Gendern à la Lahr! Foto: Melanie Geitlinger

Ich habe eine sehr lesenswerte E-Mail erhalten, in der sich – mal zum Nachdenken anregend, mal zum Schmunzeln – der Absender am Gendern abarbeitet. In der Hoffnung, der Schreiber nimmt es mir nicht übel, will ich seine Gedanken angereichert mit meinen eigenen wiedergeben. Sie sind in weiten Teilen deckungsgleich.

Irgendwie ist es beim Gendern ja wie einst bei der Musik der Band Pur, die keiner hörte, deren Alben es aber trotzdem stets auf Platz eins in den Charts schafften: Niemand findet Gendern gut, trotzdem wird es überall getan. Eine unsichtbar-mächtige Bewegung, die so Furchtbares wie Schrägstrich-Konstruktionen und das Binnen-I hervorgebracht hat und die deutsche Sprache länger, (grammatikalisch) falsch und unanhörlich macht. Oder klingt das Wort »Mitgliederinnen« für irgendjemanden richtig und schön? Definitiv Quatsch sind Formulierungen mit dem Partizip Präsens. Sie suggerieren nämlich, dass »Studierende« 24 Stunden am Tag in der Uni büffeln und »Sprechende« nie schweigen.

Beim Gendern geht es in erster Linie darum, der Mehrzahl, die im Deutschen meist  von der männlichen Grundform abgeleitet wird, eine weibliche Note zu verpassen. Was dabei übersehen wird: Das Pronom für Gruppen ist stets »sie«, also weiblich. So sagt man, wenn Männer Fußball spielen und danach ein Bier trinken: Sie kicken und heben einen. Eine Ungerechtigkeit? Natürlich nicht.

Jetzt könnten Feministinnen (und Feministen) kritisieren, dass ein Mann diese Zeilen schreibt, der der Unterdrückung der weiblichen Form Vorschub leistet. Ihnen sei gesagt: Würde es künftig Konsens, aus dem generischen Maskulin ein Feminin zu machen, hätte ich damit überhaupt kein Problem. Hauptsache, die sprachlichen Verrenkungen haben ein Ende. Oder wie unser Leser schreibt: »Gendern – ach herrje!«