„Genauso bled wie mir“ wird zum Superhit. Warum kommt der Song so gut an? Unser Redakteur geht dieser Frage auf die Spur.
„Ettenewiiler un Münchwiir...“, es will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die ganze Woche schon stimmt alle paar Stunden irgendein Teil meines Gehirns den regionalen Superhit der Rhinwaldsounds an. „Erbse, Bohne, Linse“ – da war es schon wieder! Schon nach sechs Tagen muss man konstatieren: Die Mundart-Band aus Kappel-Grafenhausen hat einen Song produziert, den man neudeutsch getrost als „Banger“ bezeichnen kann.
Ist es die Erinnerung an humorvolle, selten wirklich ernst gemeinte Sprüche, an denen aber doch irgendwo etwas dran ist? Ist es das dazugehörige Video, in denen Zehntausende „ihre“ Ortsschilder wiederfinden? Oder ist es die (selbstironische) Botschaft, dass am Ende doch alle „genauso bled“ sind? Es spielt wohl all das mit rein, dass der Hit bis Ende der Woche hunderttausendfach geklickt wurde.
Was mich tatsächlich am meisten überrascht, ist, wie sehr mich der Song in Bann zieht. Klar habe ich die Region in den knapp fünf Jahren, in denen ich hier wohne, schon ganz gut kennen- und vor allem lieben gelernt. Doch bin ich anders als viele der begeisterten Fans nicht hier geboren und natürlich auch nicht mit den Frotzeleien aufgewachsen.
Was ist also die Magie des Songs? Für mich ist es die Freude darüber, wie er Menschen zusammenholt, findet sich doch jeder entweder über die Ortsschilder oder die Sprüche irgendwo wieder. Es bewegt mich, eine neue Heimat gefunden zu haben, in der die Leute bei allen Nicklichkeiten unterm Strich zusammenstehen und dass diese Leute mich als Zugezogenen so gut aufgenommen haben, sodass ich mich hier zu Hause fühle.
Zu hoffen bleibt, dass sich das Lied nicht allzu schnell abnutzt und den Leuten irgendwann zu den Ohren rauskommt. Aktuell kann ich es gar nicht oft genug hören – allein schon um mich vor den einschlägigen Weihnachtshits der Kategorie „Last Christmas“ zu retten.
Und wer weiß? Vielleicht gibt es ja trotz der angekündigten Bandpause irgendwann einmal Teil zwei. Die Fans, das wurde in den Sozialen Medien deutlich, wünschen es sich. Und Ortschilder – und „bleede Sprich“ in jenen Dörfern – gibt’s ja noch genug.