Für die Besucher des gemeinsamen Mittagessens im Foyer der Arthur-Bantle-Halle gab es einen besonderen Schmankerl.
Besucher des gemeinsamen Mittagessens im Foyer der Arthur-Bantle-Halle, das jeden Monat von der Nachbarschaftshilfe „Lichtblicke“ veranstaltet wird, bekommen im Anschluss an das Essen fast immer noch ein Schmankerl, meist in Form von Musik.
Beim Mittagessen im Juni stand etwas ganz Unerwartetes auf dem Programm. Die Besucher erhielten Einblick in eine ganz ferngerückte Welt. Johannes Schön aus St. Georgen, ein geistig noch sehr reger Senior von 88 Jahren, brachte aus seiner Sammlung von über 150 Zierwachsstöcken einige interessante Exemplare mit, und so hatten die Besucher nach dem Essen Gelegenheit, die kunstvoll verzierten Objekte in einer kleinen Ausstellung zu besichtigen. Johannes Schön, der im Heimathaus Tennenbronn im November 2023 eine große Ausstellung aufgebaut hat, gab dazu Erläuterungen.
Zunächst, bis ins 19. Jahrhundert, war der Wachsstock ein einfaches Beleuchtungsmittel, quasi eine Endloskerze. Das Praktische war, dass man keinen Kerzenhalter brauchte und den Wachsstock gut in die Tasche stecken konnte. Mit seiner langen Brenndauer war er für jeden erschwinglich.
Erinnerung an besondere Ereignisse im Leben
Im Laufe der Zeit wurden die schnurförmigen Kerzen kunstvoll aufgewickelt und bunt ausgeschmückt, aber auch zu Geschenkartikeln. Aufgemalte oder plastisch aufgesetzte Verzierungen erinnerten an besondere Ereignisse im Leben, wie Taufe oder Hochzeit. Besonders an Wallfahrtsorten wurden sie, verziert mit Heiligenbildern, in großer Zahl angeboten und als Mitbringsel von Wallfahrern gekauft. Zu Maria Lichtmess am 2. Februar gab es „Lichtmess-Wachsstöcke“, die in der dunklen Jahreszeit in der Kirche angezündet wurden, um im Gesangbuch lesen zu können. Auch bei den Rorate-Messen im Advent wurden sie verwendet.
Liebesgaben und Erinnerungsstücke
Zierwachsstöcke dienten bald nicht mehr nur zur Beleuchtung, sondern wurden als Liebesgaben und Erinnerungsstücke aufbewahrt. Anstatt sie abzubrennen, stellte man sie als Schauobjekt in den Herrgottswinkel. Die Sammlung von Schön, die er in einer Sonderausstellung im Tennenbronner Heimathaus zeigt, beginnt um das Jahr 1870.
Ähnlich wie bei der Kunst, Ostereier bis ins kleinste Detail zu bemalen, ist das Staunen groß, was man auf ein so kleines Stück alles darauf bekommt Ein besonderes Stück ist ein Wachsstock in Form einer Mitra, der zum Beusch von Papst Benedikt XVI. gefertigt wurde.