjahr 2018 fertiggestellt. Der Stadt und dem Gemeinderat war dieses Grabfeld ein wichtiges Anliegen, sagte Acker. Bisher haben hier vier Menschen ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Nebenan befinden sich zwei Grabsteine, die die weit zurückreichenden deutsch-türkischen Beziehungen in Oberndorf unterstreichen. Sie erinnern an Ibrahim Efendi und Leyla Hüsnü. Zwei Info-Tafeln erzählen ihre Geschichte.

Efendi war ein türkischer Offizier, der als Mitglied der türkischen Abnahmekommission in Oberndorf arbeitete und hier im Jahr 1888 verstorben war. Er war mit einer deutschen Frau verheiratet.

Tragischer Verlust

Die Grabrede für Efendi hielt damals sein Freund Hüseyin Hüsnü. Auch er war türkischer Offizier und mit einer deutschen Frau verheiratet. Der kleine weiße Grabstein erinnert an seine Tochter, die 1889 im Alter von etwa zwei Monaten verstorben war.

Beide Grabsteine standen früher auf dem Talfriedhof, wo Leyla Hüsnu und Ibrahim Efendi zu jener Zeit bestattet wurden. Beide Grabmale wurden später ins Museum gebracht, restauriert und aufbewahrt, bis das muslimische Grabfeld auf dem Lindenhof fertiggestellt wurde.

Terzioglu bedankte sich bei allen Beteiligten, dass man sich für den Erhalt dieser Grabsteine eingesetzt und ihnen nun auch einen besonderen Platz eingeräumt hat.

Türkenbau soll zurückkehren

Die Stadt und der türkische Elternverein wollen derweil ein weiteres Stück deutsch-türkische Geschichte in Oberndorf aufleben lassen. Die Abnahmeoffiziere, die einst die vom Osmanischen Reich gekauften Mauser-Waffen prüften, waren damals im Türkenbau untergebracht. Das Gebäude wurde später abgerissen. Noch heute steht es symbolisch für die "Türkenzeit" (rund 1880 bis 1914). Spuren des damaligen kulturellen Austauschs lassen sich heute noch beispielsweise in der Fasnet finden.

Es bestehe Interesse, dieses Bauwerk in irgendeiner Form wieder zurückzubringen, erklärte Bürgermeister Hermann Acker. Wann, wo und wie das geschehen soll, ist noch unklar. Derzeit gebe es nur vage Ideen. "Aber es ist eine Vision an der wir festhalten möchten", so der Bürgermeister.

Dabei gehe es auch darum die Vergangenheit wach zu halten und den kulturellen Austausch zu fördern. Generalkonsulin Terzioglu zeigte sich zuversichtlich, dass dies auch künftig in Oberndorf funktionieren wird.