Trotz verbreiteter Vorbehalte sieht der Schulleiter der Gemeinschaftsschule in Loßburg, Thomas Gisonni, in der Schulform großes Potenzial.
Das Konzept Gemeinschaftsschule weckt bei vielen Menschen nach wie vor große Skepsis. Thomas Gisonni, Rektor der Gemeinschaftsschule (GMS) Loßburg, zeigt im Gespräch mit unserer Redaktion auf, was die moderne Form kann und was seine Schule zu etwas ganz Besonderem macht.
Seit 2014 wird die damalige Realschule unter der Leitung von Gisonni als Gemeinschaftsschule geführt. Zwei Hauptgründe für den Wechsel seien folgende gewesen: Zum einen habe er sich bereits in früheren Jahren mit modernen Unterrichtsformen befasst und diese gerne voranbringen wollen. Zum anderen hätten manche Schüler die Realschule vor allem wegen der Nähe oder einer entfallenen Grundschulempfehlung gewählt – nicht unbedingt, weil es die passende Schulform für sie war.
Grundkonzept der Schulform
Hauptbestandteile des Konzepts einer Gemeinschaftsschule seien vor allem das individuelle Coaching und die Rückmeldungen durch Niveaustufen, erzählt Gisonni. Durch das regelmäßige Coaching mit einem festen Lehrer sollen die Schüler im Mittelpunkt stehen und individuell nach ihrem Niveau und ihren Fähigkeiten gefördert werden. Lehrer würden dabei zu Vertrauenspersonen und könnten so auch in Themen unterstützen, die nicht direkt den Lerninhalt betreffen, so der Rektor.
Bei Leistungsabgaben werde auf klassische Noten verzichtet. Stattdessen erhielten die Schüler Rückmeldungen auf drei Niveaustufen, die ihnen als Orientierung in den verschiedenen Fächern dienen sollen. Zudem fallen auch die üblichen Hausaufgaben weg und werden durch Lernzeiten in der Schule ersetzt.
Schulwald, Frankreich und Karriere
Neben einer starken Vernetzung in der Region und einer fortgeschrittenen Digitalisierung, mache vor allem der Schulwald die GMS Loßburg zu etwas ganz Besonderem, sagt der Schulleiter. Dieser umfasst 20 Hektar und beinhaltet ein Waldklassenzimmer. Auf dem Weg zwischen Schulgebäude und Wald ist außerdem ein Schulgarten zu finden, welcher von einer Garten-AG betreut wird. „Kinder in Loßburg können vom Waldkindergarten bis in die zehnte Klasse im Wald sein“, freut sich Gisonni über diese Möglichkeit im Ort.
Doch auch mit weiteren Projekten und Angeboten kann die Schule von sich überzeugen: Jedes Jahr findet ein Schüleraustausch mit der Partnerstadt Anse in Frankreich und alle zwei Jahre mit der Partnerstadt Harta in Ungarn statt.
Für die Zeit nach der Schullaufbahn wird den Schülern in Zusammenarbeit mit verschiedenen Unternehmen und beruflichen Schulen erste Einblicke in diverse Berufe ermöglicht.
Schulleiter stellt sich gegen die Vorurteile
Trotz der weiterhin verbreiteten Skepsis gegenüber Gemeinschaftsschulen und ihrer deutlichen Unterrepräsentation im Lehramtsstudium, ist Schulleiter Gisonni von der Schulform überzeugt: „Die Gemeinschaftsschule ist so gemacht, dass jeder zurechtkommen sollte.“
Entgegen der häufigen Vorurteil, ist er als ehemaliger Lehrer einer reinen Realschule der Ansicht, dass es Schülern in einer herkömmlichen Realschule viel schneller passieren könne, unterzugehen. Gerade deshalb wünscht sich Gisonni mehr Akzeptanz für die Schulform Gemeinschaftsschule.
Das Konzept
Die Schule
Besuchen können Schüler die Sekundarstufe in Loßburg von der fünften bis zur zehnten Klasse. Anschließend gibt es die Möglichkeit, auf ein berufliches Gymnasium zu wechseln, um dort das Abitur zu erlangen. Zwar wird derzeit daran gearbeitet, auch an der Gemeinschaftsschule Loßburg selbst eine gymnasiale Oberstufe einzurichten, doch gerade für kleinere Gemeinschaftsschulen gestaltet sich dies bislang noch schwierig.